
Berlin (kobinet) Zu später Stunde sendet heute die ARD um 23:30 Uhr die Dokumentation
Rentenangst! Der Kampf um die Altersversorgung
Vor dem Hintergrund schwindender Renditen bei der privaten Vorsorge stellt der Beitrag die provokanten Fragen: "Warum steht die gesetzliche Rente trotzdem so unter Beschuss? Und wer hat überhaupt Vorteile davon, dass das Solidarsystem immer weiter gekappt wird?"
Da diese Dokumentation so spät und (zunächst) ohne jede Wiederholung gesendet wird, dürften überwiegend die Videorekorder zum Einsatz kommen. gba
Es geht auch anders!
Ein Kommentar von Kobinet-Redakteur Gerhard Bartz
Der SPIEGEL hat es vor wenigen Wochen vorgemacht: In einem Beitrag über die Durchsetzung der Rauchverbote hat er Namen von Bundestagsabgeordneten mit dem Zusatz "Raucher" versehen. Und schon lichtete sich der Nebel. Ähnliches sollte mit den Nebentätigkeiten der Abgeordneten geschehen. Wenn dann hinter dem Namen des Abgeordneten XY "Verband der privaten Versicherungswirtschaft" genannt wird, hat der Seher, Hörer oder Leser endlich die Möglichkeit, dessen Aussage "Wir müssen viel mehr private Vorsorge betreiben", richtig zu bewerten. Diese Forderung habe ich übrigens bereits im Jahr 2000 in einem Artikel für die Mitgliedszeitschrift des ForseA e.V. erhoben.
Der Sinn der Stärkung der privaten Versicherungen erschließt sich mir, auch rein ökonomisch betrachtet, nicht:
Die gesetzlichen Versicherungen müssen kein Gewinn erwirtschaften, private hingegen müssen ihre Aktionäre reichlich bedienen. Dieses Geld steht den Versicherten natürlich nicht zur Verfügung.
Mit dem Geld, das in die privaten Versicherungen fließt, könnten die gesetzlichen Versicherungen glänzend saniert und die Beiträge gesenkt werden. Denn es würden - im Gegensatz zu den wachsenden zusätzlichen Strukturen bei den privaten - kaum noch zusätzliche Kosten anfallen.
In diesem Zusammenhang gilt es auch noch die Tatsache anzuprangern, dass die paritätische Beitragsteilung der Sozialversicherung immer mehr zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufgehoben wird. In der Kranken- und Pflegeversicherung, durch die Forderungen nach immer mehr privaten Vorsorge auch in der Altersvorsorge.
Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen auf dem Aktienmarkt und die Tatsache, dass mit viel Steuergeldern Abstürze verhindert werden müssen, könnte es durchaus sein, dass die gesetzliche Rentenversicherung in absehbarer Zeit eine Renaissance erlebt.
Gerhard Bartz schrieb am 11.03.2008, 15:17
Wie ist es mit dem öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag zu vereinbaren, dass eine Sendung wie diese um 23:30 Uhr ausgestrahlt wird? Ist die ARD bereits so in Interessen gefangen, dass sie sich eine Ausstrahlung zur "menschlichen" Sendezeit nicht mehr traut? Oder zuckt man bei der ARD vor der Medienkritik zurück, die in dem Beitrag sehr deutlich durchgeklungen ist? Eine Wiederholung im Digital-Sender 1extra am 25.03. um 01:15 und um 22:02 Uhr bringt die Inhalte keinesfalls im erforderlichen Umfang unter das Volk.
Ich habe den Beitrag nun schon zwei mal gesehen, mir blieb jedes mal die Luft weg! Es wird gezeigt, wie Politiker und Versicherungsmenschen fröhlich Hand in Hand zusammenarbeitend die gesetzliche Rentenversicherung niedermachen und der privaten Versicherungswirtschaft zuarbeiten. Beispiele aus Großbritannien, aber auch aus Deutschland zeigen, wohin das führt.
Hoffentlich kann der Beitrag nochmals in der ARD oder in den dritten Programmen zur normalen Fernsehzeit gezeigt werden.
ARD EinsExtra schrieb am 10.03.2008, 03:14
Kommt in der Nacht vom 24. zum 25. März (Mo.-Di.) um 1:15
Weitere interessante Sendungen in der Übersicht:
www.ard-digital.de/index.php?id=11&languageid=1
Wasilios Katsioulis schrieb am 09.03.2008, 13:05
sind für behinderte Menschen ebenso wichtig wie für nicht behinderte Menschen weil sie den selben Lebensrisiken unterliegen. Bestimmte (körperbezogene) Versicherungen sind aber für Menschen mit Behinderungen zur Zeit nicht zugänglich, weil die Rückversicherungsgesellschaften sogenannte Ablehnungsdiagnoselisten benutzen mit denen Behinderte ohne die erforderliche Einzelfallprüfung sofort ausgeschlossen werden, obwohl man bei Berücksichtigung des Behindertenrisikos auch für behinderte Antragssteller eine Risikoprämie ermitteln könnte, wenn man bestimmte staatliche Statistiken (z.B. über das Eintrittsalter der Erwerbsminderung für die private BU) berücksichtigen würde.
Staatliche Versicherungen stellen aufgrund ihrer Zahlhöhe allenfalls eine Grundsicherung dar, die durch private Versicherungen ergänzt werden sollte. Da es jedoch Behinderten nicht möglich ist (körperbezogene) Versicherungen abzuschliessen fällt diese Gruppe im Risikofall (z.B. Unfall) sofort auf ein geringes Einkommen zurück, sodass dieser vor dem finanziellen "Aus" steht. Die staatliche Absicherung kann diesen Einkommensverlust nicht auffangen. Diesem Problem unterliegen Menschen ohne Behinderung selbstverständlich nicht, denn diese können ihre Risiken jederzeit komplementär versichern. Es geht also nicht darum staatliche Versicherungen zu Gunsten privater Versicherungen aufzulösen, sondern darum, dass auch Menschen mit Behinderungen Zugang zu einem Markt erhalten zu dem jeder andere Mensch auch, Zugang hat.
Am Aktienmarkt können Versicherungen jederzeit Geld verdienen, egal ob dieser steigt oder fällt. Positionen können jederzeit über Derivate abgesichert werden. Ich möchte sogar fast behaupten, dass bei fallenden Märkten wegen der höheren Volatilität mehr Geld verdient wird als bei den (langsam) steigenden Märkten.