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20.04.2008 - 09:22

Olympiade und Menschenrechte umstritten.

Peking/Paris (kobinet) Nach den schweren Ausschreitungen beim olympischen Fackellauf in Paris, wird in China jetzt zu einem Boykott gegen Waren aus Frankreich aufgerufen. Aus Tibet stammende Demonstranten hatten am 7. April in Paris eine behinderte chinesische Sportlerin niedergeschlagen bei dem Versuch, der Rollstuhlfahrerin die Olympia-Fackel zu entreißen. In China zeigen sich viele Menschen entsetzt über solches Verhalten in der "zivilisierten" Welt, berichten Nachrichtenagenturen des Landes. Die 27-jährige Jin Jing ist Amateur-Fechterin und hatte sich in China als Freiwillige für die Vorbereitung und Durchführung der olympischen Sommerspiele 2008 in Peking beworben. Vorher war sie noch nie in Europa.

Indessen wird auch in Deutschland auf Menschenrechtsverletzungen gegen behinderte Menschen in China hingewiesen. Der blinde chinesische Menschenrechtler Chen Guangcheng soll im Gefängnis schwer misshandelt worden sein. Eine ärztliche Versorgung habe man ihm verweigert. Er wurde wegen "Behinderung des Straßenverkehrs" zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Der 36-Jährige ist Rechtsanwalt und wirft den Behörden in China vor, bei tausenden von Menschen Zwangssterilisationen und Abtreibungen durchgeführt zu haben. Es heißt, dass die chinesische "Ein-Kind-Politik" zu Massenabtreibungen von behinderten Kindern führe. In Deutschland dürfen behinderte Kinder bis zum Tag der Geburt abgetrieben werden.

An der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking nimmt kein hochrangiger Politiker aus Deutschland teil. Bundespräsident Horst Köhler hat einen Besuch der Paralympics im September in Peking angekündigt. Anlässlich der Paralympics werden etwa 4000 behinderte Athleten aus mehr als 150 Ländern in Peking erwartet. Man habe optimale behindertengerechte Anlagen geschaffen, heißt es aus der Organisationsleitung in China. Bis zu den Paralympics soll das Nahverkehrssystem behindertengerecht sein. Ebenso sollen Geschäfte und Sehenswürdigkeiten für behindertengerechte Zugänge und Anlagen sorgen. Das hat die Pekinger Stadtregierung zugesagt. hjr
 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Christiane Hagen schrieb am 02.05.2008, 23:47

Was wollen Sie in einem Land, das Menschenrechte v

Hallo,

Ich rate jedem deutschen Sportler- egal, ob mit oder ohne Handicap- von der Teilnahme ab.

Denn: Die chinesische Freundlichkeit gegenüber den Gästen ist nur äusserlich sichtbar und gespielt!

Gruß
von Ihrer
Christiane Hagen

Max Mütze schrieb am 22.04.2008, 20:36

Jin Jing kümmert sich nicht um Politik

Die gleichgeschaltete chinesiche Presse feiert Jin Jing als Heldin ("Ich wollte den Separatisten die Botschaft übermitteln: Lieber sterbe ich, als dass ich die Fackel hergebe.") Im Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel war dann allerdings von einer Pressekonferenz in China die zurückhaltende Äußerung der Rollstuhlsportlerin zu lesen: "Ich kümmere mich nicht um Politik."

H.-W. Hoppe schrieb am 20.04.2008, 15:00

Olymppia/ Paralympics und die Menschenrechte

Herzlichen Dank!
Der Bericht gibt treffend die derzeitige verzwickte Situation wider.

Ohne 'Wenn und Aber' ist der tätliche Angriff auf die chinesische Rollstuhlfahrerin
zu verurteilen. Grundsätzlich sollte, gerade auch zu diesem Thema, gewaltfrei
demonstriert werden.

Wenn man jedoch in die Geschichte Chinas und insbesondere in die Tibets blickt, so
muß man sich schon wundern, daß es nicht bereits vor langer Zeit zu Aufständen gegen
die chinesische Herrschaft gekommen ist.
Mich erinnert die massive "Ein-Parteien-Politik" und die chinesischen Menschenrechts-
verletzungen -leider- an unser deutsches III. Reich.

Doch mit einem gewaltsamem Protest wird sich, gerade bei der chinesischen Politik,
nichts bewegen lassen.
Vielmehr sind leise Töne, hinter verschlossenen Türen, gemeinsam mit chinesischen
Politikern, notwendig. Nur dann wird sich, und auch erst nach längerer Zeit, die
Situation ändern.
Bereits anläßlich der China-Reise des Ex-Bundeskanzlers Schröder, im Dezember 2004,
hatte "Amnesty International" auf die Menschenrechtssituation aufmerksam gemacht
( www2.amnesty.de/__C1256A380047FD78.nsf/0/EFE3D3E1A86C232AC1256F62003B6278?Open&Highlight=2,China ).

Was die Spiele in Peking angeht:
Meiner Meinung nach hat das IOC bei der Vergabe einen Fehler gemacht - es wird jedoch, für die Zukunft, daraus gelernt haben.


Begrüßendwert ist es, daß kein hoher deutscher Politiker an der Eröffnungsfeier teilnimmt.
Die Sportler jedoch sollten an den Spielen teilnehmen und, meiner Meinung nach, Zivilcourage zeigen und sich unpolitisch(!) solidarisch zeigen - z.B. durch "Zwei Hände für ein freies Tibet"
( www.br-online.de/bavarian-open-radio/themen/protest-und-meinung-DID1207914211209/tibet-nine-fingers-for-tibet-olympia-protest-ID1207224377797.xml?_requestid=712764 ).
Ein "Maulkorb" durch das IOC oder der chinesischen Regierung sollte grundsätzlich eine Absage erteilt werden.

Die Durchsetzung einfachster Menschenrechte und ein friedlicher Protest hat nichts mit Politik zu tun.

H.-W. Hoppe

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