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kobinet-nachrichten
11.05.2008 - 16:58
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Erlensee (kobinet) Wie können Kommunen für Menschen mit Behinderungen akzeptable Wahlmöglichkeiten für unterschiedliche Wohnformen schaffen? Diese Schlüsselfrage stand am Freitag vor Pfingsten im Zentrum einer Fachtagung der Selbsthilfe Körperbehinderter Hanau/Gelnhausen (SHK). Rund 50 Gäste waren der Einladung anlässlich des 35-jährigen Bestehens der SHK in die Erlenhalle gefolgt, um miteinander über die Umsetzung der neuen UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) zu diskutieren. Speziell wurde der Artikel 19 der BRK unter die Lupe genommen, der sich mit dem selbstbestimmten Leben in der Gemeinde befasst.
So dürfe es nicht geschehen, dass man als 22-Jähriger mit Körperbehinderung nur die Wahl zwischen Alten- und Pflegeheim habe, wie es ein Teilnehmer als junger Mann erlebt hatte. Damit so etwas nicht passiert, geht die SHK mit gutem Beispiel voran, denn mit ihrem Integrativen Wohnpark und der geplanten Erweiterung wird garantiert, dass es solche Fälle zumindest in Erlensee nicht geben wird. Doch ein ungelöstes Problem besteht darin, dass bislang keine barrierefreien Übergangswohnungen bereit gehalten werden können. Darauf sind Menschen angewiesen, wenn sie etwa nach einem Schlaganfall behindert werden und die alte Wohnung nicht mehr "passt". Einhellige Meinung der Teilnehmenden war es, sich für die Finanzierung solcher Übergangswohnungen einzusetzen.
Aus der Perspektive von Frauen mit Behinderungen wurde gefordert, dass auch kommunale Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen barrierefrei sein müssen und dass eine eventuell erforderliche Pflege durch eine gleichgeschlechtliche Pflegekraft möglich sein muss - auch, um sexueller Gewalt vorzubeugen. Eltern mit Behinderungen sollten, wenn sie es wünschen, Assistenz bei der Erfüllung ihrer Erziehungsaufgaben erhalten, wobei ein barrierefreier Krippenplatz unabdingbar sei.
Insgesamt, so der Tenor der Veranstaltung, seien die Kommunen in der Pflicht, ein dichtes Netz von gemeindenahen Dienstleistungen für behinderte Einwohnerinnen und Einwohner zu organisieren. Alle Angebote in einer Kommune wie Busse, Banken, Arztpraxen, Restaurants, Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten seien zudem barrierefrei zu gestalten. Um diese Herausforderung im Sinne der neuen UN-Konvention zu meistern, könne eventuell ein detaillierter, von Kommunen und Behindertenbeiräten erarbeiteter und abgestimmter Maßnahmeplan hilfreich sein, so das Fazit der Veranstaltung. moh
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