Kobinet Logo
Druckversion
kobinet-nachrichten 19.07.2008 - 07:45
URL:
http://www.kobinet-nachrichten.org

Wieder mal Ärger am Flughafen

.

Frankfurt am Main (kobinet) Der sehbehinderte Landesbehindertenbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Ottmar Miles-Paul, konnte bei der Verabschiedung seines in den USA lebenden 13jährigen Sohnes Robin am Frankfurter Flughafen erleben, welche Benachteiligungen es immer noch für behinderte Menschen gibt.

Das Thema ist für Ottmar Miles-Paul nicht neu, auch wenn die Angelegenheit seiner Ansicht nach ganz simpel ist. Sein 13jähriger Sohn Robin lebt in den USA und besucht ihn regelmäßig. Dafür fliegt Robin seit einigen Jahren allein von Cincinatti nach Frankfurt und zurück. Für eine Gebühr von 100 US-Dollar pro Flug sorgt die Airline dafür, dass das Kind eine entsprechende Begleitung bekommt. Soweit so gut. Die Regeln für alleinfliegende Kinder sehen am Frankfurter Flughafen anscheinend vor, dass eine erwachsene Person das Kind bis ans Gate begleiten darf.

Da Ottmar Miles-Paul aufgrund seiner Sehbehinderung Probleme mit der Orientierung am nicht unkomplizierten Flughafen in Frankfurt hat, ist er auf Assistenz angewiesen, um seinen Sohn wie alle anderen Eltern auch bis ans Gate zu begleiten. Und genau um diese Frage dreht sich ein regelmäßiger Streit bei der Verabschiedung seines Sohnes, denn gerade in der schwierigen Zeit des Abschiednehmens mit dem alleinfligenden Kind möchte Ottmar Miles-Paul natürlich wie alle anderen Eltern auch möglichst lang bei seinem Sohn sein. Die Alternative wäre, dass Robin vom Schalter aus von Mitarbeitern des Flughafens zum Gate gebracht würde und dort allein bis zum Einstieg warten müsste.

"Da mein Sohn schon seit einigen Jahren allein fliegt habe ich in den letzten Jahren am Flughafen so ziemlich alles erlebt und fast immer lange Diskussionen führen müssen. (Siehe kobinet-nachrichten vom 20.6.2006) Da diese Diskussionen am Schalter gerade in der Abschiedsphase nicht nur für meinen Sohn sehr anstrengend sind, hatte ich mir dieses Mal vorgenommen, diese zu unterlassen", so Ottmar Miles-Paul.

Am Schalter von Delta Airlines angekommen, entwickelte sich die Geschichte jedoch anders, als es sich der Landesbehindertenbeauftragte von Rheinland-Pfalz vorgenommen hatte. "Früher war es möglich, dass ich mit meiner Assistenz Robin zum Gate bringen konnte, das ging dann plötzlich nicht mehr, so dass wir uns darauf geeinigt hatten, dass ich mit einer Mitarbeiterin mit Robin zum Gate mitgehe und mir der Weg aus dem Sicherheitsbereich anschließend gewiesen wurde. Nun sollte plötzlich auch das nicht mehr gehen, so dass mir lediglich die Alternative blieb, mich allein durch das Flughafengewirr als Sehbehinderter mit meinem Sohn zu wühlen oder ihn schon am Schalter ans Flughafenpersonal zu übergeben", schildert Miles-Paul seine Erlebnisse.

Diese Benachteiligung wollte Miles-Paul dann doch nicht hinnehmen und führte intensive Diskussionen mit dem Personal von Delta Airlines, die nach einer ca. halbstündigen zum Teil hitzigen Debatte dazu führten, dass es plötzlich doch möglich war, dass er Robin mit seiner mitgebrachten Assistenz zum Flughafen bringen konnte. Was ursprünglich überhaupt nicht möglich zu sein schien, war dann auf einmal gar kein Problem mehr, es wurde einfach ein weiterer Name auf den Passierschein für die Assistenz geschrieben und auch niemand vom Sicherheitspersonal hat daran Anstoß genommen.

