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18.05.2008 - 00:02

Zwei Monate danach.

Bretzfeld/Hollenbach (kobinet) Fast auf den Tag zwei Monate nachdem die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wohngemeinschaft im hohenlohischen Bretzfeld verlassen und in Alten"heime" ziehen mussten (wir berichteten), erreicht Elke Bartz, Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA e.V.). ein Brief von Monika Gebhardt, in deren Haus die WG gewohnt hatte. Sie schreibt, wie es mit den alten Menschen weiterging.

Auszüge aus dem Brief:

"… Unsere 6 WG-Mitglieder wurden in verschiedene Pflegeheime in der näheren Umgebung verlegt. Ein Herr, der bis zum Schluss sagte, dass er nicht umziehe, ist bei uns am zweitletzten Tag gestürzt und nach 10 Tagen nach kurzem Krankenhausaufenthalt im Heim verstorben.

Eine Dame, die Pflegestufe 3 hatte und ganz besonders auf Bezugspersonen angewiesen war und acht Jahre bei uns im Haus gewohnt hat, ist nach 3 Wochen noch kurz ins Krankenhaus gekommen und verstorben.

Die anderen 4 WG-Mitglieder haben sich wohl oder übel ihrem Schicksal ergeben. Frau K. konnte ihren gewohnten Tagesablauf wieder organisieren, Frau Sch. hat jetzt ihren Mann verloren und fügt sich wortlos ihrem Schicksal. Zwei weitere trifft man jetzt bei jedem Besuch alleine in ihren Zimmern an, kein Radio, kein Fernseher ist eingeschaltet, obwohl ich dafür gesorgt habe, dass sie alles haben. Sie gehen nicht spazieren, wie bei uns täglich und sitzen nur zu den Mahlzeiten mit anderen Menschen zusammen. Sie starren beide ins Leere. Bei uns waren sie voll orientiert, konnten gut gehen und waren am Leben und an der Gesellschaft interessiert….

Und auch Monika Gebhardt und ihrem Mann geht es nicht gut. Da sie lange Zeit in Vorleistung gegangen sind, haben sie sich hoch verschuldet. Das zwingt sie, ihr barrierefreies Wohnhaus in dem sie selbst und die Wohngemeinschaft lebten, zu verkaufen. Monika Gebhardt wünscht sich, dass sich ein Käufer findet, der barrierefreien Wohnraum sucht, damit wenigstens das Haus noch einen Nutzen hat. Interessierte erhalten die Kontaktdaten per E-Mail von ForseA info@forsea.de hjr
 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Manfred Keitel schrieb am 26.05.2008, 14:46

@ Gerd Frank

Nein, Du hast keine direkten Nazivorwürfe formuliert, da hast Du völlig recht. Wenn ich aber an die Vergangenheit erinnert werde, assoziere ich (wie viele andere sicherlich auch) die "jüngste Vergangenheit", und in der wurden nun einmal beeinträchtigte bzw. auch alte Menschen systematisch abgeschlachtet. Ich habe nur Deine Andeutung nach meinem Wissen zuendegedacht; natürlich wollte ich Dir nichts unterstellen, es schien bloß auf der Hand zu liegen.

Michelle Schauf schrieb am 23.05.2008, 15:48

so wird es immer weitergehen

wenn sich, wie im vorgenannten Fall deutlich erkennbar, die Menschheit zwar (verbal) aufregt aber dann die Angelegenheit ad acta legt, sprich: Gras drüber wachsen lässt.
Wann ENDLICH werden sich alle die es betrifft endlich zusammentun, um gegen dieses himmelschreiende und menschenverachtende Unrecht auf die Barrikaden zu gehen ?
Heute sind es die ALTEN unserer Großeltern-Generation denen man das antut - morgen ist es unsere Elterngeneration und übermorgen sind wir selber dran.
Ich habe bereits jetzt schon die Vision (und Albträume) wie die Situation unserer Generation (Babyboomer) dann darzustellen sein wird: Vermutlich wird man uns ( ab einem Alter von etwa 80 Jahren) wohlmöglich die Wahl zwischen Giftcocktail, Strick oder ersaufen lassen, wobei es als sozial verträglich gelten wird, den Strick oder das Ersaufen zu wählen, da es am kostengünstigsten zu haben sein wird.
Wann treten wir den verantwortlichen Machern und Unterstützern dieses unmenschlichen Alten-Verwahr-Systems endlich mal gemeinsam in ihren verfetteten Allerwertesten und katapultieren sie dahin wo sie hingehören

