
Von kobinet-Korrespondent Keyvan Dahesch
München (kobinet) Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen brauchen nach Ansicht der bayerischen Sozialstaatssekretärin Melanie Huml geschützte Räume. Die christsoziale Politikerin besuchte das Sommerfest des Integrationszentrums für Cerebralparesen (ICP) in München, das ein ganzheitliches Konzept für rund 350 Kinder bietet.
Der Staatsregierung sei der besondere Bedarf der Förderung, Betreuung und Therapie bewusst. Daher unterstütze der Freistaat die gesellschaftliche Integration dieser Kinder, so Huml. "Wir wollen Kindern und Jugendlichen mit Behinderung und chronischer Erkrankung die gleichen Rechte auf Teilhabe, Erziehung und Unterricht, Förderung, Ausbildung und Beschäftigung sichern, wie ihren nicht behinderten Altersgenossen", sagte Melanie Huml beim Sommerfest des Integrationszentrums.
Am ICP erhalten rund 350 Kinder und Jugendliche ein vielseitiges Betreuungsangebot - von der integrativen Kinderkrippe über Förderschule, Tagesstätte und Wohnheim bis zur Ausbildung im Berufsbildungswerk - mit dem Ziel, ihnen bestmögliche Entwicklungschancen zu geben. Schulisches Lernen, heilpädagogische Betreuung und therapeutische Förderung greifen ineinander und bilden ein individuell zugeschnittenes, ganzheitliches Konzept.
Huml: "Entscheidend für die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung ist die frühe Förderung. Für Kinder, die behindert oder von Behinderung bedroht, entwicklungsverzögert oder verhaltensauffällig sind,
steht in Bayern ein flächendeckendes Netz von 80 allgemeinen Frühförderstellen und 34 speziellen Frühförderstellen für sinnesgeschädigte Kinder mit zahlreichen Außenstellen zur Verfügung. Das Angebot der
Frühförderstellen wird in Bayern durch 12 Sozialpädiatrische Zentren ergänzt. Ab dem Schulalter stehen diesen Kindern in Bayern 200 Heilpädagogische Tagesstätten mit rund 15.000 Plätzen zur Verfügung, die
eine qualifizierte Ganztagesbetreuung sichern."
Eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe junger Menschen mit Behinderung am Leben in der Gemeinschaft und für mehr Chancengleichheit ist nach den Worten der Staatssekretärin ein gelungener beruflicher Einstieg. "Die Teilhabe am Arbeitsleben ist der Schlüssel für die gesellschaftliche Integration Heranwachsender. An der Nahtstelle beim Übergang von der Förderschule in den Beruf würden die Weichen gestellt: "Eine möglichst gute berufliche Qualifikation ist gerade für junge Menschen mit Behinderung eine wesentliche Voraussetzung für eine dauerhafte Eingliederung ins Erwerbsleben", betonte Huml. Das Berufsbildungswerk des ICP München biete dafür eine gute Basis und nehme als Einrichtung mit bundesweitem Einzugsbereich einen festen Platz im System der beruflichen Rehabilitation ein. sch
Rosmarie Fischer schrieb am 30.07.2008, 13:13
Ich kann Frau Heinemann und Frau Rosenberger nur zustimmen.
Integration und Inklusion muß unabhängig von Art und Schwere der Behinderung stattfinden und egal, ob jemand arbeiten kann oder zu denen gehört, die keine "restverwertbare Arbeit" mehr leisten können.
Katja Heinemann schrieb am 30.07.2008, 09:42
Und doch wird hier wieder geteilt, eingeteilt, sortiert. Von Inklusion keine Spur. Das INTEGRATIONSZENTRUM (meint hier wohl eher: Segregationszentrum) bietet "ein vielseitiges Betreuungsangebot - von der integrativen Kinderkrippe über Förderschule, Tagesstätte und Wohnheim bis zur Ausbildung im Berufsbildungswerk - mit dem Ziel, ihnen bestmögliche Entwicklungschancen zu geben."
Wollen wir da wieder hin? Zur Inselgesellschaft? Wohnen, Arbeiten, Leben an einem Ort unter ihresgleichen??? Was für Entwicklungschancen, wenn ich ein selbstbestimmtes Leben in der Gemeinde/Stadtteil meiner Wahl nicht führen kann, im Berufsbildungswerk in künstlich geschaffenen "Labors" den wirklichen Arbeitsmarkt nicht kennen lernen kann, wenn ich schon in der Schule ausgesondert werde?...wenn solche "Zentren" neu gebaut werden, sind wir noch lange nicht so weit mit der UN-Konvention.....
Inge Rosenberger schrieb am 30.07.2008, 08:51
350 Kinder mit Behinderung erhalten in einem "Integrationszentrum" eine ganzheitliche Betreuung.
Wie soll Integration in diesen "geschützten Räumen" möglich sein?
Das Zitat von Frau Huml: "Eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe junger Menschen mit Behinderung am Leben in der Gemeinschaft und für mehr Chancengleichheit ist nach den Worten der Staatssekretärin ein gelungener beruflicher Einstieg." zeigt eindeutig die derzeitige Linie der Sozialhilfeträger auf: Menschen, die keine "restverwertbare Arbeitsleistung" erbringen können und als "nicht-werkstattfähig" definiert werden, bleiben bei der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft unberücksichtigt.
Aber zum Glück gibt es ja auch Wohnpflegeheime, die "Versorgungszentren für die am schwersten Betroffenen" darstellen....