
Frankfurt am Main (kobinet) "Wer nicht ausgrenzt, muss nicht eingliedern", unter diesem Motto hat der blinde Journalist Keyvan Dahesch vor kurzem einen Beitrag im tagesspiegel veröffentlicht. Darin plädiert er für eine inklusive Bildung von Anfang an und für eine korrekte Übersetzung der UN-Konvention.
"'Schau' nicht hin", sagten Eltern bis in die 70er Jahre zu ihrem Kind, wenn auf der Straße ein Mensch mit sichtbaren Behinderungen vorbeiging. Gelähmte, Blinde oder Kleinwüchsige galten nicht als Menschen, sondern als minderwertige Wesen ohne Würde. Wer damals ein gemeinsames Aufwachsen von Kindern mit und ohne Behinderungen in Kindergarten und Schule vorgeschlagen hätte, wäre als naiv und weltfremd ausgelacht worden", so beschreibt Keyvan Dahesch im tagesspiegel die Situation vor gut 40 Jahren in der Bundesrepublik. Darauf aufbauend plädiert er dann für eine inklusive Bildung und für eine korrekte Übersetzung der Begriffe Inklusion und Independent Living. moh
Link zum Beitrag von Keyvan Dahesch im tagesspiegel
Inge Rosenberger schrieb am 21.08.2008, 11:05
Ihr Satz "Vielleicht sollten wir uns aber auch selbst fragen, ob wir nicht auch immer wieder in solche Fallen tappen." ist mit Sicherheit für fast alle Menschen zutreffend. Deshalb möchte ich Ihre Aufforderung zur Sensibilisierung unserer Mitmenschen und uns selbst(!) unterstützen.
Gerhard Schmitz schrieb am 18.08.2008, 23:38
Leider ist es wohl doch so auch jetzt noch, dass gesellschaftliche Denkweisen auch bei uns noch immer auf fruchtbaren Boden fallen. Anders lässt sich der bereits durch andere kritisierte Satz nicht erklären. Vielleicht sollten wir uns aber auch selbst fragen, ob wir nicht auch immer wieder in solche Fallen tappen. Es gibt im Alltag genug Beispiele dafür. Als kommunaler Beauftragter für Menschen mit Behinderung, der u. a. auch eine Sprachbehinderung hat, erlebe ich das täglich. Aber ich will niemanden dafür kritisieren, sondern nur darauf aufmerksam machen bzw. dafür sensibilisieren. Wir haben manchmal auch ähnliche Schwierigkeiten wie nicht behinderte Menschen, wenn es um Inklusion geht. Dies ist gesellschaftlich begründet.
Inge Rosenberger schrieb am 17.08.2008, 19:42
Menschen, die keine "restverwertbare Arbeitsleistung" erbringen können und als "nicht-werkstattfähig" definiert werden, bleiben nach wie vor bei Inklusion und Integration unberücksichtigt.
Der Kosten-Nutzen-Faktor ist und bleibt die Messlatte ...
Franz Schmahl schrieb am 17.08.2008, 18:39
In einem Artikel für Neues Deutschland schrieben Ilja Seifert und Antje Asmus, studentische Mitarbeiterin in seinem Abgeordnetenbüro, am 8. August:
Ein »integratives« Schulsystem kann im Gegensatz zum »inklusiven« Ansatz die Existenz von acht verschiedenen Sonderschulen weiterhin rechtfertigen. Die Verteidiger dieses Systems argumentieren, dass die Verschiedenheit nur durch diese Struktur »angemessen berücksichtigt« und die Betroffenen nur so die »bestmögliche Förderung« erfahren könnten. Gerade das ist aber nicht der Fall, im Gegenteil: Indem es Lernende mit Behinderungen ausschließt, in Sonderschulen aussondert und nicht in das allgemeine Schulsystem inkludiert, schadet es ihnen – und auch den nicht-behinderten Kindern – womöglich mehr, als dass es sie fördert.
Wir brauchen eine Schule, die jeden Lernenden individuell fördert, eine Schule für alle. Lernende mit Behinderungen oder mit besonders großen Lernschwierigkeiten sollen dabei nicht einfach »dazugesetzt werden«. Nein! Kreativität ist gefragt. Es geht darum, allen Schülerinnen und Schülern professionelle, individuell auf sie abgestimmte Unterstützung zukommen zu lassen. Das betrifft sowohl die pädagogische Ausrichtung als auch die Lernziele als auch die personalen und baulichen Bedingungen. Barrierefreiheit im umfassenden Sinne also. Tägliches Sich-Begegnen von Menschen mit und ohne Behinderungen fördert diskriminierungsfreies Denken und Handeln.
www.neues-deutschland.de/artikel/133432.weder-dumm-noch-lernunfaehig.html
A. Heinker schrieb am 17.08.2008, 11:12
Hallo,
ich schließe mich Frau Rosenbergers Worten aus ihrem Leserbrief voll an. Es darf nicht sein, dass auf diese Weise, wie Herr Dahesh schreibt, eine "Elite" von Menschen mit Behindeurng geschaffen wird (die es im Grunde genommen leider schon gibt, zwischen denen, die draußen wohnen und denen, die in Anstalten leben).
A. Heinker.
Inge Rosenberger schrieb am 16.08.2008, 19:53
Bedauerlich finde ich den Satz von Herrn Dahesch: "Eine Förderschule ist nur noch bei Menschen mit mehrfachen Handicaps angebracht."
Das ist wieder eine Ausgrenzung von Menschen! Es sollte doch möglich sein, _alle_ Kinder mit und ohne Behinderung in _einem_ Gebäude unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse zu unterrichten.
Bitte keine Teil-Inklusion und keine Teil-Integration. Das ist nicht Sinn der UN-Konvention