
Bretzfeld/Unterheimbach (kobinet) Einer Wohngemeinschaft alter Menschen im hohenlohischen Bretzfeld/Unterheimbach droht jetzt die endgültige Schließung, nachdem das Regierungspräsidium Stuttgart darin ein illegales Pflegeheim sieht.
Schon im vergangenen Jahr sah es so aus, als ob die Wohngemeinschaft aufgelöst und die WG-Bewohnerinnen und Bewohner in ein oder mehrere Altenpflegeheime verlegt würden (kobinet vom 30. Juni 2007). Doch die Beschlüsse des Verwaltungsgerichtes Stuttgart und des Verwaltungsgerichtshofes Mannheim, die im Rahmen von einstweiligen Verfügungen gesprochen wurden, gaben der WG eine Galgenfrist. Sie sahen in der WG kein (illegales) Heim, das sofort - noch vor dem Hauptsachverfahren - geschlossen werden müsste.
Tatsächlich war die WG zwölf Jahre als Kleinstheim mit ursprünglich neun, später dann acht, Bewohnerinnen und Bewohnern geführt worden. Dies wurde erst infrage gestellt, nachdem der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) mit dem Zollstock die Quadratmeterzahl der Wohnfläche ermittelte und zu dem Schluss kam, dass diese nur für sechs Personen und nicht für neun ausreichen würde. Die Qualität der Pflege und Versorgung wurde nie beanstandet. Da aber keiner der Bewohnerinnen und Bewohner ausziehen und in ein "Heim" wechseln wollte, entschlossen diese und ihre gesetzlichen Betreuer sich dazu, eine Wohngemeinschaft mit einzelnen Miet- und Versorgungsverträgen zu gründen.
Jetzt aber stellte das Regierungspräsidium Stuttgart in einem 49-seitigen Schreiben fest, dass die WG seiner Meinung nach doch als Heim einzustufen sei. Die zuständigen Pflegekassen stellen daher sofort ihre Leistungen ein, so dass die Pflege nicht mehr finanziert werden kann. Altenpflegerin Monika Gebhardt: "Wir können ohne die Leistungen der Pflegeversicherung den Pflegedienst nicht mehr bezahlen. Die Pflegeverträge mussten deshalb auf den 8. Februar gekündigt werden. Wenn nicht ein Wunder geschieht und wir eine größere Spende erhalten, haben wir nicht die Möglichkeit die Zeit bis zur Beendigung eines weiteren Klageverfahrens zu überbrücken".
Laut Gebhardt lebten derzeit nur noch sechs Bewohnerinnen und Bewohner in der WG. Die Anforderungen an die Quadratmeterzahl auch für ein Kleinstheim wären damit erfüllt: "Doch jetzt heißt es plötzlich, wir würden unsere Bewohnerinnen und Bewohner mangelhaft versorgen. Wir sind entsetzt, was uns da unterstellt wird".
Gestern habe der Sohn eines WG-Bewohners seinem Vater erklärt, dass er vermutlich bald in ein Pflegeheim ziehen müsste. Dieser habe darauf geantwortet: "Ich gehe hier nicht raus. Niemals!" elba
Monika Hamester schrieb am 11.02.2008, 15:57
Ich betreibe seit 12 Jahren einen ambulanten Pflegedienst in Schleswig-Holstein. Seit rund 8 Jahren betreuen meine Mitarbeiter und ich rund-um-die-Uhr in mittlerweile 7 unabhängigen Wohngemeinschaften lim südlichen und nördlichen Schleswig-Holstein ebend, zwischen 36 und 42 schwerstbehinderte, überwiegend jüngere Menschen mit zum Teil schwersten erworbenen Hirnschäden, zum Teil im Wachkomazustand bis hin zur Beatmungspflictigkeit.
Was wir der Pflegedienst, die Angehörigen , Betreuer und auch Patienten in den Jahren seit 2000 erlebt haben, würde ganze Bücher füllen wenn ich denn die Zeit fände diese alles aufzuschreiben.
Bei uns war und ist bis heute das größte Problem der örtliche Sozialträger im Kreis-Herzogtum-Lauenburg im südlichen Schlesig-Holstein. Vor 2 Jahren hatte sich die Situation so zugespietzt, das der Verein mobile e.V. über die Lübecker Nachrichten die Öffentlichkeit informiert hat.
Hierzu verweise ich für weitere Informationen auf die Internetseite des Vereins www.mobile.li
Dieser Verein hat sich im Jahre 2002 aus Mitarbeitern meines Pflegedienstes, sowie meiner Therapiepraxen, betroffenen WG Bewohnern, Angehörigen, Betreuern, Rechtsanwälten, Ärzten und engagierten an der Sache interessierten Mitbürgern aus den umliegenden Gemeinden der Wohngemeinschaften begründet.
