Stuttgart (kobinet) Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) will sich dafür stark machen, dass Hoteliers und Pensionsbetriebe ihre Angebote behindertengerecht gestalten. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs des Vereins Aktive Behinderte in Stuttgart mit dem Wirtschaftsminister.
«Oft sind es vermeintliche Kleinigkeiten, wie zu schmale Türen, fehlende Rampen oder zu hoch angebrachte Bedienungselemente, die Behinderten im Urlaub das Leben erschweren», erklärte der Vorsitzende des Vereins Aktive Behinderte in Stuttgart, Johann Kreiter, nach dem Treffen mit dem Wirtschaftsminister. «Die Tourismusbranche könnte sich mit einer besseren Einbeziehung behinderter Menschen ein riesiges Marktsegment erschließen».
Die «Nationale Koordinierungsstelle Tourismus für Alle» schätzt das Volumen der Urlaubsausgaben von Menschen mit Behinderungen auf rund 9,8 Milliarden Euro pro Jahr. Kreiter sagte, derzeit seien in der Bundesrepublik rund 20 Prozent der Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt. Bis zum Jahr 2023 würde der Anteil auf 35 Prozent wachsen.
Döring legte auch eine neue Broschüre «Baden-Württemberg barrierefrei erleben» vor. Sie enthält mehr als 100 Orte und 200 Betriebe, deren «barrierefreie Angebote» vom Tourismusverband und einer Behindertenorganisation überprüft wurden. Der Südwesten liege nach Aussage von Kreiter mit diesem Angebot für behinderte Menschen bundesweit vorn. Döring betonte, dass Baden-Württemberg schon seit längerem auf Behinderte als Feriengäste setze. Der Tourismus-Verband Baden-Württemberg habe bereits 1999 mit Mitteln des Wirtschaftsministeriums zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Behinderte das Projekt «Baden-Württemberg für Rollstuhlfahrer» gestartet.
Der Wirtschaftsminister will noch mehr Anbieter für einen «barrierefreien Urlaub» aktivieren. «Vielleicht ist das Angebot im Land doppelt so groß als die im Katalog genannten 200 Betriebe», schätzt Döring. Kreiter kritisierte die Deutsche Bahn. Auf vielen Bahnhöfen könnten Behinderte im Rollstuhl den Zug nicht verlassen, «weil die Bahn ihr Personal weiter abbaut». omp