
Kassel (kobinet) Stefan Göthling von Mensch zuerst macht sich Gedanken über die Begriffe "FED" und "geistige Behinderung". elba
Stefan Göthling schreibt an kobinet:
Was denken andere über behinderte Menschen?
Das erkennen wir oft an den Worten und Begriffen.
Solche Worte können viel aussagen.
Solche Worte können verletzen.
In vielen Städten gibt es einen so genannten FED.
FED heißt: Familien entlastender Dienst.
Wenn ich das höre, dann frage ich mich:
Bin ich für meine Familie eine Last?
Muss ich mich schämen?
Oft werden behinderte Menschen nur als Last angesehen.
Das macht mich traurig.
Ich sehe mich nicht als Belastung für meine Mitmenschen.
Ich unterstütze meine Familie, so gut ich kann.
Ich bin ein Freund und Nachbar.
Und ich glaube, meine Familie ist sehr stolz auf mich.
Solche Worte sind verletzend.
Diese Worte tun mir weh.
Ich finde es diskriminierend, wenn behinderte Menschen als Belastung gesehen werden.
Menschen mit Lernschwierigkeiten sind keine Belastung.
Sie brauchen nur die richtige Unterstützung
Ich wünsche mir, dass wir nicht als Belastung gesehen werden, sondern als Menschen.
Dann sollte auch der FED seinen Namen ändern.
Zum Beispiel: Familien unterstützender Dienst.
Denn Unterstützung brauchen alle Familien, nicht nur Familien mit einem behinderten Kind.
Es gibt den Begriff "geistige Behinderung".
Ich finde das sehr abwertend.
Ich finde, das macht uns schlecht.
Ich möchte nicht "geistig Behinderter" genannt werden.
Ich bin ein Mensch mit Lernschwierigkeiten.
Vor 50 Jahren war der Begriff "geistig behindert" neu und gut.
Davor nannte man uns zum Beispiel Schwachsinnige.
Aber jetzt ist das anders.
Es wäre schön, wenn die Lebenshilfe ihren 50sten Geburtstag dafür nutzt, einmal über diese Begriffe nachzudenken.
Wir sehen uns nicht als Geistigbehinderte.
Wir sind Menschen mit Lernschwierigkeiten.
Ich finde es diskriminierend, wenn ich als "geistig Behinderter" gesehen werde.
Deswegen sammeln wir Unterschriften gegen den Begriff "geistig behindert".
Ich wünsche mir, dass wir nicht mehr als "geistig Behinderte" oder als Belastung gesehen werden, sondern als Menschen.
Bitte unterstützen Sie uns dabei, damit diese Diskriminierung aufhört.
Eine Unterschriften-Liste zur Unterstützung
Luis Zubizarreta schrieb am 22.06.2008, 09:42
Hallo,D.Moesch,
Sie könnten mit Ihrer Vermutung Recht haben! und das ist sehr sehr traurig.Skandal finde ich ,dass die Lebenshilfe weiterhin die Diskriminierung der von ihr betreuten MITMENSCHEN wegen solchen Interessen in Kauf nimmt!
Luis Zubizarreta
Dorothea Moesch schrieb am 20.06.2008, 19:49
Welche Interessen verbergen sich denn hinter der "Handelsmarke" sog. Lebenshilfe? Gehts da nicht viel mehr um Arbeitsplätze (für Nicht"behinderte" natürlich), um Kohle, um Deutungshoheit, um Entscheidungsmacht? Eine ELTERN-Initiative ist das, mit Angestellten und Finanzinteressen, und keine SELBSTvertretung.
Daher wird sich an der ausgrenzenden Bezeichnung nichts ändern. Warum auch? Weil sogenannte "Betroffene" das so wollen? Doch nicht in der Lebenshilfe - pah! Da zählt nur der ELTERN- und PROFIwille, und bestimmt nicht der der BEHANDELTEN.
Luis Zubizarreta schrieb am 19.06.2008, 23:17
Herr Lohest,Ihnen herzlichen dank!Tun Sie alles ,damit die geistige Umbeweglichkeit der Selbsternannten "Nichtgeistigbehinderten"der"Oberen"der Lebenshife D nicht weiter MITMENSCHEN diskriminiert! Die Lebenshilfe Österreichs hat schon 2006 diese Bezeichnung abgeschafft ,"wegen der diskriminierender Wirkung der Begrifflichkeit".Nur die von der Lebenshilfe D "begreiffen" es nicht.Sie wollen es nicht begreiffen.
Luis Zubizarreta
Dirk Balzer schrieb am 19.06.2008, 20:51
Auch mir ist jetzt erst richtig klar geworden, wie sie sie diskriminierend und verletzend missverständlich die Wortwendung " Familien entlastender Dienst " ist. Sie impliziert doch, dass z. B. Kinder, Menschen mit Lernchwierigkeiten oder Jugendliche, deren Familien so zerrüttet sind dass sie einen " Knaks " bekommen haben, für deren Familien eine Last sind. Sicher ist das nicht gemeint! Wesentlich besser und der Sache eher angemessen finde ich ebenfalls: " Familien unterstützender Dienst " . Schließlich ist das genau das, was die dort Beschäftigten machen. Weg damit!! Die " Aktion SORGEN Kinder " haben wir schließlich auch auf den sprachlichen Müllhaufen geworfen.
