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kobinet-nachrichten 28.01.2008 - 13:38
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Eltern-Resolution gegen schulische Ausgrenzung von behinderten Kindern

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Kassel (kobinet) Die Offene Schule Waldau (OSW) in Kassel praktiziert seit 14 Jahren einen gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern in Nordhessen. In der Ganztagsschule OSW befindet sich pro Jahrgang (5 bis 10) eine Klasse mit zwei bis fünf behinderten Kindern pro Klasse.

Die OSW, eine integrierte Gesamtschule der Sekundarstufe I, will grundsätzlich auch praktisch-bildbare Schüler gemeinsam unterrichten und verfügt seit 1993 /94 über fundierte praktische Erfahrung. Normalerweise ist der Schulbesuch mit der 10. Klasse an der OSW beendet. Praktisch-bildbare Schüler, die eine Sonderschule besuchen, gehen jedoch mindestens 12, teilweise 13 bis 14 Jahre zur Sonderschule! Dadurch wird berücksichtigt, dass diese Schüler mehr Zeit für ihr Lernen und für ihre Berufsorientierung benötigen.

Auch an der OSW wird eine verlängerte Schulzeit für praktisch-bildbare Schüler angeboten. Seit dem Schuljahr 2002 /03 gibt es eine Arbeitsstufe (entsprechend der Werkstufe an der Sonderschule). Nach zehn Jahren gemeinsamen Unterrichts erschien es als nicht sinnvoll und der Idee der Integration widersprechend, die behinderten Jugendlichen an eine Sonderschule zu verweisen, um eine berufliche Orientierung durchführen zu können. An der OSW wird eine Kombination aus berufspraktischen Tagen (2 Tage pro Woche) und Schultagen mit Schulung der Kulturtechniken und lebenspraktischem Unterricht (3Tage) ab dem 11. Schuljahr angeboten.

"In den letzten Jahren wurde jedoch die Durchführung der Arbeitsstufe für die behinderten Schüler auf zwei Jahre begrenzt (Schuljahr 11 und 12) und im Jahrgang 13 vom Schulamt nicht mehr genehmigt. Gleichzeitig wurde die sonderpädagogische Stundenzuweisung für das Schuljahr 2007/08 stark gekürzt", so Uwe Frevert, Mitglied des Schulelternbeirates.

Zur Verschlechterung des gemeinsamen Unterrichts haben an der OSW vor allem zwei richtungweisende Entscheidungen des hessischen Kultusministeriums beigetragen:

1. Kinder mit Förderbedarf im Bereich Erziehungshilfe sollen soweit wie möglich in der Regelschule unterrichtet werden. So kann sich die Situation ergeben, dass in Zukunft zwei oder gar drei verhaltensauffällige Kinder in einer Klasse unterrichtet werden sollen. Dies führt nachweislich zur Überlastung der Klasse und auch der Regelschullehrer im gemeinsamen Unterricht.

2. Es sollen (wegen der geringen Stundenzahl, die für Integration vorgesehen ist) vor allem nur noch Kinder integriert werden, die bei einem zielgleichen Unterricht mithalten können. Eine Aufstockung des Stundenpools für den gemeinsamen Unterricht ist nicht erfolgt. Im Ergebnis werden in den Grundschulen kaum mehr Kinder mit einer so genannten "geistigen Behinderung" unterrichtet und können auch nicht mehr an der OSW weiter unterrichtet werden.

Problematisch ist auch, dass zwar die Schule von den Eltern gewählt werden kann, das Schulamt aber die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und die Förderstunden für die OSW zuweist. Somit gibt es, jedes Jahr aufs Neue, oft bis zum Beginn des neuen Schuljahres keine Planungssicherheit in den Klassen mit behinderten Kindern über Umfang und Art der sonderpädagogischen Förderung. Außerdem wurden die Einsatzstunden der sonderpädagogischen Fachlehrer in den letzten Jahren gekürzt. Im Ergebnis verfügt eine Klasse mit 4 behinderten Kindern in den letzten Jahren nur noch über 16 statt wie bisher 20 bis 22 Stunden Förderung.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass durch die bildungspolitische Entscheidungen des hessischen Kultusministeriums und deren organisatorische Umsetzung durch das Schulamt das bewährte Schulkonzept an der OSW in Frage gestellt ist. Im Schuljahr 2007/2008 hat die Schule selbst zusätzliche Förderstunden bezahlt, damit eine Integrationsklasse die ihr zugeordnete Sonderpädagogin behalten konnte und in der Arbeitsstufe Unterricht in angemessenem Umfang möglich war.

Aus diesem Grunde wurde während des "Werkstattabends" der Offenen Schule Waldau (OSW) am 30.11.07 eine Resolution innerhalb von nur drei Stunden von 550 teilnehmenden Personen unterzeichnet, um sich gegen die Separierung von behinderten Kindern in Sonderschulen auszudrücken. "In vielen Gesprächen mit den Besuchern der Veranstaltung habe ich erneut erfahren, welchen hohen Stellenwert die Fortführung der Integration behinderter Kinder nicht nur innerhalb der Schulgemeinde hat", so Volker Marschang, Vorsitzender des Schulelternbeirats der OSW weiter.

Diese Protestnote wurde vom Schulelternbeirat der OSW an das hessische Kultusministerium verschickt.
anre
 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Cordula Müller schrieb am 29.01.2008, 06:05

Inklusion bis zum Schluss

Vorbildlich! Ich hoffe, wir bekommen bei uns auch viele Eltern dazu, für die Inklusion mitzustimmen. Auch wenn der ein oder andere kobinet Leser denkt, schon wieder die! Aber unser Kampf für unseren Sohn hat sich gelohnt! Tom darf auf seinem Integrationsplatz bleiben! Und sein Zwillingsbruder darf zu ihm auf die Schule wechseln.2,5 Jahre Kampf haben sich gelohnt. Wir kämpfen weiter. Das nächste Projekt- ein Stand im porta Möbelhaus 53332 Bornheim, bei dem es um die Schule für alle geht. Am 9. Februar ab 11 Uhr geht es los. Alle sind eingeladen, vorbeizuschauen, um uns ihre Unterschrift für die Schule für Alle zu geben. Wir ruhen jetzt nicht aus, sondern wollen, dass alle Kinder die Chance bekommen, in die Regelschule gehen zu dürfen. Bei uns sind leider auch Eltern! noch davon überzeugt, dass das Aussortieren auf die Förderschulen nach wie vor das Beste für ihr Kind sei. Wenn wir es schaffen, diese Eltern vom Gegenteil zu überzeugen, müsste sich die Stadt Bornheim demnächst was einfallen lassen. Bisher bleiben nämlich die Zahlen der AOSF Verfahren geheim , und der GU wird den Eltern nicht! nahegelegt. Wir wollen das ändern. Und -liebe kobinet Leser- seid mir nicht böse über meine immer wieder geschriebenen Leserbriefe- aber gerade hierdurch habe ich viele wertvolle Kontakte knüpfen können , und es hat auch schon Eltern gegeben, die um Hilfe baten, da für sie alleine der Kampf gegen das Schulsystem zu schwer war. Bis bald!

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