
Berlin (kobinet) Der Deutsche Ethikrat (DER) setzt sich aus 26 Mitgliedern zusammen, die jeweils hälftig vom Bundestag und Bundesrat vorgeschlagen werden. Sie kommen aus den Bereichen Naturwissenschaft, Medizin, Theologie, Philosophie, Ethik, Recht und Wirtschaft und sollen ihr Amt unabhängig ausüben. Daher dürfen die Ratsmitglieder weder einer gesetzgebenden Körperschaft des Bundes oder eines Landes noch der Bundesregierung oder einer Landesregierung angehören. Sie werden für vier Jahre in ihr Amt gewählt.
Auch zukünftig wird die Gentechnik eines der zentralen Themen für den "neuen" Deutschen Ethikrates sein. Weitere Kernthemen des Sachverständigenrates werden ethische Fragen, vor allem im Bereich der Lebenswissenschaften, wie zum Beispiel Stammzellenforschung oder Sterbehilfe sein.
Um 14 Uhr wird Bundestagspräsident Norbert Lammert den neu gewählten Vorstand im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellen.
Das Gen-ethisches Netzwerk e.V. und BioSkop e.V kritisieren die Einrichtung des DER. Sie befürchten "ein Gremium für die Interessen der Forschungslobby". Es solle vielmehr "eine breite gesellschaftliche Diskussion über Biomedizin und -technologien kontinuierlich ermöglicht werden".
Susanne Schultz vom Gen-ethischen Netzwerk: "Es ist skandalös, dass wichtige Zukunftsfragen 21 Experten und 5 Expertinnen, den obersten Bundesethikern, überlassen werden". Der neue Ethikrat betreibe vor allem Politik. Er werde machbare und bezahlbare Lösungen formulieren, die weder wichtigen Interessengruppen noch internationaler Konkurrenzfähigkeit im Wege stehen, ergänzt Erika Feyerabend vom Bioskop-Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften. "Ethik, die Grenzen zieht und moralischen Überzeugungen folgt, ist das nicht". elba
Weitere Infos: Deutscher Ethikrat, gen-ethisches Netzwerk und bioskop
Peter Radtke schrieb am 14.04.2008, 12:10
Es ist erstaunlich, wie einige Kritiker, bevor noch die erste Arbeitssitzung des neuen Deutschen Ethikrates stattgefunden hat, bereits wissen, wie dieser handeln und empfehlen wird. Es spricht von Respektlosigeit gegenüber den von der Bundesregierung und unseren Bundestagsabgeordneten berufenen Persönlichkeiten und von geringem Demokratieverständnis, wenn schon im Vorfeld das Gremium schlecht gemacht wird. Selbst die Stellungnahmen des - angeblich undemokratisch berufenenen - Nationalen Ethikrates waren geprägt von ernsthafter Diskussion und Ringen um konsensfähige Lösungen. Als Mitglied des alten und des neuen Gremiums, dem man gewiss nicht eine forschungseuphorische Haltung nachsagen kann, verwehre mich gegen Unterstellungen, die alles andere als hilfreich sind. Schon 1918 schrieb Rosa Luxemburg: "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden".
Dr. Peter Radtke
Mitglied des Deutschen Ethikrates