
Mainz/Jena (kobinet) kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Dr. Michael Spörke über sein neu erschienenes Buch "Behindertenpolitik im aktivierenden Staat: Eine Untersuchung über die wechselseitigen Beziehungen zwischen Behindertenverbänden und Staat". Dr. Michael Spörke arbeitet als Referent bei der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) und ist Lehrbeauftragter an der Universität Kassel.
kobinet-nachrichten: Was war der Ansatz für ihr Buch?
Dr. Michael Spörke: Ich habe Politikwissenschaften studiert und beschäftige mich vor allem mit der Thematik des Einfluss von Interessengruppen auf politische Prozesse. Hier gibt es eine Reihe von Falluntersuchungen bestimmter Gruppen wie Gewerkschaften, Arbeitgeber, Frauenbewegung, Arbeitslosenbewegung und vieles mehr. Bisher fehlte aber eine Abhandlung über die Einflussmechanismen im Politikfeld Behindertenpolitik. Diese Lücke wollte ich mit meinem Buch schließen.
kobinet-nachrichten: Der Titel des Buches bezieht sich auf das Modell des aktivierenden Staates. Was ist darunter zu verstehen?
Dr. Michael Spörke: Nach dem Modell des aktivierenden Staates ist der Staat weniger Entscheider und Produzent als vielmehr Moderator und Aktivator der gesellschaftlichen Entwicklungen, die er nicht allein bestimmen kann und soll. Aktivierender Staat bedeutet dabei, die Selbstregulierungspotentiale der Gesellschaft zu fördern und ihnen den notwendigen Freiraum zu schaffen. Im Vordergrund soll dabei das Zusammenwirken staatlicher, halbstaatlicher und privater Akteure zum Erreichen gemeinsamer Ziele stehen. Eine Facette des Konzeptes des aktivierenden Staates unter der Rot-Grünen Bundesregierung war, so meine These, der eingeleitete Paradigmenwechsel in der bundesdeutschen Behindertenpolitik. Gesetze wie das Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) und das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) sind Ergebnis eines Denkwechsels weg von der oft falsch verstandenen "Fürsorge" und Ausgrenzung, hin zur Stärkung der Selbstbestimmung und zur Gleichstellung behinderter Menschen.
kobinet-nachrichten: Wie äußert sich dieses aktivierende Prinzip in der Behindertenpolitik?
Dr. Michael Spörke: Neben den erwähnten gesetzlichen Inhalten auch und insbesondere in einer völlig neuen Qualität der Beteiligung behinderter Menschen an politischen Prozessen. Nie zuvor gab es eine solch intensive und konsequente Beteiligung behinderter Menschen und ihrer Verbände an Gesetzgebungsverfahren des Bundes. Dabei lässt sich, ähnlich wie in anderen Politikbereichen, auch in der Behindertenpolitik ein Erstarken der Bedeutung der Ministerialbürokratie erkennen. Wir haben es mit einem Netzwerk politischer Beteiligung zu tun, in dem die Verbände, der bzw. die Bundesbehindertenbeauftragte, die Ministerialbürokratie, das Parlament und die Bundesregierung auf verschiedene Art und Weise intensiv miteinander agieren.
kobinet-nachrichten: Wo kann man Ihr Buch beziehen und gibt es die Möglichkeit mit Ihnen persönlich zu den Thesen Ihres Buches zu diskutieren?
Dr. Michael Spörke: Also das Buch ist im Buchhandel und im Internet bei den üblichen Händlern zu beziehen oder aber direkt beim Verlag über: kassel university press GmbH Tel. +49 (0)561 804-2144 , Fax +49 (0)561 804-3429. Ich bin auch gerne bereit, wenn Interesse besteht, vor Ort in Behindertenorganisationen und -verbänden und bei anderen interessierten Gruppen über dieses Thema zu referieren und zu diskutieren. Kontakt: Dr. Michael Spörke, E-Mail: mspoerke@isl-ev.de omp