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kobinet-nachrichten 06.05.2008 - 12:14
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Zeitreise mit der Deutschen Bahn

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Kommentar von kobinet-Redakteur Martin Ladstätter

"Menschen bewegen - Welten verbinden" nennt sich eine Broschüre, die derzeit in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn (DB) aufliegt. Der Name ist wirklich Programm.

"Die Märkte für Mobilität sowie Transport und Logistik befinden sich national und international in einem rasanten Umbruch", heißt es im Vorwort der Broschüre, die daraus schließt: "Wer dort auf Dauer ganz vorn mitspielen will, der muss sich bewegen. Aber genau das ist ja das Geschäft der DB AG - im Interesse unserer Kunden ... "

Das ehrgeizige Vorwort wird mit einem Foto eines hochmodernen ICE ergänzt. Und in genau so einem Fahrzeug sitze ich gerade auf der Fahrt zwischen Wien und Gelsenkirchen.

Und trotzdem berühren mich die Zeilen, und ich denke an das eben Erlebte in München.

Die Münchner Zeitreise


Die Fahrt von Wien nach München verlief angenehm und der ICE bietet für Rollstuhlfahrer wie mich einiges an Komfort. Ein Rollstuhlplatz mit Tisch und Steckdose gehört ebenso zum Standard wie eine barrierefreies WC.

In München musste ich von einem ICE in den anderen umsteigen. Dazwischen fand etwas statt, was ich zuletzt vor 20 Jahren erlebt hatte.

Verladen


Ein freundlicher DB-Mitarbeiter fuhr mit einem Stapler vor, an dem ein ziemlich verrosteter Hebelift montiert war. Dann begann er das schrottreif wirkende Teil zu entfalten und an den Zug anzulegen.

Ich drücke nach dem "Verladevorgang" meine Verwunderung aus und fragte nach, warum dies in dieser Art geschieht. Der Servicemann murmelte etwas in der Art "ja, wir haben da zwei Bahnsteige außen, wo man einen Hebelift nicht hinschieben kann ..." und verabschiedete sich schnell.

Nun sah ich mir die Sache - sprich die am Bahnsteig vorhandenen Hebelifte - genauer an. Da ich in Österreich bei der kürzlich stattgefundenen Ausschreibung der ÖBB für moderne Hebelifte Mitglied der Jury war, wusste ich auf welche Details ich zu achten hatte.

Systemmängel führen zum Serviceabbau


Zwei Ursachen fühen direkt dazu, dass ich in Sekunden vom Kunden zum Paket wurde.

Einerseits ist die DB noch immer nicht bereit, fahrzeuggebundene Einstiegshilfen bei modernen Fahrzeugen wie dem ICE einzubauen. Die Folge ist, dass auf den Bahnhöfen die sttaionären Hebelifte zum Einsatz kommen müssen.

Diese sind häufig in einem derart erbärmlichen Zustand (hygienisch, technisch) und weit verstreut am Bahnhof, dass der Einsatz - wenn möglich - vermieden wird.

Ich selbst habe schon mehrfach erlebt, dass solche veralteten Ungetümer nur mit erheblichem Kraftaufwand geschoben bzw. hochgekurbelt wurden.

Als ich in München in den nächsten ICE einstieg, kam der selbe Mitarbeiter mit dem Stapler und "lud" mich - pikanterweise wenige Meter von dem am Bahnsteig befindlichen Hebelift - in den Zug.

Erwähnt sei noch, dass es auf dem zentral gelegenen Bahnsteig 15 war und nicht auf einem von ihm erwähnten Bahnsteig am Rande. Trotzdem hatte ich für ihn Verständnis, denn er kann nichts dafür, dass die Deutsche Bahn keine zeitgemäßen Hebelifte hat.

Durchgehender Service


Ich lese im Vorwort der im ICE aufliegenden Broschüre weiter und stoße auf den Satz: "Die Kunden verlangen durchgehend Service entlang der Reise- und Mobilitätskette".

Gut erkannt. Die Kunden verlangen diesen Service. Doch von der Deutschen Bahn erhalten sie es (derzeit) nicht.

Nachsatz: Die ÖBB hat die 100 hochmodernen, gut zu bedienenden und verbesserten Hebelifte von einem deutschen Hersteller gekauft.
 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

max mütze schrieb am 09.05.2008, 16:41

abenteuerlich

wieder mal abenteuer auf dem schienenstrang - und das anlässlich einer lange vorher bekannten und international beachteten tagung der aktion mensch. dem bahn-engel in frankfurt sollten die ohren klingen. der service für reisende, die in ihrer mobilität eingeschränkt sind, muss bei der deutschen bahn entscheidend verbessert werden.

Dorothea Moesch schrieb am 07.05.2008, 11:16

JA, wir sind GEPÄCK.

Schon an der Formulierung merkt man`s: Personen werden "befördert", Krüppel werden "transportiert", wie ein Paket oder ein halbes Schlachtschwein.

Besonders "hübsch" ist dies, wenn man bedenkt, wer so alles "auf Transport" ging, speziell bei der Deutschen (Reichs-)Bahn.

RollstuhlfahrerInnen sind denen nichts wert - ich bin 3 Monate beruflich gependelt, lediglich zwischen 2 IC-Bahnhöfen, und habe Dinge erlebt, die ich vorher nicht für möglich hielt.

Insbesondere diese demütigende Rumschuckelei durch verdreckte, versiffte, verkommene unterirdische Schächte, hochTRANSPORTiert durch WARENaufzüge - und das im Bürooutfit, ganz klasse, wenn das dann mit Urin und Spinnweben verziert war (klar, Krüppel "achtet nicht auf sich", wie das dann im Büro hiess), zeigt aber auch die Ebene, auf die wir anscheinend GEHÖREN: zum Dreck, zum Schmodder, zum Siff.

Oder zu den Toten (Schweinen)

Gerd Frank schrieb am 06.05.2008, 17:58

Behinderte Menschen ????????

sind das für die DB eigentlich Menschen(???) und oder Stückgut ??? Nennt die Bahn das eigentlich Fortschritt?

Für mich ist das menschenverachtend als behinderter Mensch so behandelt zu werden.
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Elke Stammann schrieb am 06.05.2008, 13:43

Börsengang

.... nach dem Börsengang wird alles besser:))

Uwe Heineker schrieb am 06.05.2008, 12:43

Dem alten Slogan ...

... "Unternehmen Zukunft" ... ist wohl nichts mehr hinzuzufügen ...

Oh man DB - wann wacht ihr endlich auf - und 'bewegt' euch - und zwar richtig ... !

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