Kassel (kobinet) An die mindestens 20.000 Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen in Hessen erinnert eine Publikation des Landeswohlfahrtsverbands. In der soeben erschienenen Broschüre "Erinnern und Gedenken" werden die Gedenkorte vorgestellt und praktische Hinweise für einen Besuch gegeben.
"Moderne soziale Dienstleistung und demokratisch legitimierte Sozialpolitik dürfen diese historischen und zeitgeschichtlichen Aspekte ihrer Aufgaben nicht übersehen", betont darin der für die Gedenkstättenarbeit zuständige Beigeordnete des LWV, Dr. Peter Barkey.
Mit einer Relieftafel am Hauptgebäude der seinerzeitigen Heil- und Pflegeanstalt Hadamar entstand 1953 bundesweit das erste Mahnmal für die NS-"Euthanasie"-Morde, so eine heute veröffentlichte Pressemitteilung. 1964 wurde dort der Anstaltsfriedhof in eine Gedenkstätte umgewandelt. In den achtziger Jahren begann in Deutschland eine intensive Auseinandersetzung mit den Ursachen und Wirkungen der NS-Zeit, an vielen Orten auch mit dem Ziel, die regionalen Geschehnisse zu rekonstruieren. Im November 1983 wurden in Hadamar erstmals Räume, die zur Tötungsanlage gehört hatten, geöffnet. 1991 entstand eine ständige Ausstellung. Seit den 1980er Jahren wurden zahlreiche weitere Gedenkorte geschaffen, darunter der Gedenkfriedhof für die "Zwischenanstalt" Weilmünster.
Im Herbst 2008 besteht die Gedenkstätte Hadamar seit 25 Jahren, eine Feierstunde am 25. Oktober soll die gedenkstättenpädagogische Arbeit der Einrichtung würdigen, die im vergangenen Jahr mehr als 14.000 Besucherinnen und Besucher zählte und deren Arbeit durch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung unterstützt wird.
Kranke, behinderte und sozial nicht integrierte Menschen galten dem NS-System als "Ballastexistenzen" und "lebensunwertes Leben". Ab 1934 wurden Hunderttausende von ihnen zwangssterilisiert, von 1939 - 1945 wurden vermutlich etwa 200.000 Menschen Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen. Die nach ihrem Hauptsitz in der Berliner Tiergartenstraße benannte Organisation "T4" organisierte die erste Phase des Krankenmordes, während der die Anstaltsbewohner in reichsweit sechs Gasmordanstalten getötet wurden. Nach 1941 starben sie - überwiegend im Rahmen regionaler Mordaktionen - durch Nahrungsentzug und Überdosierung von Medikamenten. sch
D. Heiermann schrieb am 11.07.2008, 09:57
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, das es nun endlich eine Broschüre gibt, in der die
Verbrechen durch die T4 Aktion bubliziert wird.
Damit hoffentlich die Menscheheit daraus lernt, was man auch
Menschen mit Behinderungen im dritten Reich angetan hat ...