
Tübingen (kobinet) Menschen mit Behinderungen sind von Armut stärker bedroht. Das betonte Stephan Lorent, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft "Selbstbestimmte Behindertenpolitik" der Linken in Baden-Württemberg in einer kobinet übermittelten Presseerklärung unter Berufung auf den Armutsbericht der Bundesregierung:
Der dritte Armuts- und Reichtumsbericht zeigt es ganz deutlich: Menschen mit Behinderungen unter 55 Jahren sind von Armut überdurchschnittlich bedroht. Von den alleinstehenden Menschen mit Behinderungen leben 33% (15% Männer; sogar 39% Frauen) von weniger als 700 Euro. Dies ist Ausdruck einer jahrzehntelangen verfehlten Bildungs- und Ausbildungspolitik. Nur 15% der behinderten Schülerinnen und Schüler gehen auf eine Regelschule. Über 40% der Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen bekommen keinen adäquaten Schulabschluss. Von den übrigen behinderten Schülerinnen und Schülern machen 12% (25% der Nichtbehinderten) Abitur, nur 3,2% (10,8% der Nichtbehinderten) beenden ein Hochschulstudium.
Diese Entwicklung setzt sich im Berufleben fort. Nur 14% aller Menschen mit Behinderungen arbeiten in einem gleichgestellten Arbeitsverhältnis. 40% der Menschen mit Behinderungen arbeiten in Werkstätten für Behinderte mit einem Einkommen von 60 bis 260 Euro monatlich. Angesichts dieser Zahlen und der jetzigen Ablehnung der neuen Vorschläge der Europäischen Kommission zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen von der jetzigen Bundesregierung kann von einer wirklichen Integrationspolitik nicht gesprochen werden.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft "Selbstbestimmte Behindertenpolitik" der Linken fordert einen sofortigen Paradigmenwechsel. Andere europäische Staaten (Niederlande, Schweden) haben schon längst bewiesen, dass Integration von Menschen mit Behinderungen keine leere Worthülse sein muss. sch
Markus Zimmermann schrieb am 08.07.2008, 08:32
Ich bin seit 2003 Arbeit suchend und werde in jährlichem Wechsel von einem so genannten Hochschulteam oder von der Reha-Abteilung bei der Bundesagentur "betreut". Unter anderem muss ich als Blinder selbst meine Daten im Internet verwalten, was auch für Sehende mit soliden Computer-Kenntnissen nahezu unmöglich ist. Erst recht zusammengebrochen ist die Beratung, seit die ZAV von Frank Weises Gnaden und gegen alle Beteuerungen im vorigen Jahr dicht gemacht wurde. Man denke an seinen Ausspruch, dass zuerst den Gesunden geholfen werden muss....
Dr. Carsten Rensinghoff schrieb am 07.07.2008, 18:15
Seit dem 14.02.2008 bin ich nun mit 39 Jahren - mit Zustand nach schwerem Schädel-Hirntrauma - arbeitslos. Anfangs habe ich gedacht das es gut sei mit einer hohen Qualifizierung aufzutreten, deshalb auch die Promotion. Für die Vermittlerinnen und Vermittler für Rehabilitanden und Schwerbehinderte bei der Agentur für Arbeit Hagen gestaltet sich aber gerade diese Qualifizierung als Nachteil. So muss ich wohl oder übel bis zum St. Nimmerleinstag auf Arbeit warten.
Mittlerweile rufe ich jeden Tag bei der Arbeitsagentur an. Bis auf schnippische Bemerkungen von der Telefonzentrale erfahre ich da aber nichts.
Ein persönliches Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur Hagen - Nebenstelle Witten - fand öffentlich statt und wurde von einem Mitarbeiter der Agentur gestört, der NUR mal eben eine Frage hatte. Mich hat das, genauso wie das zweimalige Telefonläuten, aus dem Redefluss gebracht. Außerdem stand die Tür auf. Von Intimsphäre keine Spur ...