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kobinet-nachrichten 03.05.2008 - 00:52
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Ursula Eggli ist in der Nacht zum 2. Mai gestorben

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Bern-Bümplitz (kobinet) Die Schriftstellerin und Streiterin für ein gleichberechtigtes Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen Ursula Eggli ist in der Nacht zum 2. Mai gestorben.

"Ursula hat uns letzte Nacht (2. Mai) für immer verlassen. Sie ist friedlich eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Ihre Engel müssen sie heimgeholt haben. Es war ihr Wunsch, dass sie noch eine Weile zu Hause bleiben kann, damit sich alle, die wollen von ihr verabschieden können. Deshalb ist die Türe an der Wangenstrasse 27 in Bern-Bümpliz bis am Sonntagabend (4. Mai) für alle offen, die sich persönlich von ihr verabschieden möchten. Die Beerdigung findet im engen Kreis statt", schrieb Heidi Eggli in einer Mail an den Verteiler, den Ursula Eggli sonst mit ihren Mails mit Neuigkeiten aus ihrem Leben bediente.

"Ursula Eggli wurde 1944 als älteste von drei Geschwistern in einem kleinen Dorf im Kanton Zürich (Schweiz) geboren", heißt es in ihrem Lebenslauf auf ihrer Homepage. Wie ihr jüngster Bruder Christoph hatte sie Muskelschwund, eine zunehmende Muskelschwäche. Seit ihrer Kindheit nutzte sie einen Rollstuhl und bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens war sie auf Hilfe angewiesen. Sie stammt aus einer Arbeiterfamilie. Der nicht behinderte Bruder Daniel Eggli, (verstorben 2001) war ein bekannter Gastrokritiker und Herausgeber verschiedener Zeitschriften. Christoph Eggli war bekannt als Maler ausdruckstarker Bilder, in denen er sich mit seiner Behinderung und der Gesellschaft auseinandersetzte. In Folge zunehmender Behinderung ist er nicht mehr in der Lage zu malen. Seit 2000 lebt er in Bali.

"Die Schulzeit verbrachte Ursula Eggli in einem Heim für mehrfach behinderte Kinder bei St. Gallen. Dann lebte sie 14 Jahre bei ihren Eltern und verbrachte die Zeit mit Kärtchen und Kleiderbügeln bemalen. 1969 gründete sie den Ce Be eF (Club Behinderter und ihre Freunde) eine Selbsthilfeorganisation, die sich zur Aufgabe setzt, die Situation von Behinderten und Nichtbehinderten in unserer Gesellschaft zu verbessern. Ursula Eggli leitete den Verein bis Herbst 1981. 1990 wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt", heißt es im Lebenslauf.

Ende 1973 zog sie in eine Wohngemeinschaft Behinderter und Nichtbehinderter in Burgdorf, die auf ihre Initiative hin entstanden ist. Anfangs 1977 löste sich die Wohngemeinschaft auf und Ursula Eggli wechselte in ein Behindertenheim in Bern. Ende 1977 erschien ihr erstes Buch "Herz im Korsett", Tagebuch einer Behinderten, das in Deutschland und in der Schweiz großen Erfolg hatte. Seit März 1981 lebte Ursula Eggli wieder in einer Wohngemeinschaft in Bern. 1982 gründete sie mit ihrer Freundin Rita Hubrich zusammen den RIURS Verlag, um ihre weiteren Bücher selber herauszugeben. 1985 erhielt sie den Förderungspreis der Stadt Bern. 1987-1991 war sie Mitglied der Literaturkommission Bern und 1990 Mitbegründerin und Mitarbeiterin im Vorstand des Netzwerk schreibender Frauen.

1998 wurde die WG umgewandelt in eine Hausgemeinschaft und Ursula Eggli organisierte fortan ihren Haushalt mit Hilfe von persönlicher Assistenz selbst. Sie war Mitglied von AdS (Autorinnen und Autoren der Schweiz), des Schriftstellervereins Bern und verschiedener Behinderten- und Frauengruppierungen. Aktiv war sie zudem in der Frauen-, Behinderten-, Homosexuellen- und Schriftstellerinnenbewegung. Die Organisation von Ferien und Reisen für Behinderte und Nichtbehinderte sowie die Leitung von Lagern für behinderte Kinder gehörten ebenfalls zu ihren Aktivitäten. Ursula Eggli war aber vor allem eine sehr herzliche Person, die diejenigen, die sie kannten, sehr vermissen werden und diejenigen, die sie vielleicht noch kennen gelernt hätten, sicherlich vermissen würden. omp
 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

petra groß schrieb am 04.05.2008, 21:11

Ich trauer mit

ich bin sehr spach los ich habe Ursula Eggli mal selber kennengelert und ich behalte sie so im herzen wie ich sie kennengelert habe.

Grüße Petra Groß
Mitglied Weibernetz ,Mensch-zuerst

Gotthilf Lorch schrieb am 04.05.2008, 09:48

Galionsfigur in Sachen Selbstbestimmung !

Ursula war für mich immer etwas besonderes. Ihr Erstlingswerk „Herz im Korsett“ - für mich auch ihr bedeutendstes Buch – hat mir schon als Jugendlicher Mut und Kraft gegeben und gezeigt, dass auch mit schwerer Behinderung ein eigenständiges Leben möglich ist.
Dies hat sie auch tausendmal in all ihrem Tun weiter getragen.
Auch als ihre körperlichen Möglichkeiten immer eingeschränkter waren hat sie nie ihren Frohsinn und Optimismus verloren und immer wie eine Galionsfigur (obwohl sie das eigentlich überhaupt nicht so wollte) allen Menschen gezeigt, dass man mit entsprechender Geduld und auch Beharrlichkeit gegenüber sich selbst, seiner Umwelt und seiner AssistentInnen auch mit sehr großen Einschränkungen ein eigenständiges, selbständiges und vor Allem selbstbestimmtes Leben führen kann.
Ich bin sehr froh und stolz darauf, als Freund, den man alle Jahre 1-2 Mal spricht und alle 1-2 Jahre durch gegenseitige Besuche sieht, einen kleinen Anteil an Ursulas Leben gehabt zu haben.
Ich wünsche uns Allen nun viel Kraft und Ursulas Beharrlichkeit, ihren Mut und ihren Optimismus und Frohsinn in unser Aller weiterem Leben.
In Trauer und doch voller Hoffnung,
Gotthilf

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