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01.05.2008 - 12:05

Aktion 'Wir wollen hinauf!' war höchst erfolgreich.

Berlin (kobinet) Der Berliner Fernsehturm ist eines der Wahrzeichen der Hauptstadt; aber behinderte Menschen werden immer noch ausgesperrt. Am 30. April 2008 fand daher eine Protestaktion vor dem Fernsehturm statt.

"Für die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Fernsehturm-Aktion war es ein tolles emotionales Erlebnis", hält Ilja Seifert rückblickend fest.

Ziel der Veranstaltung war es Betroffene und Bürger auf den nicht hinnehmbaren Zustand aufmerksam zu machen, dass weder Rollstuhlfahrer noch blinde Bürger mit Führhunden den Fernsehturm besuchen können. Organisiert wurde sie vom Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland "Für Selbstbestimmung und Würde" e.V. (ABiD) und dem Berliner Behindertenverband (BBV).

Warum gerade der Fernsehturm?


Es gibt noch eine Vielzahl von Barrieren und behinderte Menschen werden tagtäglich ausgesondert. Warum wird Barrierefreiheit ausgerechnet am Beispiel des Berliner Fernsehturms thematisiert, war im Vorfeld der Aktion "Wir wollen hinauf!" gelegentlich zu hören.

Arnd Hellinger, einer der Teilnehmer, beantwortet dies so: "Weil der Fernsehturm ein Ort öffentlichen Interesses - ein von hunderttausenden Berlinern und Touristen jährlich besuchtes Forum - mitten in der Hauptstadt ist. Das ist ein Ort, an dem berechtigter Protest sofort wahrgenommen wird, wo sich Diskussionen mit scheinbar "unbetroffenen" Menschen ergeben. Wo, wenn nicht hier, sollte es uns sonst möglich sein, die breite Öffentlichkeit im Kampf um gleichberechtigte Teilhabe auf unsere Seite zu ziehen?"

Hellinger, der aus Bochum kommt, hatte im November 2007 selbst erfahren müssen, dass ihm der Zutritt zu dieser Sehenswürdigkeit in der Hauptstadt nicht ermöglicht wird.

Höchst erfolgreich


"Ohne Zweifel ist der Berliner Fernsehturm ein touristischer Magnet der Hauptstadt. Rollstuhlbenutzerinnen und Rollstuhlbenutzer dürfen jedoch ebenso wenig hinauf wie blinde Menschen, die sich von Führhunden begleiten lassen. Das war jahrzehntelang - manchmal eher zähneknirschend, meist jedoch resignierend - so hingenommen worden", schrieb Seifert kürzlich.

Damit dürfte nun Schluss sein. Die Aktion war höchst erfolgreich und war unübersehbar. "Für die Behindertenbewegung - vielleicht?! - ein Auftakt zu neuem Selbstbewusstsein", hofft Ilja Seifert abschließend. lad 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Rudi Richter schrieb am 01.05.2008, 18:27

Nicht nur hinauf, sondern auch raus

Glückwunsch nach Berlin zu der tollen Aktion. Das sind wichtige Zeichen für mehr Barrierefreiheit. Wichtige Zeichen brauchen wir aber auch für die Menschen, die noch weit davon entfernt sind, irgendwo hinauf zu kommen, weil sie nicht einmal hinaus kommen - und zwar aus den vielen und immer mehr werdenden Sondereinrichtungen. Für diese mögen diese Probleme als Luxusprobleme erscheinen, wenn ihnen zum Teil nicht einmal möglich ist, jemanden zu finden, der mit ihnen in den Garten hinaus geht oder ihnen einmal eine Chance gibt, zu erfahren, wie sich ein Leben in einer eigenen Wohnung oder in einer kleineren Wohngruppe als im großen Massenheim anfühlt.

So toll und berechtigt Aktionen wie vor dem Fernsehturm auch sind, es ist an der Zeit, dass sich diejenigen, die ein Leben in freier Wildbahn für sich einigermaßen umsetzen können, auch für die interessieren und mit ihnen solidarisieren, die diese Freiheiten noch längst nicht haben. Vielleicht kann der nächste Aktionstag am 5. Mai ja dafür einmal schwerpunktmäßig genutzt werden. Denn die inklusive älterer Menschen ca. 900.000 Heimbewohnerinnen und -bewohner in Deutschland sollten dringend in Kontakt mit behinderten und älteren Menschen kommen, die es geschafft haben andere als die institutionellen Wege zu gehen und von diesen unterstützt zu werden.

Christiane Hagen schrieb am 02.05.2008, 23:35

Gratulation!

Sehr geehrtes Aktions-, verehrte Kobinet- Leser,

Auch wenn das nur "ein Tropfen (Wasser) auf dem heißen Stein" ist, freue ich mich sehr darüber!

Weiter so bis auch die letzte Ungerechtigkeit beseitigt ist und Menschen wieder Menschen sein dürfen!

Gruß aus Syke bei Bremen
von Ihrer
Christiane Hagen

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