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26.03.2008 - 00:33

FDP kritisiert Verschlechterungen am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn.

Berlin (kobinet) Der behindertenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Jörg Rohde, kritisiert die Deutsche Bahn. In Zukunft gäbe es keine Vorfahrt mehr für behinderte Menschen an Fahrkartenschaltern der Deutschen Bahn.

Zur Entscheidung der Deutschen Bahn AG, Behinderte künftig nicht mehr bevorzugt am 1.-Klasse-Schalter zu bedienen, erklärte Rohde: "Für die Entscheidung der Deutschen Bahn AG, Behinderte künftig nicht mehr durch Hinweisschalter auf eine schnellere Bedienung am 1.-Klasse-Schalter in den Reisezentren hinzuweisen, fehlt mir jedes Verständnis." Der behindertenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion reagiert damit auf die Entfernung entsprechender Hinweisschilder an den 1.-Klasse-Schaltern der Bahn, wie jüngst am Bahnhof Nürnberg geschehen. Besonders enttäuscht ist Rohde von den Rechtfertigungsversuchen der Bahn für diese Maßnahme: "Hier wird allen Ernstes mit dem Bestreben nach einer bundesweiten Vereinheitlichung der Schalter argumentiert." Der liberale Sozialpolitiker Rohde aus der Metropolregion Mittelfranken hat sich deshalb jetzt an die Leiterin der Kontaktstelle für kundenbezogene Behindertenangelegenheiten bei der Deutschen Bahn AG gewandt.

Rohde schlägt vor, dass künftig bundesweit an allen 1.-Klasse-Schaltern mit einem Hinweisschild auf die bevorzugte Bedienung Behinderter hingewiesen wird. "Damit wäre dem Wunsch der Bahn nach Vereinheitlichung gedient und gleichzeitig das Serviceangebot für Menschen mit Handicap verbessert." Gespannt wartet der FDP-Politiker jetzt auf eine Antwort der Bahn. elba
 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Wasilios Katsioulis schrieb am 26.03.2008, 13:41

Zustimmung

die vom Abgeordneten Rode verlangte Korrektur ist vollkommen richtig und wichtig!

Gerade Menschen mit aussergewöhnlicher Gehbehinderung sind nicht in der Lage 10 oder 20 Minuten in der Schlange zu stehen. Für Menschen ohne Behinderung ist dies selbstverständlich kein Problem. Es handelt sich somit nicht um positive Diskriminierung, sondern um einen Nachteilsausgleich!

In Ländern wie beispielsweise Brasilien gilt deshalb Vorfahrt für: Alte Menschen, Menschen mit Behinderungen und hochschwangere Frauen und zwar an ALLEN SCHALTERN (nicht nur bei der Bahn!).

Um eine entsprechende Regelung habe ich bei der Europäischen Kommission daher für alle Situationen, in denen erhebliche Wartezeiten entstehen gebeten, um hierdurch Menschen mit Behinderungen das Leben zu erleichtern und so den behinderungsbedingten Nachteil auszugleichen!

Dorothea Moesch schrieb am 26.03.2008, 16:25

Menschen mit außergewöhnlichen Gehbehinderungen

haben üblicherweise Rollstühle oder Rollatoren, die sie in die Lage versetzen, auch in einer Warteschlange zu überleben.

Ich sehe - selbst Rollstuhlfahrerin, also eine von denen, die gemäß meinem Vorschreiber ganz ganz dringend auf die Vorzugsbehandlung angewiesen sind - nicht ein, dass auch hier wieder ein SONDERbetüddelungs- und Liebseinsprogramm gefahren wird ohne Sinn und Zweck, nur aus dem Grund, "Behinderte" aus sachfremden Gründen besonders beschmusen zu wollen.

Entweder man will "normal" leben - und eben auch hin und wieder Unbequemlichkeiten wie längeres Warten in Kauf nehmen müssen - oder aber SONDERbetüddelt werden, und dies auf Kosten des Ernstgenommenwerdens als Erwachsener. Betüddelt werden nämlich i.d.R. nur Kinder und "Behindis".