"Ich freue mich natürlich, dass es am Ende doch noch möglich war, dass ich meinen Sohn wie alle anderen Eltern auch zum Gate begleiten und dort verabschieden konnte, doch muss ich zugeben, dass ich diese regelmäßigen Diskussionen leid bin, denn diese sind gerade auch für meinen Sohn immer sehr belastend. Vor allem stelle ich mir vor, wie es denjenigen ergeht, die nicht so durchsetzungsfähig sind, wie ich. Deshalb ist es meines Erachtens in Zeiten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und diverser Nichtdiskriminierungsregelungen an der Zeit, dass die Airlines, die Fraport und der Bundesgrenzschutz endlich eine einheitliche und kalkulierbare Regelung schaffen, durch die sichergestellt wird, dass behinderte Eltern ihre Assistenz mit ans Gate zur Verabschiedung ihrer alleinreisenden Kinder nehmen können", fordert Ottmar Miles-Paul. "Denn ich glaube, dass die doch sehr überschaubare Gruppe von behinderten Eltern, die ihre Kinder ans Gate begleiten und dafür Assistenz benötigen, nicht gerade zum höchsten Sicherheitsrisiko an deutschen Flughäfen gehören, so dass sich da wohl eine Regelung finden lassen müsste." moh
 

  Follow @kobinetev
Empfehlen Sie diese Seite Ihren Freunden bei Facebook
nächste Nachricht >>
Leserbrief schreiben
Artikel versenden

Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Kay Macquarrie schrieb am 22.07.2008, 18:42

Durchsetzungsstelle für Beschwerden benannt

In einer E-Mail vom 22.7.2008 benennt die Beauftragte für Menschen mit Behinderungen Karin Evers-Meyer eine sogenannte Durchsetzungsstelle:

"Dies ist in Deutschland das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig. Sollten sie Verstöße gegen die EU-Verordnung Nr. 1107 registrieren, können Sie sich demnach auch an das Luftfahrtbundesamt wenden."

für weitere Informationen siehe www.rechtaufklo.de/?page_id=73

Stefan Krusche schrieb am 21.07.2008, 09:37

EU Flugrichtlinie

Lieber Ottmar,

ich würde Dir raten, Dich auf der Grundlage der EU-Richtlinie 1107/2006, die nur dazu da ist, behinderten Flugreisenden den diskriminierungsfreien Zugang zum kompletten europäischen Flugverkehr zu ermöglichen, beim Bundesverkehrsministerium zu beschweren. Auch wenn die Beschwerdestelle offenbar noch nicht eingerichtet sein sollte, hast Du das Recht, die Verletzung Deiner Rechte als Passagier anzuzeigen. Es ist wichtig, davon Gebrauch zu machen, um der Richtlinie Beachtung zu verschaffen.

Liebe Grüße
Stefan

Wasilios Katsioulis schrieb am 20.07.2008, 00:09

Lufthansa

nach der Flugverweigerung meines an Autismus leidenden Sohnes im Dezember letzten Jahres wundert mich im Bereich der Diskriminierung im Flugbetrieb nichts mehr.

Das Problem ist, dass Deutschland noch immer keine Aufsichtsstelle benannt hat, die am 28. Juli 2008 für die Richtlinie 1106/2006/EG verantwortlich ist. Dies wurde mir letzte Woche aus Brüssel bekanntgegeben.

Wäre diese Stelle schon aktiv würde es voraussichtlich mit den von vielen Behinderten erlebten Diskriminierungen ein baldiges Ende nehmen, vorausgesetzt die Stelle nimmt ihre Aufgabe auch ernst.

Es wäre wünschenswert wenn ein MdB einmal bei der BReg anfragt, wer diese Aufsicht denn nun übernimmt in 10 Tagen??

Petra Gross schrieb am 19.07.2008, 12:02

immer das Gleiche?

Hallo,

Ich finde es wichtig das der Vater von Robin den Sohn selber weg birgen will aber es kann
nicht sein das die Leute immer Stress machen auf dem Flughafen.

Ich selber brauche auch hilfe darum finde ich es wichtig das was gemacht wird am Flughafen.

Petra Groß
Mensch Mit Lernschwirigkeiten arbeite bei Mensch Zuerst

© Kooperation Behinderter im Internet e.V.
Alle Rechte vorbehalten

Seite drucken
Zur Online Version