
Hannover (kobinet) In Niedersachsen sollen die Bürger noch vor Einführung bundeseinheitlicher Kriterien von einem freiwilligen Transparenzverfahren für Pflegeheime profitieren.
"Wir wollen pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen mehr Orientierung bei der Auswahl und Beurteilung von stationären Pflegeeinrichtungen und ihrer Qualität geben", sagte die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann. "Dazu haben wir uns jetzt gemeinsam mit Experten des Niedersächsischen Pflegeforums auf ein Eckpunktepapier verständigt, das unter anderem einheitliche Kriterien zur Bewertung der Pflegequalität, der Ausstattung und der Wohn- und Lebensqualität der Heime enthält. Auf einem eigenen Internetportal sollen noch in diesem Jahr leicht verständliche und vergleichbare Maßstäbe zu den Pflegeheimen angeboten werden", erläuterte Ross-Luttmann.
Die niedersächsische Transparenzinitiative basiert auf einer freiwilligen Vereinbarung zwischen den kommunalen Spitzenverbänden, Verbänden der stationären Pflegeeinrichtungen und den Verbänden der gesetzlichen Pflegekassen unter Beteiligung des Niedersächsischen Sozialministeriums. Ministerin Mechthild Ross-Luttmann hatte die Initiative ins Leben gerufen.
Beurteilungskriterien sind die Pflegequalität, die Ausstattung und die Wohn- und Lebensqualität der teilnehmenden Heime. Hierfür werden Ergebnisse der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, der Heimaufsicht und Befragungen der Bewohnerinnen und Bewohner nach dem Standard der Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung e.V. (BIVA) zugrunde gelegt. Dabei geht es beispielsweise um Fragen, ob die Pflege überwiegend vom gleichen Personal erbracht wird, die Einrichtung sauber wirkt, das Speiseangebot ausgewogen ist, es Beschäftigungsangebote gibt. Ferner geht es um das Angebot an Einzel- und Doppelzimmern, die Ausstattung der Räume, die Lage und Verkehrsanbindung und heimeigene Einrichtungen wie Bibliothek, Schwimmbad, abgegrenzte Wohngruppen, Garten oder einen Kiosk.
Im Mittelpunkt der BIVA - Befragungen stehen Inhalte wie das Recht auf selbstbestimmtes Leben, ob Hilfe zur Selbsthilfe gewährt wird, die Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben und den Schutz der Privatsphäre. "Ich hoffe, dass sich viele Heimträger freiwillig beteiligen werden und bin optimistisch, dass wir mit unserer Initiative bei Pflegeeinrichtungen und den Menschen im Lande auf großes Interesse stoßen. Wir werden bereits im Januar 2010 prüfen, ob unser Transparenzverfahren sich bewährt hat", sagte Sozialministerin Ross-Luttmann. Die Umsetzung der Transparenzinitiative soll kurzfristig beginnen. Heimträger werden bereits innerhalb der nächsten Wochen entscheiden können, ob sie teilnehmen möchten oder nicht. moh