
Enkenbach-Alsenborn (kobinet) Der Blinden- und Sehbehindertenverband Pfalz hatte am Sonntag zu einem Aktionstag "Autofahren für blinde und sehbehinderte Menschen" auf das Gelände der Bereitschaftspolizei in Enkenbach-Alsenborn bei Kaiserslautern eingeladen und sorgte damit für viel Spaß und einen Perspektivenwechsel am Steuer verschiedener Fahrzeuge.
Auch wenn Anja Geißler etwas nervös war, als sie sich ans Steuer setzte, freute sich die blinde Landtagsstenografin riesig auf die Fahrt mit dem Auto. Denn dieses Mal saß sie nicht nur auf dem Beifahrersitz, sondern direkt am Steuer. Mittels der präzisen Einweisungen einer Fahrlehrerin vom Fahrlehrerverband der Pfalz, die sich ehrenamtlich an der Aktion mit einem Wagen ihrer Fahrschule beteiligt hatte, konnte es recht schnell auf den 2 km langen Kurs losgehen. Kupplung fest durchdrücken, den Gang einlegen, den Schlüssel umdrehen und langsam die Kupplung etwas loslassen, nun den Wagen vom Seitenstreifen auf die Straße steuern und los gehts, von der Kupplung runter und Gas geben. Für Anja Geißler ging dies bei ihrer ersten Fahrt fast problemlos und so auch für die gut 80 anderen blinden und sehbehinderten Menschen, die ihren Spaß an dieser Aktion hatten. Neben 8 Autos standen auch ein Lkw zur Verfügung, der ebenfalls gefahren werden konnte. Zudem konnte man in der Hebebühne eines Feuerwehrautos in die Luft schweben oder sich mal hinter das Steuer setzen.
In seiner Begrüßungsrede machte der Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Pfalz, Wilhelm Lickteig auf den tollen Prozess der Aktion deutlich und bedankte sich für die breite Unterstützung, die von der Schirmherrschaft des Landrates des Kreises Kaiserslautern, Rolf Künne, über die spontane und engagierte Unterstüzung des Fahrlehrerverbandes, bis zur Förderung durch die Kreissparkasse, der Bereitschaftspolizei und das Engagement der Freiwilligen Feuerwehr reichte. Mit dem rheinland-pfälzischen Landesbehindertenbeauftragten war sogar Besuch aus Mainz gekommen. Für den selbst sehbehinderten Landesbehindertenbeauftragten Ottmar Miles-Paul blieb es aber nicht nur beim Sprechen des Grußwortes, er setzte sich nämlich auch selbst hinters Steuer und drehte einmal den Spieß um, in dem er seinen Fahrer, der ihn sonst immer fährt, dieses Mal chauffierte. "Mit dieser Aktion geht es nicht nur darum, etwas Spaß zu haben, es geht auch darum, dass blinde und sehbehinderte Menschen eine Chance haben, ein Gefühl dafür zu bekommen, was es heißt, ein Auto zu steuern. Für die FahrlehrerInnen bietet dies darüber hinaus auch die Gelegenheit mehr Bewußtsein über das Mobilitätsverhalten blinder und sehbehinderter Menschen im Straßenverkehr zu bekommen und dies an die Fahrschüler weitergeben zu können", so Miles-Paul.
Für Anja Geißler und die vielen anderen TeilnehmerInnen war dieser Tag auf jeden Fall eine gelungene Aktion, die nach Wiederholung ruft. moh