Hamburg (kobinet) Unter massiven Androhungen, trotz der Anwesenheit der Presse, wurden am Dienstag in Hamburg erneut Mitglieder des Club 68 - Verein für Behinderte und Ihre Freunde e.V. - Hamburg aufgefordert, wegen ihres angeblich «geschäftsschädigenden Einflusses» künftig auf die Einkehr im griechischen Spezialitätenrestaurant Taverna Orfeas in Hamburg-Schnelsen zu verzichten. Der Gruppe wurde vor kurzem bereits schon einmal nach einem Besuch des Restaurants angeraten, aufgrund ihrer Behinderung das Restaurant zukünftig nicht mehr zu besuchen (kobinet-nachrichten 13.08.2003).
«Wir sind erschüttert. Dies ist ein tiefer Rückschlag in vergangene Zeiten, glaubten wir doch schließlich, dass es im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen eine Selbstverständlichkeit sein müsste, in Gaststätten einkehren zu dürfen», so Jörn Schadendorf. Horst Grauer (68) fühlte sich bei einem solchen Vorgehen sogar in vergangene Zeiten versetzt. Nach dem Pressetermin berichtete er: «Als behindertes Kind galt ich im dritten Reich als nicht 'lebenswert' und sollte getötet werden. Ich habe nur überlebt, weil der Krieg zu Ende gegangen ist. Heute bin ich anscheinend wieder unerwünscht».
Der Club 68 fordert angesichts dieser erneuten und offenen Diskriminierung die Hamburgische Bürgerschaft auf, umgehend ein Landesgleichstellungsgesetz für Behinderte mit Biss zu verabschieden. Außerdem sei nach Ansicht des Club 68 die Aufnahme behinderter Menschen in ein zivilrechtliches Antidiskriminierungsgesetz nun überfällig. «Denn wir wollen so etwas nicht noch einmal erleben müssen ohne rechtliche Möglichkeiten zu haben, um dagegen vorgehen zu können. Das ist äußerst entwürdigend und höchst diskriminierend, so behandelt zu werden ohne eine juristische Möglichkeit der Gegenwehr zu haben», so Jörn Schadendorf.
Neben einem am Mittwoch im Hamburger Abendblatt erschienen Artikel über die Diskriminierung haben bereits zwei Privatradiosender über den Fall berichtet. Am Donnerstag, den 21. August wird die ARD voraussichtlich in der Sendung «Brisant» zwischen 17.15 Uhr und 17.43 über den Diskriminierungsfall berichten. omp