Klaus Peter Lohest schrieb am 19.06.2008, 19:46
Stefan Göthling hat völlig Recht: Worte können verletzen. Und Worte bestimmen das Denken. Weil das so ist, müssen diejenigen als erste andere Worte verwenden, die Menschen mit Lernschwierigkeiten vertreten. Ein Beispiel ist die Lebenshilfe.
Wir haben als rheinland-pfälzisches Sozialministerium schon vor Monaten den Vorsitzenden der Lebenshilfe gebeten, darüber nachzudenken, das Wort "Mensch mit Lernschwierigkeiten" zu verwenden. Nicht länger "geistig behinderter Mensch" zu sagen.
Leider haben wir noch immer keine Antwort. Aber: Wir bleiben am Ball!
Klaus Peter Lohest
Abteilungsleiter Soziales
Sozialministerum Rheinland-Pfalz
Wasilios Katsioulis schrieb am 18.06.2008, 21:34
ich finde den Text auch absolut gut:)
Norbert Voigt schrieb am 18.06.2008, 21:17
Guten Tag Herr Göthling,
erst mal herzlichen Glück, dass sie offen ansprechen, dass die Begriffen "geistige Behinderung". verletzten sind. Ich gebe ich Ihnen recht. Ich selber habe Lernschwierigkeit. Ich selber arbeite in der WfbM Heinsberg. Dort stelle ich fest, dass alle meine Kolleginnen und Kollegen jeden Tag immer auf neues was lernen. Z.B. wenn neue Aufträge kommen, müssen wir die neue Arbeit kennen lernen, wie die Arbeit gemacht werden muss. Schlimm finde ich, wenn im einen Antragsformular das Wort Geistig Behindert angekreuzt werden, bekommt mann erst Geld für die Eingliederung. Die ist sowas bei meiner Lebensgefährtin geschehen. Sie hat sich gewährt, dass in den Antragsformular dieses Wort angekreuzt werden muss. Leider hat die damalige Gesetzliche Betreuerin dieses Wort Geistig behindert doch einfach angekreuzt.
In dieser Angelegenheiten muss unbedingt was unternommen werden, dass durch das Wort Geistig behindert Geld für die Eingliederung gibt. Dies darf nicht sein. Es hat dann auch die Folgen, dass man wieder so behandelt werden, als wenn man nicht selber für sich denken kann und kein recht haben mal selber Fehler zu machen, woraus wir selber lernen können es besser zu machen. Auch werden wir dadurch immer wieder Fremd bestimmt. Dies finde ich eine Sauerei.
Auch habe ich festgestellt, dass viele Fachleute in der Einrichtungen aussuchen, wo wir selbständig sein dürfen und wo nicht. Die finde ich sehr diskriminierend.
Den Begriff FED sagt mir, dass ich zu dick bin und es belastet ist. Das sowas bei der Familie unterstützender Dienst so was genannt wird, wäre mir der Begriff nicht in Traumen eingefallen. Dieser Dienst ist eine Unterstützung für den Betroffene und Angehörige oder Mitmenschen mit den er zusammen Wohnt. Bei uns heiß es FüD Familie unter Stützender Dienst.
Herr Göthling, machen sie weiter so. ich finde es klasse. Und wenn ich Sie in der Angelegenheiten unterstützen kann, gebe ich Ihnen selbstverständlich meine Unterstützung. Lasse Sie es mir bitte wissen.
Luis Zubizarreta schrieb am 18.06.2008, 17:56
Besser kann man nicht schreiben ,lieber Herr Göthling!Ich habe schon sehr oft darüber geschrieben aber mir tut es sehr weh fest zu stellen,wie wenig emotionale Intelligenz manche s.g.NICHTGEISTIGBEHINDERTE besitzen .So wenig ,dass sie weiterhin Mitmenschen mit diskriminierenden Bezeichnungen beleidigen und verletzen!Bei manchen Menschen -auch in der Lebenshilfe -D-wird die emotionale Intelligenz durch andere "Interessen"betrübt.Ich glaube nicht an eine Wende beider Lebenshilfe,Schulministerium NRW und andere Profis.LEIDER!
Luis Zubizarreta ,Schulleiter i.R.
Dorothea Moesch schrieb am 18.06.2008, 17:07
ich finde Ihren Text klasse formuliert! Gerade die Bezeichnung "familienentLASTender Dienst" war mir noch gar nicht so klar. Sie haben Recht - sogenannte "Behinderte" werden als LAST gesehen, wenn man diesen Begriff benutzt. Aber auch "Behinderte" mag ich nicht - wir sind Menschen, alle haben unterschiedliche Fähigkeiten. Keiner kann alles - auch nicht der, der angeblich "nicht behindert" ist. "Behindert" erklärt uns über angebliche Mängel - als Menschen haben wir aber Fähigkeiten. Alle.
Vielleicht haben Sie Schwierigkeiten mit dem Lernen - aber ganz bestimmt nicht mit dem Formulieren. Das ist Ihnen nämlich meiner Meinung nach so richtig gut gelungen.