
Kaufbeuren (kobinet) Mit "Heimat für Menschen mit Behinderung" betitelt "all in", die online-Zeitung des Allgäuer Zeitungsverlages einen Artikel vom 4. April, auf den kobinet-Leserin Inge Rosenberger jetzt aufmerksam macht.
Danach wurde der Spatenstich für zwei Gebäudekomplexe getätigt. Darin sollen nach Fertigstellung 33 Menschen mit Behinderungen wohnen. Bauherrin des mit 3,7 Millionen Euro veranschlagten Projektes ist die Lebenshilfe Ostallgäu.
Seit Jahren werde in Schwaben kein Wohnplatz für Behinderte mehr gefördert, doch der Bedarf steige, wird Wolfgang Kimmig von der Geschäftsleitung der Lebenshilfe im Artikel zitiert. Vor allem für Menschen mit schwersten Behinderungen würden Wohnmöglichkeiten dringend benötigt. Deshalb, aber auch, um "Wohnlichkeit und Individualität mit pflegegerechter Ausstattung" vereinbaren zu können, verwirkliche die Lebenshilfe das Projekt in eigener Regie. elba
Kommentar von kobinet-Redakteurin Elke Bartz
Ja lernen sie denn überhaupt nicht dazu? Ein solches "Projekt" als "Meilenstein" zu bezeichnen, grenzt schon an Zynismus. Aber dann auch noch zu behaupten, dass in der Einrichtung nebst den gleichzeitig geplanten 30 Arbeitsplätzen auch noch von einem selbstbestimmten Leben zu reden, überschreitet die Grenze bei weitem. Statt 3,7 Millionen Euro in weitere Aussonderung zu investieren, wäre es sinnvoller, barrierefreie Einzelwohnungen zu bauen und ambulante Versorgungsstrukturen zu schaffen.
Christiane Hagen schrieb am 13.04.2008, 02:10
Sehr geehrter Herr Wolfgang Fischer,
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Meine Eltern haben mich schon im Vorschulalter gefördert, obwohl Verantwortliche des Gesundheitsamtes darauf beharrten ich sei Geistigbehindert und könne nicht in eine normale Schule gehen.
Ich leide psyschisch heute noch darunter, obwohl ich mich mittlerweile über den 2. Bildungsweg (Hauptschule und Arbeiten am PC) weitergebildet habe.
Mein Handycap: Man sieht es mir nicht an, dass ich geistig fit bin
@ Kobinet- Mitarbeiter.
Auch wenn dieser Leserbrief fast in eine andere Richtung
fließt brennt mir gerade folgendes auf der Seele:
Ich bin bereit mich als Betroffene für andere Körper- und Geistigbehinderte als auch psysch erkrankte Menschen einzusetzen so gut ich es kann aber wie soll ich regieren wenn gerade diese genannten Gruppen einen Hass ( Eifersucht(?)) auf mich zu Tage bringen!?
Das krängt mich doch sehr!
Wolfgang Fischer schrieb am 10.04.2008, 20:45
Sehr geehrte Frau Hagen,
ich denke, dass sehr viele Eltern ihre schwerstbehinderten Kindern zuhause oder in einer intakten, an Reizen vielfältigen und bunten Umgebung leben lassen möchten. Allein der Gedanke was wird mit meinem Kind, wenn ich nicht mehr kann oder bin, treibt sie in die Hände von Einrichtungen, die für Sauberkeit und Sattheit sorgen. Ich möchte hier unter keinen Umständen die ErzieherInnen angreifen, denn sie werden ebenfalls vom System ausgenützt und sind nach kurzer Zeit ausgebrannt oder frustriert. Mich wundert dies nicht. Ich appeliere vielmehr an die Leitungen das gegenwärtige Konzept zum überdenken. Ich habe in der LH - Zeitung Ostallgäu einen interessanten Artikel über Inklusion gelesen - was für ein schöner Begriff - für eine selbstverständliche Sache.
