
Von Françoise Letroite
Narbonne (kobinet) Mit dem dritten Dopingfall in sechs Tagen ist die Frankreich-Rundfahrt endgültig zur Skandal-Tour verkommen, schrieb heute Agence France Presse. In Narbonne wurde nach dem positiven Epo-Test des Italieners Riccardo Ricco und dem Rückzug seines Teams heute weniger über den dritten Tagessieg des britischen Sprinters Mark Cavendish gesprochen als von möglichen weiteren Dopern. Für Tour-Direktor Christian Prudhomme ist Doping der schlimmste Feind dieses Rennens geworden.
Erythropoetin (Epo) ist ein Segen für Dialysepatienten, die auf die regelmäßige lebenserhaltende Blutwäsche angewiesen sind. Das Medikament baut rote Blutkörperchen auf und fördert die verbliebene Leistungsfähigkeit der chronisch Kranken. Unverbesserliche Hochleistungssportler wollen sich mit Epo Vorteile gegenüber ihren Konkurrenten verschaffen und gehen dabei persönliche Gesundheitsrisiken ein (kobinet 5.7.04).
Die Methoden der französischen Dopingfahndern sind inzwischen immer besser geworden. Das Peloton zittert nun vor einer regelrechten Welle von Dopingfällen. In den bei der Tour verbliebenen 19 Teams wird befürchtet, dass Ricco nicht der letzte Dopingfall sein wird. Der zweimalige Etappensieger Ricco war bei einer Urinkontrolle nach dem Zeitfahren der vierten Etappe positiv auf das neue Epo-Mittel "Cera" getestet worden.
Dabei soll es sich um ein Medikament der dritten Generation handeln, dessen Halbwertszeit bezüglich des Proteinzerfalls länger als bei den bisher bekannten und entsprechend länger nachweisbar ist. Zudem ist das bei der diesjährigen Tour angewandte Testverfahren so verfeinert, dass auch kleinste Mengen des Produkts nachweisbar sind. Vor Ricco waren der Spanier Manuel Beltran (Liquigas) und dessen Landsmann Moises Dueñas Nevado (Barloworld) positiv auf das gleiche Präparat getestet worden
Die Tourveranstalter hoffen weiter darauf, mit drakonischen Sanktionen gegen Dopingsünder das größte Radsportereignis der Welt wieder sauber zu machen. Ob aus der bisherigen Skandal-Tour noch eine Rundfahrt der Hoffnung werden kann, liegt nun an den Radprofis selbst, ihren Managern und den wohl weiter hart durchgreifenden Veranstaltern. Die Tour bleibt ein Fest in Frankreich. Sie ist spannender als in den letzten Jahren zuvor. Hoffnungen auf einen sauberen Profi-Radsport müssen die Akteure selbst und ihre Arbeitgeber noch stärker mit überzeugenden Leistungen befördern. Mal sehen, was die nächsten Etappen und der Aufbruch in die Alpen bringen. sch