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16.05.2008 - 08:37

Kaffee kochen war gestern - Eindrücke eines Praktikanten.

Mainz (kobinet) Derzeit wird viel über die Generation Praktikum und den Mißbrauch von Praktikanten diskutiert. Stephan Heym, der in Mainz Publizistik und Sozialwissenschaften studiert, machte demgegenüber bei seinem Praktikum beim Landesbehindertenbeauftragten in Rheinland-Pfalz recht positive Erfahrungen, wie sein Bericht über das Praktikum zeigt. elba

Bericht von Stephan Heym

Kaffee kochen war gestern
Eindrücke eines Praktikanten

Persönliches Budget, individueller Teilhabeplan, WfbM, Arbeitgebermodell, LAG, BBW oder aber IFD. Anstatt heißen Kaffee zu kochen, wurde ich stattdessen ins kalte Wasser geworfen. "Praktikantenjahre sind nun mal keine Herrenjahre", stammelte ich etwas verzweifelt und mit ironischem Unterton vor mich hin, als ich bei meinem ersten Außentermin versuchte, dem Gespräch zu folgen. Doch Herr Miles-Paul, der mich während meines achtwöchigen Praktikums im rheinland-pfälzischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen (MASGFF) betreute, konnte mich schnell beruhigen und versicherte mir, dass ich da nach einer Weile reinwachsen würde. Und so war es dann auch.

Als Student der Publizistik und der Sozialwissenschaften war es nicht unbedingt nahe liegend, ein Praktikum beim Landesbehindertenbeauftragten zu absolvieren. Doch neben dem "Sozial" bei Sozialwissenschaften verbindet mich noch mehr mit der Behindertenpolitik. Ebenso wie Herr Miles-Paul bin ich seit meiner Geburt sehbehindert und kenne die Bedürfnisse behinderter Menschen. Ich engagiere mich seit längerem bei der "Campus Barrierefrei", einer Selbsthilfegruppe behinderter und chronisch kranker Studierender der Uni Düsseldorf und seit kurzem im AStA Behindertenreferat der Uni Mainz.

Doch was hat er hier gemacht? An meinem ersten Tag lernte ich bei der Vorstellungsrunde mit Frau Steinfurth einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen. Wobei von Kennen lernen hier nicht die Rede sein kann, da ich schon beim Rausgehen aus dem Büro den Namen wieder vergessen hatte. Die Zuordnung von Namen zu Gesichtern ist bei Sehbehinderten so eine Sache. Anschließend wurde ich in die Bürorituale eingeführt: "Herr Miles-Paul, was haben wir heute Positives zu verbuchen?" schallte es aus dem Zimmer von Frau Steinfurth. "Sieg!" rief Herr Miles-Paul bei der Nachricht, dass Busse ab sofort wieder mehr als nur einen Rollstuhlfahrer transportieren dürfen. Nachmittags stand dann die "Tour de Pfalz" an; Termine in Landau und Landstuhl. Vorteil der "Tour de Pfalz" ist, dass man sich nicht so viel bewegen muss wie bei der Tour de France (man wird ja schließlich von Herrn Schmidt gefahren). Nachteil ist allerdings: Es ist mindestens genauso anstrengend.

Neben den vielen Außenterminen war ich auch bei vielen Gesprächen im Ministerium mit dabei und konnte so einiges über "Diplomatie" und "Zukunftsvisionen" lernen. Ein Großteil meines Praktikums bestand aber aus der Organisation des Girls´ Days, der erstmals auch hier im MASGFF stattfand. Ziel der Veranstaltung war es, behinderten Schülerinnen der Abschlussklassen - anhand mehrerer Stationen - den Arbeitsalltag von im Hause beschäftigter Frauen, die selbst eine Behinderung haben, näher zu bringen und berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Des Weiteren verfasste ich einige Artikel für den Newsletter "Teil haben - Gleich stellen - selbst bestimmen", der aktuelle Informationen zur Politik für behinderte Menschen in Rheinland-Pfalz bereitstellt. Das "i-Tüpfelchen" meines achtwöchigen Aufenthaltes war ein Tag in der Pressestelle, wo ich half, den Pressespiegel anzufertigen.

Alles in allem hat mir das Praktikum sehr viel Freude bereitet. Ich möchte mich auf diesem Wege bei allen - vor allem aber bei Frau Steinfurth, Frau Planz und Herrn Miles-Paul - für die nette Betreuung und die geduldige Beantwortung meiner Fragen bedanken. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich ins kalte Wasser geworfen wurde und - dem Antidiskriminierungsgesetz sei dank - nicht Kaffee kochen musste. Resümee: Es wird also nie so heiß gekocht, wie es gegessen bzw. getrunken wird.
 

 
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