
Berlin (kobinet) Wie bereits am 18. Juni anlässlich einer Fragestunde im Bundestag, wird die Situation behinderter Menschen bei Krankenhausaufenthalten am 25. Juni auf der Tagesordnung im Bundestag stehen. Mit der Kampagne "Ich muss ins Krankenhaus - und nun?" hat das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA e.V.), dargestellt, dass behinderte Menschen mit Assistenzbedarf bei Krankenhausaufenthalten sehr häufig unterversorgt sind. Ihre behinderungsbedingt notwendigen Hilfen können vom Klinikpersonal nicht geleistet werden. Gleichzeitig wird die Mitnahme von Assistentinnen und Assistenten in der Regel verhindert, da sich die Leistungsträger weigern, die Kosten für die Assistenz beim Krankenhausaufenthalt weiter zu übernemen. Dies führt zu teils dramatischen Unterversorgungen, nicht mehr reparablen Folgeschäden bis - in Einzelfällen - zu Tod.
Laut Ilja Seifert, dem behindertenpolitischen Sprecher der LINKEN, habe der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Rolf Schwanitz, in der Fragestunde am 18.Juni völlig ahnungslos hinsichtlich der katastrophalen Versorgungssituation von Schwerbehinderten während ihres Krankenhausaufenthaltes getan. "Dies ist spätestens seit Übergabe der Ergebnisse der ForseA-Kampagne 'Ich muss ins Krankenhaus ... und nun?' am 27. September 2007 völlig inakzeptabel", so Seifert. Deswegen wird das Thema auch am 25. Juni auf der Tagesordnung im Bundestag stehen.
Die dazu eingereichte Frage Seiferts lautet: "Was hat die Bundesregierung seit Übergabe der Ergebnisse der ForseA-Kampagne 'Ich muss ins Krankenhaus … und nun?' an die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderungen, Karin Evers-Meyer, auf einer öffentlichen Veranstaltung im Kleisthaus am 27. September 2007 getan, um die laut ForseA katastrophale Versorgung von Schwerbehinderten während ihres Krankenhausaufenthaltes zu ändern (bitte die Aktivitäten und Maßnahmen sowie die jeweiligen Akteure einzeln nennen)?".
Elke Bartz, Vorsitzende des ForseA und Initiatorin der Kampagne: "Wir sind sehr froh, dass dieses Thema endlich ins Bewusstsein der politisch Verantwortlichen dringt. Ein Schreiben der Präsidentin der hessischen Ärztekammer und ein Entschluss des Ärztetages - beides auf unserer Internetseite einzusehen - bestätigen unsere Forderungen, Assistenz mit ins Krankenhaus nehmen zu können". Niemand, der sich einmal genauer mit dem Thema befasst habe, könnte so einfach zur Tagesordnung übergehen und inaktiv bleiben. "Da müsste man schon ziemlich abgebrüht sein, wenn man die Situationen kennt und nicht hilft sie zu ändern".
Sie weiß, wovon sie spricht: "Ich war in dieser Woche nur zum Röntgen im Krankenhaus. Diese rund dreieinhalb Stunden haben mir gereicht. Hätte ich meine Assistentin nicht dabei gehabt, wäre ich möglicherweise nicht ohne Dekubitus nach hause gekommen. Die Frage 'können Sie stehen?' trotz eindeutiger Diagnose Halswirbellähmung ist da noch das Harmloseste. Übrigens war ich in der orthopädischen Ambulanz. Allein daran zu denken, ohne Assistentin ins Krankenhaus zu müssen, erfüllt mich mit Grausen. Und wie ich weiß, geht es den meisten behinderten Menschen ganz genauso". hjr
Link zum Video-Mitschnitt der Befragung