
Berlin (kobinet) Der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Olaf Scholz, verleiht heute Abend in Berlin das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Uwe Frevert vom Vorstand der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL). Der Nutzer von Assistenz und eines Elektrorollstuhls aus Kassel kämpft schon seit vielen Jahren für das Arbeitgebermodell und persönliche Budgets.
Die Veranstaltung zur Verleihung der Auszeichnung, bei der auch andere Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, findet heute Abend um 19.00 Uhr in den Räumen der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom in Berlin statt. Für Uwe Frevert war die Nachricht über die Auszeichnung eine Überraschung. Seit über 20 Jahren setzt sich der Vater zweier Kinder dafür ein, dass behinderte Menschen genauso wie alle anderen Menschen auch mitten in der Gesellschaft leben können und die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Geprägt durch seine Erfahrungen mit der US-amerikanischen Behindertenbewegung und dem Modell der Persönlichen Assistenz hat Uwe Frevert in den letzten 20 Jahren die deutsche Behindertenpolitik mitgeprägt. Die Selbstbestimmt Leben Bewegung lag ihm dabei besonders am Herzen. "Wenn wir behinderte Menschen selbst die Kontrolle über unsere Organisationen und unsere Dienstleistungen ausüben, sind die Chancen viel größer, dass diese in unserem Sinne arbeiten und nicht über unsere Köpfe hinweg agieren", betont er immer wieder.
Mit Uwe Frevert erhält heute ein Vertreter der Behindertenbewegung eine hohe staatliche Auszeichnung, der immer wieder gegen die Bedingungen in diesem Staate protestiert hat. Zuletzt hat er sich zum Beispiel über die mangelnde Reform der Pflegeversicherung geärgert, denn diese ermöglicht es behinderten Menschen immer noch nicht, Persönliche Budgets auch im Rahmen der Pflegeleistungen in Anspruch zu nehmen. "Ich verstehe die Auszeichnung einfach einmal so, dass diese ausdrückt, dass das kritische Engagement der Selbstbestimmt Leben Bewegung auch weiterhin gewollt ist und werde dafür mein bestes tun. Vor allem verstehe ich dies vor allem aber auch als eine Auszeichnung für die vielen Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die mit mir für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen kämpfen", so Uwe Frevert. Der Rollstuhlfahrer macht sich derzeit vor allem auch für die schulische Inklusion behinderter Kinder und Jugendlicher stark. "Aussonderung ist eine Menschenrechtsverletzung, die wir nicht mehr länger dulden dürfen", betonte er gegenüber den kobinet-nachrichten. moh
Peter Hilpmann schrieb am 24.04.2008, 14:47
Zu dem Bundesverdientskreuz, auch wenn es verspätet ist.
Ich bin gespannt was die UN Behinderten Konvention bringen wird,
und ob Sie auch für uns in Deutschland gilt? Obwohl es hier noch nicht
ratifiziert worden ist.
Mit freundlichem Gruß
Peter
Wiebke Hendeß schrieb am 23.04.2008, 12:18
Lieber Uwe,
auch aus Oldenburg ganz herzliche Glückwünsche! Du hast diese Auszeichnung wirklich verdient. Als einer meiner Ausbilder im Peer Counseling hast Du mit wichtige Weichen in meinem Weg gestellt. Du bist ein Beispiel für mich wie man Biss und Kämpfer-Geist mit absoluter Professionalität mischt und dabei seine positive sympathische Ausstrahlung behält und auch privat gerne lebt. Das steht für mich für Authentizität.
Herzliche Grüße,
Wiebke Hendeß
Gustav Zechmeister schrieb am 22.04.2008, 22:37
Hallo Uwe,
du hast es nicht gewusst oder geahnt? Muss du auch seit über 20 Jahren die Leute mit ihrer Nase auf die vielen Mißstände und Verbesserungswünsche stubsen. Nein, demonstrieren geht er. Bildet andere in Sachen Selbstbestimmung und Durchsetzungsvermögen aus. Geht mit gutem Beispiel bei der Erziehung seiner Kinder voran.
Nun, du hast es nicht anders verdient...
Herzlichen Glückwunsch zu dem Bundesverdienstkreuz!
Bis dann.
Gustav
petra groß schrieb am 22.04.2008, 14:53
hallo Uwe,
alles gute und bis bald
grüße von Petra Groß
Uwe Heineker schrieb am 22.04.2008, 09:49
... zu dieser hohen Ehrung auch meinerseits!
Elke Bartz schrieb am 22.04.2008, 09:10
lieber Uwe zum Bundesverdienstkreuz. ForseA will es nicht versäumen, dir als einem seiner "geistigen Väter" zu dieser Auszeichnung zu gratulieren. Du bist ein wichtiges "Rad im Getriebe der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung" und wirst es hoffentlich noch lange bleiben.
Herzliche Grüße
Elke Bartz