
Berlin (kobinet) Die Volkssolidarität wandte sich heute entschieden gegen Tendenzen zur Entsolidarisierung bei Gesundheitsleistungen. Die Organisation reagierte auf eine am selben Tag veröffentlichte Mitteilung des Statistischen Bundesamtes, dass 47 Prozent aller Gesundheitskosten bei der älteren Bevölkerung ab 65 Jahren entstehen. "Gerade in einer älter werdenden Gesellschaft brauchen wir mehr Solidarität im System und keine weitere Individualisierung bei der Absicherung von Krankheitsrisiken. Dass ältere Menschen höhere Gesundheitskosten haben, ist nicht neu und wurde bisher durch eine weitgehend paritätische Teilung der Lasten auf solidarische Weise gut bewältigt", erklärte der Bundesgeschäftsführer der Volkssolidarität, Dr. Bernd Niederland.
"Wir verstehen ein solidarisches Gesundheitssystem nicht als ein Rechenspiel, bei dem Kosten und Belastungen zwischen den Generationen aufgerechnet werden", so Niederland. Falsch wäre es, daraus abzuleiten, dass hohe Gesundheitskosten älterer Menschen früher oder später zu einer Rationierung von Leistungen führen müssen. Richtig wäre es stattdessen, die Potenziale der gesundheitlichen Prävention noch besser auszuschöpfen und die im Gesetz vorgesehene geriatrische Rehabilitation auch im realen Leben umzusetzen
Niederland kritisierte die Entsolidarisierung bei gesundheitlichen Leistungen: "Der 2005 eingeführte Sonderbeitrag von 0,9 Prozent, die Ausgliederung von Leistungen, Praxisgebühr und Zuzahlungen tragen dazu bei, nach und nach den Versicherten mehr aufzubürden und die Arbeitgeberseite immer mehr zu entlasten. Gleichzeitig rührt niemand an der unsolidarischen Spaltung in gesetzliche und private Krankenversicherung."
Nach Ansicht des Bundesgeschäftsführers stelle die Einführung des Gesundheitsfonds zum 1. Januar 2009 die "direkte Fortsetzung dieses falschen Weges" dar. Für viele Versicherte werde nicht nur wie bereits angekündigt die Beitragsbelastung steigen, sondern früher oder später auch ein Zusatzbeitrag fällig. Zugleich gebe es keine Gewähr dafür, dass der Kostenwettbewerb der Kassen nicht zu einer Verschlechterung der Gesundheitsleistungen führe. Während zum Beispiel gesunde Jüngere mit guten Verdiensten umworben würden, hätten vor allem chronisch Kranke und Ältere das Nachsehen. sch
Inge Rosenberger schrieb am 07.08.2008, 15:20
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht eine Statistik, die durch die Blume besagen soll, dass ältere Menschen Schuld an den hohen Beiträgen der Krankenkassen seien, da sie die meisten Kosten im Gesundheitswesen verursachen. Dass ältere Menschen häufig mehr medizinische Unterstützung benötigen, ist längst bekannt und eigentlich auch eine völlig logische Tatsache.
Das Entsetzen wäre doch wesentlich höher, wenn Kinder und Jugendliche ein so hohes Krankheitsrisiko hätten.
Gleichzeit impliziert diese Statistik jedoch, dass jeder Mitbürger ebenfalls Schuld auf sich lädt, wenn er keine private Vorsorge trifft.
Seit Jahren werden die finanziellen Mittel an der Basis der Gesundheitspolitik immer weiter verknappt. Seit Jahren arbeiten auch Lobbyisten in den Ministerien an Gesetzen (z. B. Gesundheitsreform) mit, und seit Jahren reden Politiker von Eigenverantwortung durch private Vorsorge. Etliche Abgeordnete des Bundestages (auch des Gesundheitsausschusses) üben - neben ihrem Mandat - entgeltliche Tätigkeiten für diverse Krankenkassen, Versicherungen oder Kliniken aus.
So lange es diese Verflechtungen gibt, wird sich an dem kranken System nichts ändern.