Ich bestehe jedoch "trotz" Rollstuhls auf meiner Rolle als Erwachsener. Und die kann sogar als "Behinderte" sich mal völlig ungepampert langweilen.

Wasilios Katsioulis schrieb am 26.03.2008, 17:03

Vielen Dank

an meine Vorrednerin. Selbstverständlich steht es Ihnen frei sich so wie jeder andere anzustellen. Aber wenn jemand aussergewöhnlich gehbehindert ist (ich selber bin es auch und ohne Rullator oder Rollstuhl unterwegs) dann ist es meiner Ansicht nach ein ausgleich der erhöhten Anstrengung direkt zum Schalter gehen zu KÖNNEN und nicht anstehen zu MÜSSEN. Es geht hier also nicht um ein mentales Thema sondern um die "überwindung einer physikalischen Barriere", die hier darin zu sehen ist, angestrengt 10 oder 20 Minuten anstehen zu MÜSSEN!

Wenn Sie im Rollstuhl unterwegs sind besteht selbstverständlich ein solches Problem nicht !

Deshalb ist genau abzuwägen für wen ein solcher Nachteilsausgleich gelten sollte und für wen nicht. Ich finde ihn jedenfalls richtig und kann nicht erkennen warum so ein Nachteilsausgleich zu einer besonderen "betütelung" führen sollte. Auch Behindertenparkplätze bestehen schliesslich nicht ohne Grund: sie bestehen, weil behinderte Menschen sie brauchen und nicht - so wie andere - kilometerweit gehen können!

Markus Zimmermann schrieb am 29.03.2008, 13:00

Die McKinsey-Schlange

Als Blinder habe ich Schwierigkeiten, mir für jeden Bahnhof die Windungen der McKinsey-Faltschlange zu merken - noch schwieriger ist der Rückweg. Bin ich dann nach langem Anstehen nicht weggedrängt worden und vorne angekommen, kann ich kaum herausfinden, welcher Schalter nun frei wird. Findige Überholer nutzen diese Gelegenheit gerne. In meiner Not in vollen Reisezentren habe ich schon oft Schalter aufgesucht, deren Mitarbeiter gerade nicht beschäftigt waren und die besser zugänglich waren; ob es sich um die früheren Exporess-Schalter oder um die nun wieder eingerichteten 1. Klasse-Schalter handelt, entzieht sich zwangsläufig meiner Kenntnis. In aller Regel werde ich jedoch dort barsch abgewiesen mit Sätzen wie "Diese Auskunft darf ich Ihnen hier nicht geben" oder "Das ist kein Schalter für Sie". - Ich frage mich allmählich, wieviel Phantasie die DB AG noch verwendet, um unserem Personenkreis Nadelstiche zu verpassen, wenn sie andererseits in MOBIL MIT HANDICAP höhnt, wir seien eine besonders wichtige Zielgruppe.

Luis Alberto Fernández Vidaud schrieb am 31.03.2008, 08:34

Behinderte und der Spuk der "Staatssicherheit"

Lieber Herr Abgeordneter,

gut gemacht. Das ist genau das, was ich von einem Liberalen in positiver Hinsicht erwarte. Rechte und Staatssicherheit für diejenigen, die es nötig haben, können sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen.

Bitte weiter so! Ich freue mich immer über eine Initiative der F.D.P. zugunsten der Behinderten. Am 14.03.08 gab es eine Pressekonferenz der Berliner Liberalen im Abgeordnetenhaus [Veranstalterin: Frau Mieke Senftleben, MdA] zugunsten der besseren Versorgung autistischer Kinder, was diese Leute trotz sogenannter "Integration" und der mit ihr einhergehenden Gleichschaltung und Militarisierung im Sinne der "Leitkultur" brauchen, und ich war da. Frau Senftleben wohnt in Frohnau, ich in Reinickendorf-"Süd" [d.h. Ost], also kommen wir beide aus demselben Bezirk.

Jede Zuwendung von Ihnen und Ihrer Partei tut uns gut, und wir sind sehr dankbar dafür, zumal sich in der Vergangenheit die F.D.P. lieber mit anderen Personenkreisen innerhalb der Bürgerschaft befaßt hat.

Ihr


Luis
www.psychonauten.de

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