Berlin (kobinet) Morgen feiern autistische Menschen ihren Tag, den 2005 eingeführten Autistic Pride Day. Eine emanzipatorische Bewegung wehrt sich dagegen, dass Autismus als Krankheit betrachtet wird. Dieses Jahr lautet ihr Motto "Respekt statt Mitleid", erfuhr kobinet von Colin Müller.
Auf der von ihm verantworteten Webseite Autismus-Kultur wirbt der Autist für einen selbstbewussten Umgang mit der eigenen Identität: "Autistisch zu sein ist keine Krankheit und kein Grund, sich zu schämen. Autistische Aktivisten wenden sich gegen Versuche, Autismus zu ‚heilen'. Denn autistisch zu sein, ist einer Person inhärent und nicht von ihrer Persönlichkeit zu trennen." Autismus zu heilen würde bedeuten, die Persönlichkeit auszulöschen. Die Medizin gehe davon aus, dass es ein "normales" Gehirn gibt, und dass es erstrebenswert und notwendig ist, dieser Norm möglichst nahe zu kommen. Das Konzept neurologischer Vielfalt wende sich dagegen, manche neurologische Begebenheiten als wertvoll und erstrebenswert und andere als negativ einzustufen.
Deshalb forderten Autisten Chancen wie andere Menschen. Sie leiden nicht unter Autismus, sondern unter gesellschaftlichen und kulturellen Barrieren und Diskriminierungen. Diese bestehen oft auch darin, dass Autisten nicht ernst genommen werden. Geht es zum Beispiel um Belange und Wünsche (mitunter erwachsener) Autisten, werden in der Regel nicht die Autisten selbst gefragt, sondern Eltern, Ärzte und Therapeuten. Sie prägen auch das Bild und die öffentliche Meinung, indem sie in den Medien über Autisten als bemitleidenswerte Kranke und über "Autismus" als Tragödie erzählen - statt Autisten selbst zu Wort kommen zu lassen, sie zu unterstützen, und die Akzeptanz der Vielfalt in der Gesellschaft zu fordern und zu fördern. sch
Die vollständige Pressemitteilung zum 18. Juni und weitere Informationen sind auf der Webseite der Initiative Autismus-Kultur nachzulesen