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01.08.2008 - 00:59

Für Unterschriften radele ich meilenweit.

Leinefelde (kobinet) Der Geschäftsführer von Mensch zuerst, dem Netzwerk von Menschen mit Lernschwierigkeiten, Stefan Göthling, hat nicht nur die Liebe zum Radeln mit seinem auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Liegerad entdeckt. Mit dem äußerst auffälligen Fahrzeug will er nun für jede Unterschrift zur Abschaffung des Begriffes "geistig behindert" einen Kilometer weit fahren. Dies teilte der unermütliche Kämpfer für einen würdigeren Umgang mit Menschen, die herkömmlich als "geistig behindert" bezeichnet werden, den kobinet-nachrichten mit.

"Worte können verletzen" hat Stefan Göthling vor kurzem auf der Internetseite von Mensch zuerst geschrieben und dafür gute Beispiele angeführt. Die Verwendung des Begriffes "geistig behindert" ist ein solcher Begriff, den Stefan Göthling und viele andere Menschen, die als solche bezeichnet werden, mittlerweile ablehnen. "Es gibt den Begriff 'Geistige Behinderung'. Ich finde das sehr abwertend. Ich finde, das macht uns schlecht. Ich möchte nicht 'Geistig Behinderter' genannt werden. Ich bin ein Mensch mit Lernschwierigkeiten. Vor 50 Jahren war der Begriff 'Geistig Behindert' neu und gut. Davor nannte man uns zum Beispiel Schwachsinnige. Aber jetzt ist das anders. Es wäre schön, wenn die Lebenshilfe ihren 50-sten Geburtstag dafür nutzt, einmal über diese Begriffe nachzudenken. Wir sehen uns nicht als Geistigbehinderte. Wir sind Menschen mit Lernschwierigkeiten. Ich finde es diskriminierend, wenn ich als 'Geistig Behinderter' gesehen werde", schrieb Stefan Göthling.

Nachdem mittlerweile über 1.100 Menschen den Aufruf für eine Begriffsänderung von Mensch zuerst unterschrieben haben und das Thema mittlerweile auf den unterschiedlichsten Ebenen diskutiert wird, hat sich Stefan Göthling nun etwas besonderes ausgedacht. "Ich habe mir vorgenommen, für jede weitere Unterschrift für unser Anliegen einen Kilometer zu radeln. Das fördert nicht nur meine Gesundheit, ich habe nämlich festgestellt, dass ich mit meinem Liegerad total auffalle und sich viele Gespräche mit Menschen ergeben. Also jedes Mal wenn ich unterwegs bin, bin ich auch ein klein bisschen Botschafter dafür, dass es normal ist, verschieden zu sein", so Stefan Göthling. Und wenn er damit die eine oder andere Unterschrift mehr rauskitzeln könne, lohne sich die Aktion allemal. "Das Sammeln von Unterschriften ist zuweilen ebenso mühsam, wie einen Berg mit dem Rad zu erklimmen oder durch lange Täler zu radeln", so Stefan Göthling. "Deshalb möchte ich diese Aktion auf diese Weise unterstützen. Ich radle also meilenweit für Unterschriften." moh

Link zur Unterschriftensammlung
 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Luis Zubizarreta schrieb am 01.08.2008, 12:44

GUTE IDEE!

Ihre Idee finde ich gut!
Lieber Stefan ,ich erlaube mir,Ihnen die Richtung Ihrer Radfahrt vorzuschlagen:Fahren Sie bis Marburg und versuchen Sie dort die "UNBEWEGLICHEN IM GEISTE "der LEBENSHILFE -D-von Antretter bis Niehoff in Bewegung zu bringen!
Ich habe lange Zeit versucht und erfahren,dass es ihnen nicht leid tut ,wenn betroffene Mitmenschen die diskriminierende Bezeichnung als verletzend empfinden

Luis Zubizarreta,Schulleiter i.R.

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