
Koblenz (kobinet) Vor kurzem fand in Koblenz ein Gespräch von blinden und sehbehinderten Menschen mit Servicemitarbeitern der Deutschen Bahn AG über den Umgang und die bisherigen Erfahrungen mit mobilitätseingeschränkten Reisenden statt. Anja Geissler hat daran als Vertreterin des rheinland-pfälzischen Landesblinden- und Sehbehindertenverbandes (LBSV) teilgenommen. Hier die wichtigsten Punkte, die sich nach Ansicht von Anja Geissler aus diesem Gespräch für blinde und sehbehinderte BahnkundInnen ergeben haben:
1. Die Mobilitätszentrale als Koordinationsstelle zur Anmeldung für den Hilfebedarf von mobilitätseingeschränkten Reisenden hat sich sehr gut bewährt. Die Servicemitarbeiter haben darum gebeten, dass Hilfen am Bahnsteig oder Umsteigehilfen allerdings frühzeitig angemeldet werden sollen, damit das ohnehin sehr knappe Personal möglichst effizient koordiniert und eingesetzt werden kann. (Anmerkung meinerseits: Selbstverständlich kann auch flexibel am Tag der Reise selbst noch Hilfe angemeldet werden; allerdings muß man in diesen Fällen damit rechnen, daß das Servicepersonal die Hilfeleistung ablehnen muß, da Aufträge von der Mobilitätszentrale vorrangig behandelt werden.)
2. Eine Servicemitarbeiterin hat angemerkt, daß es mitunter schwierig sei, Personen, die ihren Hilfebedarf angemeldet haben, zu finden, wenn sie sich nicht entsprechend kennzeichnen oder sich in einem anderen Wagen befinden als dem, der über die Mobi-Zentrale gebucht wurde. Die Servicemitarbeiter haben darauf aufmerksam gemacht, daß es selbstverständlich wichtig
ist, den Blindenlangstock oder sonstige Kennzeichnungen deutlich sichtbar zu tragen, damit die Mitarbeiter auch bei überfüllten Bahnsteigen die hilfebedürftige Person schnell auffinden können.
3. Ich habe das Problem angesprochen, daß insbesondere an kleineren Bahnhöfen oftmals kein Servicepersonal mehr vorgehalten wird. Die Servicemitarbeiter haben mir dies bestätigt und darauf verwiesen, daß an manchen Orten auch Hilfspersonal der Bahnhofsmisionen oder des DRK diese Aufgaben wahrnimmt. Leider konnten wir für dieses Problem keine abschließende Lösung finden; allerdings wäre es zur Erfassung von statistischen Meßzahlen sehr wichtig, wenn ein Hilfebedarf immer über die Mobilitätszentrale angemeldet würde und nicht lediglich über den Servicepoint vor Ort oder über die Bahnhofsmisionen, da diese Anmeldungen nicht in die Statistik eingehen. Nur so kann auf einen erhöhten Bedarf unsererseits aufmerksam gemacht werden.
4. Ich habe schließlich auch darauf aufmerksam gemacht, daß insbesondere für sehbehinderte Reisende gute Kontraste an den Treppenstufen sowie den Übersichtstafeln wichtig sind. Außerdem habe ich das Problem schwer verständlicher Durchsagen in Regionalzügen angemahnt. Ich habe vorgeschlagen, Kontakt mit dem Vorstandsvorsitzenden der DB Station&Service AG, Herrn Dr. Zeug, im Namen des LBSV aufzunehmen und ihm diese Probleme einmal darzulegen. Vonseiten der DB AG besteht ein großes Interesse an einem weiteren Erfahrungsaustausch mit Selbsthilfeorganisationen. Ein weiterer Termin für die Schulung von Servicemitarbeitern wurde in Koblenz bereits durchgeführt. Ich halte es für unbedingt wichtig, daß menschliche Hilfe nicht durch irgendwelche Leitlinien oder Automaten ersetzt wird. moh
Helmut Rodde-Worm schrieb am 20.08.2008, 19:25
Hallo! Ich bin auch zu einem Gespräch eingeladen und zwar vom DB Service-Bereich Nord. In einer sog. "Service-Werkstatt" (Mitarbeiterfortbildung für die Service-Mitarbeiter) werde ich am 11. September in Hamburg für zwei Stunden dabei sein. Ich bin Rolli-Fahrer mit etlichen Erfahrungen im Bahnfahren. Ich werde dann berichten, wie mir in dieser Veranstaltung ergangen ist.
Ich bin sehr froh, dass es den Service der DB gibt. Schwierig wird es, wenn die DB tatsächlich den Service weiter einschränken oder auch auslagern will (was wohl die Gerüchteküche sagt). Und dann gibt es technische Probleme, da nicht alle Rollis zentimetergenau in die Wagen passen beziehungsweise die Stufen in die Wagen hochkommen.
Als Mitglied des Bundesverbandes POLIO e.V. würde ich mich natürlich freuen, wenn ein Gespräch mit dem DB Vorstand in Gang kommt.
Viele Grüße aus dem kühlen Norden
Helmut Rodde-Worm