Leider meint man damit nicht die schwerstbehinderten Menschen, die natürlich in die Gesellschaft eingeschlossen sein müssen. Glauben Sie ein Herr Kreuzeder oder ein Herr Peter Radthke hätten je ihre überragenden künstlerischen Fähigkeiten in einem Heim entfallten können. Diese Fähigkeiten u. Chancen verdanken sie ihren Eltern, die ein Heim verhinderten oder der Tatsache, dass es noch keine Heime gab.
Auch ich weiß, dass ich eines Tages meine Tochter loslassen muß, aber wenn möglich in eine kleine liebevolle gestaltete Umgebung, unter Wahrung der individuellen Menschenrechte.
Ich hoffe, dass viele Menschen in Deutschland so denken und in ihrer Umgebung ein Samenkorn pflanzen. Vielleicht können wir eines Tages die Früchte unserer normalen Idee ernten.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
MfG Wolfgang
Christiane Hagen schrieb am 10.04.2008, 02:51
Hallo zusammen,
Es freut mich zu lesen, das ich nicht die einzige Betroffene bin der das auffällt und fordere deshalb mehr Integration statt erneute Abschiebung in die Abhängigkeit.
Wir waren doch schon einmal da, wo wir hin wollen warum sind wir jetzt wieder da (hinter Schloss und Riegel und mit Medikamente beruhigt), wo man uns in den 70/80er Jahren herausgehohlt hat!?
P.S.: Würde mich über eine Antwort sehr freuen!
Solidarische Grüße
von
Christiane
Inge Rosenberger schrieb am 09.04.2008, 14:35
Eine Einrichtung, in der insgesamt 33 Menschen mit schwersten Behinderungen untergebracht werden sollen, ist im Blickwinkel von Normalisierung und Integration strikt abzulehnen.
Zudem besteht hier die große Gefahr, dass es eine reine Pflegeeinrichtung geben wird. Dies würde für die dortigen Bewohner bedeuten, dass sie auf die Dauer von 20, 30, 40 oder mehr Jahren zu Pflegefällen degradiert werden ohne Anrecht auf eine pädagogische Förderung durch ausgebildete Fachkräfte. Für die Bewohner dieser Einrichtungen bedeutet das, auf die Dauer von Jahrzehnten jede Minute, jede Stunde und jedes Jahr - für den "Rest" ihres Lebens - rund um die Uhr immer mit den gleichen Menschen in den gleichen Räumen zusammen zu sein. Von dem Streben nach Normalität, Integration und Gleichberechtigung – wie dies von den Behindertenverbänden gefordert wird - kann bei der Lebenshilfe Ostallgäu keine Rede sein - hier endet Integration, wo Pflegebedürftigkeit beginnt!
Rosmarie Fischer schrieb am 07.04.2008, 14:57
Dass die geplante Einrichtung mit derart großen Wohngruppen mit ausschließlich schwerstbehinderten Menschen für meine behinderte Tochter zur „Heimat“ werden könnte, kann ich mir nicht vorstellen. Ich sehe darin eher eine weitere Ausgrenzung von Menschen mit schwerer Behinderung. Eine Wohnmöglichkeit, die alleine für Menschen mit schwersten Behinderungen und hohem Hilfe- und Betreuungsbedarf geschaffen wird, verhindert, dass dieser Personenkreis ein möglichst normales Leben führen kann.
Hierzu wären Kleinstwohngruppen, in denen Bewohner mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten leben und sich untereinander helfen können – wie das auch in einer Familie der Fall ist - die geeignete Wohnform. Und so könnten diese Menschen Vertrautheit, Geborgenheit und emotionale Sicherheit erfahren.
Auch der Lebenshilfe-Bundesverband in Marburg betont in Grundsatzreden und Positionspapieren immer wieder, dass kleine Einrichtungen mit kleinen, heterogenen Gruppen gebaut werden sollten. Wie lässt es sich begründen, dass dann auf regionaler Ebene hier in Kaufbeuren völlig anders gehandelt wird?