
Leinefelde (kobinet) Die Diskussion um eine Alternative zum Begriff "geistig behindert" läuft in Deutschland mittlerweile auf Hochtouren. Dieses Thema soll nun auch während des Sommercamps für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen in Form eines Kamingespräches aufgenommen werden. Betroffene sollen dabei gefragt werden, was sie vom bisherigen Begriff "geistig behindert" halten und welche Alternativen sie vorschlagen.
"Ich freue mich, dass die Diskussion um den Begriff 'geistig behindert', den wir von Mensch zuerst ablehnen, weil wir ihn als diskriminierend empfinden, solche Wellen schlägt. Deshalb habe ich mit dem Landesbehindertenbeauftragten von Rheinland-Pfalz, Ottmar Miles-Paul, besprochen, dass wir dazu während des Sommercamps ein Kamingespräch mit Betroffenen durchführen", erklärte Stefan Göthling, Geschäftsführer von Mensch zuerst, dem Netzwerk von Menschen mit Lernschwierigkeiten.
"Ich weiß, dass der Begriff 'Menschen mit Lernschwierigkeiten', den wir statt 'geistig behindert' nutzen, noch nicht perfekt ist. Deshalb wollen wir während des Kamingesprächs vor allem auch Ideen für einen besseren Begriff sammeln. Eines ist für uns auf jeden Fall klar, bei 'geistig behindert' darf es nicht bleiben. Dass eine Veränderung möglich ist zeigen uns Beispiele aus anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich. Dort verzichtet die Lebenshilfe darauf, diesen Begriff weiter zu verwenden", so Stefan Göthling.
Da eine größtmögliche Beteiligung an diesem Kamingespräch und an der Diskussion gewünscht ist, können sich auch Menschen, die nicht am Sommercamp teilnehmen können, in die Diskussion einmischen. Mittels von Leserbriefen, die untenstehend eingegeben werden können, können möglichst kurze Stellungnahmen zu diesem Thema und Ideen für neue Begriffe eingegeben werden. Diese werden dann in die Diskussion in Duderstadt eingebracht. moh
Luis Zubizarreta schrieb am 03.08.2008, 19:13
Mit den besten Wünschen möchte ich schreiben,dass es wichtig ist allen klar zu machen,dass "Geistigbehindert"falsch,diskriminiernd,und verletzend ist auch dann wenn wir keine Alternative finden.Ich denke ,jeder von uns hat einen NAMEN!Mitmenschen mit Behinderungen wäre auch genug.
Ich habe als Lehrer und Schulleiter sehr lange Mitmenschen als "geistigbehindert"bezeichnet,bis eine Schülerin mir die Augen auf machte.Deswegen setzte ich mich seit 13 Jahren gegen diese Bezeichnung ein.
September 2003 beim Kongress der LEBENSHILFE in Dortmund wurde diese Bezeichnung als diskriminiernd empfunden und fast alle Teinehmer haben für die Abschaffung abgestimmt.Der Beitrag eines Betroffenen der Arbeitsgruppe hat mich sehr bestärkt:
"Ich bin nicht GEISTIGBEHINDERT! .Das sagt IHR über uns. Wie lange noch. Wir wollen nicht lange warten"!
LEIDER SCHON!!!
Die Lebenshilfe Österreich hat am 13.01.2006 diesen Beinamen
abgeschafft.ES GEHT DOCH ,wenn MITMENSCHEN ernst nimmt.
Euch allen viel ERFOLG!
Luis Zubizarreta,Schulleiter i.R.
Norbert Voigt schrieb am 03.08.2008, 10:54
Guten Morgen Herr Göthling, guten morgen Zusammen,
schön, wenn nach einen Alternative Wort gesucht wird. Ich selber habe einen Lernbehinderung. Habe in unsere WfbM mich für Verwaltungsarbeit eingearbeitet. Ich habe keine Ausbildung. Auch mehrer Kolleginnen und Kollegen haben keine Ausbildung, haben jedoch sich in ihrer Aufgabe anlernen lassen, wie z. B. in der Landschaftspflege, Schreinerei, Metallverarbeitung, Verpackung, Elektro, Wäscherei und einiges mehr.
Ich würde vorschlagen: "Mensch mit unterschiedliche Fähigkeiten".
Wir sind ja nicht blöd. Wir können lernen, wenn Lehrer und Personen mit uns Geduld Zeit haben.
Ich hoffe, dass viele Betroffene sich an den Kamingespräch beteiligen, damit eine Alternative Wort für uns gefunden wird.
Alle Lesern einen schönen Sonntag und viele Grüße