
Berlin (kobinet) Unter dem Titel "Sichtweisen - Blinde und Kunst" stellen die Berliner Künstlerin Anke Aust (45) und ihre Schülerin Silja Korn (42) vom 27.6. bis 4.7.2008 erstmals ihre Arbeiten der Öffentlichkeit vor. Silja Korn ist blind, sie hat bereits im Alter von 12 Jahren durch einen Autounfall ihr Augenlicht verloren. Die Vernissage findet am 27. Juni um 19.00 Uhr in der Art Lounge in den Weddinger Gerichtshöfen, Gerichtstraße 12/13, 13347 Berlin statt, erfuhr kobinet vom Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin.
Silja Korn hat die Hoffnung, wieder zu malen, nach ihrer Erblindung nie ganz aufgegeben. Im vergangenen Herbst stieß sie bei Recherchen im Internet auf die Berliner Künstlerin Anke Aust, die einige ihrer abstrakten Bilder mit gut ertastbaren Materialien gestaltet. Anke Aust lud Silja Korn ein, ihre Bilder mit den Händen zu betrachten und erfuhr auf diese Weise selbst eine ganz neue Sichtweise ihrer Bilder.
Silja Korn wiederum entwickelte beim Ertasten der Bilder von Anke Aust den starken Wunsch, selbst wieder zu gestalten und bat die Künstlerin, sie in Malerei zu unterrichten. Anke Aust willigte ein und fortan traf man sich wöchentlich in ihrem Atelier in den Weddinger Gerichtshöfen, um die verschiedenen Techniken mit Händen, Spachtel, Pinsel und Schwamm zu üben. Für Anke Aust eine gewaltige Herausforderung, da die Unterweisung eines blinden Menschen eine komplett andere Herangehensweise erfordert.
Silja Korn hat noch immer ein starkes Farbempfinden und bedient sich bei ihrer Arbeit zudem ertastbarer Materialien wie Grobsand, Strukturpaste oder Papier. Über die Struktur kann sie Farben und Formen gewissermaßen "erkennen" und somit zu einem eigenen Ausdruck finden.
In der Ausstellung zeigen beide Künstlerinnen ihre ebenso gut sichtbaren wie ertastbaren Arbeiten und wer möchte, kann selbst einmal "die Seiten wechseln" und sich die Bilder mit verbundenen Augen erschließen. "Denn es ist ein ausgemachtes Ziel dieser Ausstellung, Denkbarrieren und Vorbehalte abzubauen, den Austausch zwischen Blinden und Sehenden anzuregen, um auf der Basis gegenseitigen Verstehens behinderten Menschen mit mehr Respekt (anstelle von Mitleid) zu begegnen", wird in der Pressemitteilung des ABSV hervorgehoben. Viel zu häufig würden Fragen gestellt wie: Warum sollen Blinde denn malen? Geht das denn? Macht das überhaupt Sinn? Kann diese Kunst ästhetischen Kriterien genügen? Dies führe dazu, dass sich viele Blinde gar nicht erst trauen. "Behinderten Menschen kann weitaus mehr zugetraut werden, das ist die Botschaft, und sie verdienen Respekt für jeden Schritt, sich in ihrem Leben mit Handicap einzurichten." sch
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