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29.03.2008 - 15:12

Im Kino: Schmetterling und Taucherglocke.

Von kobinet-Korrespondentin Anke Glasmacher

Berlin (kobinet) Es gibt nur wenige Filme, die eine spannende Geschichte erzählen und diese auch noch mit filmischen Mitteln auf geradezu perfekte Weise umsetzen. "Ein Meisterwerk" nennt man solch einen Film. "Schmetterling und Taucherglocke" von Julian Schnabel wird man zweifellos dazu zählen.

Jean-Dominique Bauby (gespielt von Mathieu Amalric) ist Chefredakteur der französischen Modezeitschrift "Elle". 42 Jahre ist er alt und ein Lebemann. Keine schöne Frau, mit der er nicht flirtet oder gleich ein Verhältnis anfängt. Einen erfolgreichen Job, ein schnelles Cabrio, eine hübsche Geliebte, eine Ex-Ehefrau und drei Kinder hat er, als ihn aus all dem ein Schlaganfall reißt.

Nach drei Wochen im Koma wacht er im Krankenhaus auf und kann bis auf seine Augen nichts mehr bewegen. "Locked-in-Syndrom" nennt die Medizin die vollständige Lähmung des Körpers so treffend wie prosaisch. "Locked-in" bedeutet übersetzt, dass man in seinem Körper eingeschlossen ist. Das Bewusstsein ist dabei völlig intakt: hören, denken, erinnern, alles funktioniert. Kommunikation aber ist häufig nur noch über das Blinzeln mit den Augen möglich. So auch bei Bauby. Er hatte vor dem Schlaganfall einen Verlagsvertrag für ein Buch, eine moderne Adaption des Grafen von Monte Christo, unterschrieben. Mit Hilfe seiner Logopädin (Marie-Josée Croze) und seiner Lektorin (Anne Consigny) diktiert er nun seine Autobiographie. In 14 Monaten entsteht "Schmetterling und Taucherglocke", eine bewegende und bilderreiche Geschichte über die Kraft von Phantasie und Liebe, über Verzweiflung und Glück - kurz: über das Eingeschlossensein in einer Taucherglocke und den Aufbruch des Schmetterlings aus seiner Verpuppung.

Der bekannte und ausgezeichnete amerikanische Maler Julian Schnabel führt in diesem Film eindrucksvoll Regie. Die ersten 40 Minuten erzählt er ausschließlich aus Jean-Dominique Baubys Perspektive. Verwackelte Kamerabilder (Kamera: Janusz Kaminski), unscharfe Ausschnitte und eine fast unerträgliche Nähe der Figuren führen ein in die subjektive Erlebenswirklichkeit von Bauby. Erst nach einer Weile distanziert sich die Kamera, zeigt Bauby in dem Moment von außen, in dem er sich selbst das erste Mal im Spiegel sieht.

Mit Hilfe eines eigens entwickelten Alphabetes erkämpft Bauby sich Stück für Stück die Kommunikation mit der Außenwelt zurück. Der Film verzichtet auf die schnellen Schnitte, und so bleibt einem auch als Zuschauer nichts anderes übrig, als ungeduldig die Fortschritte abzuwarten. Man ahnt die Verzweiflung und Zerrissenheit, so viel schneller denken als sich mitteilen zu können. Geduld ist eine quälende Herausforderung. Und jeder Schritt hin zu Selbstbestimmung und einem Stück Selbständigkeit wird gleich wieder begrenzt, wenn das Personal nachts vergisst, den Fernseher auszustellen, und Bauby stundenlang dem schrillen Pfeifton des Testbildes ausgeliefert bleibt. Oder der Pfleger den Fernseher kurz vor dem entscheidenden Tor seines favorisierten Fußballteams einfach ausstellt. Es sind diese alltäglichen Nachlässigkeiten, die wütend und hilflos machen, und es ist die klare Subjektivität des Films, die einen als Zuschauer die Distanz verlieren lässt. Dabei hat "Schmetterling und Taucherglocke" dankenswerter Weise so gar nichts Rührseliges an sich. Das ist neben der Kameraführung das Verdienst der schonungslos selbstironischen und augenzwinkernden Kommentare von Bauby. Er nimmt seine Situation an - nicht als Held und nicht als Gebrochener. Und als Bauby wenige Tage nach Erscheinen seines Buches an einer Lungenentzündung stirbt, hat er uns ein poetisches Meisterwerk hinterlassen, das nun seine perfekte Umsetzung in dem Film von Julian Schnabel gefunden hat.

"Schmetterling und Taucherglocke" ist ein bewegender und zugleich heiterer Film, der zu Recht bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Unbedingt sehenswert! sch

Das Buch "Schmetterling und Taucherglocke" ist erschienen bei dtv.



 

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