
Freiburg/Berlin (kobinet) Namhafte Wissenschaftler befürworten, dass Pflegeversicherungsleistungen als Geldleistungen künftig in das so genannte trägerübergreifende Persönliche Budget integriert werden. Sie haben dazu eine Erklärung verfasst. Diese hat das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA e.V.) auf seiner Internetseite veröffentlicht.
Unter der Federführung von Prof. Dr. Thomas Klie haben Prof. Dr. Felix Welti, Dr. Heidrun Metzler und weitere Unterzeichnerinnen und Unterzeichner in ihrer Erklärung dargestellt, dass es sinnvoll ist im Rahmen des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes (PfWG) behinderten Menschen die Möglichkeit zu geben, Geldleistungen in Höhe der Sachleistungen als Teil eines trägerübergreifenden Persönlichen Budgets zu erhalten. Seither können diese Personen lediglich entweder die niedrigen Geldleistungen in Anspruch nehmen oder Gutscheine in Höhe der Sachleistungen erhalten. Mit diesen Gutscheinen können dann Pflegeleistungen bei einem professionellen Anbieter "eingekauft" werden.
Als Grundlage für die Befürwortung nennen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zu verschiedenen Budgetmodellen. Diese hätten gezeigt, dass die Versorgungs- und Lebensqualität der Budgetnehmerinnen und Budgetnehmer deutlich zugenommen hätten. Sie appellieren: "Die Unterzeichnenden bitten die Bundesregierung und den Bundestag die Chance zu nutzen, im Pflege-Weiterentwicklungsgesetz die notwendige Einbeziehung von Pflegeleistungen in das (integrierte) trägerübergreifende Budget zu ermöglichen.
Dazu erklärt ForseA-Vorsitzende Elke Bartz: "Wir sind sehr froh darüber, dass namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler - darunter vor allem auch diejenigen, die vom Gesetzgeber selbst mit der wissenschaftlichen Begleitforschung der Projekte beauftragt wurden - zu diesem Ergebnis gekommen sind. Wenn es auch nicht 'die breite Masse' sein wird, die ein solches trägerübergreifendes Persönliches Budget inklusive Pflegeversicherungsleistungen beantragen wird, so wird es für die diejenigen, die es tun, eine erhebliche Verbesserung ihrer Versorgungssituationen mit sich bringen. Ich hoffe, das federführende Bundesministerium für Gesundheit wird sich diesen Argumenten nicht verschließen". hjr
Sabine Gutmann schrieb am 06.03.2008, 19:31
Man sollte auch darüber nachdenken statt der bestehenden Pflegestunden besser entsprechend des stündlichen Pflegeaufwandes "abzurechnen", so würde auch viele Betroffene, die unterhalb der Pflegestufe 1 liegen in den Genuss der Leistung gelangen!
Eine solche Umstellung wäre ja auch kein Problem, weil die Gutachten den stündlichen Pflegeaufwand beinhalten
Uwe Frevert schrieb am 05.03.2008, 07:58
In Wahrheit ist das schwer durchschaubare Pflegesystem in Deutschland ein Millionengeschäft, das die Beteiligten gar nicht verändern wollen. Die harten wirtschaftlichen Interessen einer boomenden Pflegebranche sind das eigentliche Problem, nicht die Fähigkeit der alten und behinderten Menschen Ihre Assistenz (Pflege) eigenständig und selbstverantwortlich zu organisieren. Es sind mafiöse Strukturen eines Systems, in dem man um des Profits willen am Personal spart, Präventionsprogramme behindert und über eklatante Menschenrechtsverletzungen hinwegsieht. Enthüllt wird dieses widerwärtige System z.B. durch Die Autoren, Claus Fussek und Gottlob Schober. In ihrem Buch “Im Netz der Pflegemafia - wie mit menschenunwürdiger Pflege Geschäfte gemacht werden“ berichten sie hierüber ausführlich auf 399 Seiten! Eine Pflichtlektüre für alle die ihre Eltern und Großeltern lieben: Bertelsmann Verlag, München 2008, 14,95 €