Petra Ewert schrieb am 23.05.2008, 14:15

Bei unserer Uroma war es nicht anders

Es ist furchbar was heute immer noch mit unseren älteren Leuten passiert. Wegen einer Wohnhaussanierung mußte unsere Uroma in ein Pflegeheim umziehen. Leider war unsere Wohnraumsituation so das wir sie n icht aufnehmen konnten.
Anfangs waren sogar wir begeistert was alles im neugebauten Pflegeheim in Seehof bei Schwerin angeboten wurde.
Aber eben nur anfangs. Bei jedem Besuch wurden wir immer entsetzter. Das saßen dann 3-4 Leute absolut apatisch vor dem Fernseher ohne das sie überhaupt aufnehmen konnten was gerade im Fernseher lief. Andere starrten aus dem Fenster. Leider saß unsere Uroma bald auch unter diesen Leuten, obwohl sie regelmäßig Besuch bekam. Wir bekamen dann vom Pflegepersonal nur die Auskunft das sie jetzt wohl Demenzkrank sei. Monate davor hat sie in ihrer Wohnung noch aus ganz feinem Garn Tischdecken gehäkelt und hat ihre Runde um ihren Block gedreht. Das war alles nach ein paar Wochen Pflegeheim weg.
Zwei Jahre später sind meine Schwiegereltern zu uns nach Tangermünde gezogen und auch die Uroma konnte mit hier her. Jetzt wußten wir dann auch was mit ihr dort alles passiert ist. Sie hat Diabetismedikamente bekommen obwohl sie überhaupt kein Diabetes hatte. Ausserdem hat sie in den zwei Jahren über 20 kg abgenommen.
Leider konnte sie ihr schönes neues zu Hause nicht mehr richtig geniessen. Nach einem 3/4 jahr ist sie dann durch die Demenz und der Fehlbehandlung im Pflegeheim bei uns im Krankenhaus verstorben.
Gegen das Pflegeheim konnten wir leider nichts unternehmen da wir keine Beweise hatten.
Ich selber bin sehr für WG`s mit Rentnern. Sie werden gefordert und können sich immer wieder Beweisen das man auch im Alter noch Fit ist.
Und dann gibt es da ja auch noch den Spruch:" Einen alten Baum erpflanzt man nicht".

Gerd Frank schrieb am 21.05.2008, 08:02

@ Manfred Keitel

Nazivorwürfe (!!??) davon hat hier bislang niemand etwas geschrieben. An was ich gedacht habe bleibt dahingestellt, als ich den Leserbrief schrieb. Es ist schon merkwürdig wenn man von Vergangenheit spricht einem sofort unterstellt wird, er meint die Nazizeit.
Dieses Gesetz ist eine Farce, da wird versucht Heime als besonders Klasse darzustellen, dass dem nicht so ist, sollte hier jedem klar sein. Es ist für mich ein Gesetz, das die"Pflegemafia"(?) vom Gesetzgeber noch mehr Rechte bekommt und somit die Rechte von behinderten Menschen und alten Menschen mit Füßen getreten werden.
Wir haben zwar ein Gleichstellungsgesetz, aber eine Landesregierung erlässt ein Gesetz das Diskriminierung legalisiert wird. Ich bin fassungslos wenn ich solche Gesetze lese.

Uwe Heineker schrieb am 20.05.2008, 23:46

Es muss nun ...

... erst recht ein neues Denken und Strukturwandel im Sinn der Aktion "Daheim statt Heim" stattfinden.

Dieser Vorfall sollte nun wirklich Anlass genug dafür sein, noch aggressiveren Protest anzumelden und pfiffige Aktionsformen gegen diese menschenunwürdigen Praktiken zu finden (ich denke dabei an die "68er" Jahre im vorigen Jahrhundert oder die Behindertenbewegung in den "70/80ern")

also:

runter vom Sofa - raus auf die Straße,

damit der Grundsatz "ambulant vor stationär" sich immer mehr durchsetzt.

Klaus Peter Lohest schrieb am 20.05.2008, 22:20

Trauer und Aufbruch

Der Artikel und noch mehr das geschilderte Schicksal der Menschen machen mich unendlich traurig. Aus Selbst- wird Fremdbestimmung, aus Leben Tod.
Dieser "Fall" gehört ordentlich und intensiv aufbereitet in eine breitere öffentliche Diskussion. Dafür sollten wir Sorge tragen.
Zugleich spornt er mich noch mehr an (falls das überhaupt noch geht), meinen ganzen Einfluss weiter geltend zu machen und Alternativen für eine stationäre Unterbringung zu schaffen.
Klaus Peter Lohest, Abteilungsleiter Sozialministerium Rheinland-Pfalz

Manfred Keitel schrieb am 20.05.2008, 18:38

Ich bin fassungslos!

Ich bin Fassungslos über das, was hier schon wieder unter den Augen der Öffentlichkeit möglich ist. Mir fehlen die Worte und ich kann die unpassenden Nazi-Vergleiche nur zu gut nachfühlen.
Tatsächlich sind Menschen mit einer wie auch immer gearteten Beieinträchtigung die ersten, die über die *Klinge* springen, wenn Kostendiskussionen und entsprechende Praktiken stattfinden.
Es ist zum Kotzen!!

Gerd Frank schrieb am 19.05.2008, 07:54

Knäste (??)

sind Altenheime und Pflegeheime nicht. Ich empfinde es viel schlimmer. Es sind wohl eher ..... (Gedanke Vergangenheit) Ich denke jeder wen er mal nachdenkt weiß was ich meine.
Ich bin ebenso fassungslos über das Vorgehen der Verantwortlichen. Es zeigt sich mal eindeutig behinderte Menschen und erst recht alte Menschen sind in unserer Gesellschaft nur noch Balast der Geld kostet. Das heißt sparen ,sparen bis zum schnellen tod. Das ist das Ziel der Verantwortlichen.
Die Vergangangheit lässt grüßen.


Dorothea Moesch schrieb am 18.05.2008, 14:44

Wer hat jetzt noch Zweifel?

Es sind KNÄSTE. Es sind Vernichtungsknäste. Es geht nur noch um Warten auf den Tod.

Fassungslos, wütend, entschlossen,
D. Moesch

Uwe Heineker schrieb am 18.05.2008, 12:46

Bin fassungslos und wütend ...

... zugleich, besonders darüber, dass zwei Menschen starben und weitere in Apathie verfielen. Diese Folgen sollten denjenigen drastisch vor Augen geführt werden, die die "Umsiedlung" zu verantworten haben!

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