Wenn ich sage, das meines Wissens zurzeit ca. 45 Sozialgerichtverfahren der von uns versorgten, teilweise bereits verstobenen und noch in den WG`s lebenden Menschen anhängig sind, dürfte das in ungefär die Brisanz des hier geschriebenen unterstreichen. Mittlerweile schießen in ganz Schleswig-Holstein Wohngemeinschaften wie Pilze aus dem Boden. Ich denke, wir haben es am dicksten abbekommen, da wir mit unserem Versorgungskonzept, das bereits vor 8 Jahren gestartet wurde mit Sicherheit eine Vorreiterrolle inne hatten. Die Zeit war und ist eigentlich immer noch nicht reif für derart innovative Versorgungsformen.
Wer mehr über unsere Arbeit wissen möchte und vor allen Dingen wie man sich gegen die großen und kleinen Wiedrigkeiten wehrt, kann jederzeit den Verein, aber auch mich persönlich gerne kontakten. Monika Hamester Tel. 0173 / 9809301.
Es ist denke ich ohnehin dringend indiziert, das es langsam zur Vernetzung und zum intensiven Erfahrungsaustausch aller kommt, die neue und innovative Wege in der Pflegelandschaft bereits gehen oder zukünftig gehen wollen. Euch kann ich nur raten: KOPF HOCH UND DRINGEND AN DIE ÖFFENTLICHKEIT TRETEN.
Christina Fuchs schrieb am 04.02.2008, 11:56
Der Generalanzeiger in Bonn( 17.Januar 2oo8) berichtete über die Initiative einer Familie ein Wohnhaus zu bauen in dem der Sohn und vier weitere Behinderte leben können. SPD uund Grüne lehnten das Vorhaben ab." Wir dürfen keine Ausnahmen machen"
Eine Flut empörter Leserbriefe antwortete auf die Ablehnung.
Da wird Elterninitative bestraft.Der Staat sollte auch seinen behinderten Mitbürgern keine ihre Lebenplanung einengenden Vorschriften machen.
Leserbriefe nachzulesen in der Ausgabe Generalanzeiger Bonn vom2/3 Februar 2oo8.
Gerhard Lichtenauer Daheim-statt-Heim.at schrieb am 03.02.2008, 19:25
wenn Selbstbestimmung, Grund- und Freiheitsrechte durch bürokratische Unsinnigkeiten ausgehebelt werden.
Dies geschieht mit einer frappierenden Unverfrorenheit, wenn es sich um pflegebedürftige, auf Hilfe angewiesene Menschen handelt, um sie der Verwaltung, Fremdbestimmung, Kasernierung und kommerziellen Verwertung zuzuführen.
Wie lange haben Schreibtischtäter noch das Sagen, wie lange bleiben die Bedürfnisse der Menschen unberücksichtigt und wie lange noch die Appelle von Betroffenen ungehört? www.daheim-statt-heim.at/appell-01.php
Wasilios Katsioulis schrieb am 03.02.2008, 16:44
zu bemängeln ist, warum nicht bis zum Ende des Klagverfahrens gewartet werden konnte, zumal die betroffenen Personen bereits seit Jahren offenbar zufrieden in der Gemeinschaft lebten.
Dies wäre nicht nur besser für die Betroffenen gewesen, sondern auch billiger für die Staatskasse. Auf diese Art und Weise wird leichtfertig mit Steuergeldern umgegangen weil "Notlösungen" immer teurer sind als Lösungen auf die sich die Betroffenen bereits Jahre eingestellt haben.
Desweitere wäre es wünschenswert wenn nicht nur kostenüberlegungen in die Entscheidungen einfliessen würden, sondern vorallem Überlegungen, wie es behinderten Menschen erleichtert werden kann bewährte und funktionierende "Lebensformen" beizubehalten.
Mit einem übereilten Zahlungsstopp setzt man die Betroffenen Menschen in Handlungsdruck, ohne dass die Behörde sich zur Zeit sicher sein kann, ob beispielsweise der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine solche Entscheidung letztendlich unterstützt.
Inge Rosenberger schrieb am 03.02.2008, 16:06
Es macht mich so was von wütend, wenn gute alternative Wohnformen, in denen die Menschen (egal ob alt oder jung) zufrieden leben, mit vorgeschobenen "Argumenten" oder überflüssigen Paragraphen so massiv be- und verhindert werden.
Mit dieser - für mich sehr fragwürdigen - Methode nimmt man auch anderen Menschen den Mut und die Energie, ein selbstbestimmtes Leben im Alter oder bei Behinderung anzustreben.