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20.08.2008 - 06:34

Tolle Architektur, aber nicht behindertengerecht.

Bremen (kobinet) Die Aussichtsplattform auf dem Sail-City-Hotel, schon als neues Wahrzeichen der Stadt Bremerhaven gerühmt, ist ein "tolles Stück Architektur", aber nicht behindertengerecht. Das Fernsehmagazin "Buten und Binnen" von Radio Bremen berichtete, dass die oberste Aussichtsplattform für Menschen mit Rollstuhl überhaupt nicht zugänglich ist. Der Landesbehindertenbeauftragte monierte jetzt einen Verstoß gegen die gesetzlichen Regelungen für Neubauten.

Auch die etwa 12 Meter tiefer gelegene Dachterrasse im 20. Stock des Gebäudes ist für Personen, die einen Rollstuhl nutzen, nicht ohne fremde Hilfe zu erreichen. Das Drehkreuz im Eingangsbereich ist ein Hindernis für einen Rollstuhl, der Ticket-Automat ebenso wie die Taste für den 20. Stock im Aufzug zu hoch angebracht. Der Ausblick dort wird für Rollstuhlnutzerinnen und -nutzer durch ein Geländer eingeschränkt. In den vergangenen drei Monaten haben über 40.000 Menschen die Aussichtsplattform besucht und einen grandiosen Blick genießen können. Für behinderte Gäste war es "mehr Frust als Genuss", so der Report von Radio Bremen.

"Aufgrund dieses Berichtes ergeben sich für mich erhebliche Zweifel daran, ob die Zugangssituation zur Aussichtsplattform des Sail-City-Hotels mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen zur Herstellung von Barrierefreiheit vereinbar ist", so der Landesbehindertenbeauftragte Dr. Joachim Steinbrück. Die Bremische Landesbauordnung verlangt in § 53 , die dem allgemeinen Besucherverkehr dienenden Teile von Büro- und Hotelgebäuden so herzustellen und in Stand zu halten, dass sie auch für Menschen mit Behinderung, ältere Menschen sowie Personen mit Kleinkindern ohne fremde Hilfe in dem erforderlichen Umfang zweckentsprechend genutzt und barrierefrei erreicht werden können.

Außerdem verpflichtet das Bremische Behindertengleichstellungsgesetz die Behörden des Landes sowie seiner beiden Stadtgemeinden unter den im Gesetz näher genannten Voraussetzungen, auf die Herstellung von Barrierefreiheit sowie die Beseitigung bestehender und die Vermeidung neuer Benachteiligungen für Menschen mit Behinderung hinzuwirken. Nach seinem jetzigen Kenntnisstand hält Steinbrück die Aussichtsplattform des Sail-City-Hotels baurechtlich für nicht in Ordnung.

Um sich ein abschließendes Urteil bilden zu können, hat er Bremerhavens Baudezernenten Volker Holm angeschrieben und ihm ein persönliches Gespräch vorgeschlagen, um den gesamten Sachverhalt sowie die Rechtslage zu erörtern: "Vielleicht finden wir ja auch noch Möglichkeiten, die Zugangssituation zur Plattform für Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen deutlich zu verbessern. Bekanntlich zählen hierzu ja nicht nur Personen mit Rollstuhl, sondern beispielsweise auch Menschen mit Kinderwagen oder ältere Personen." sch

 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Frank Cordes schrieb am 22.08.2008, 03:10

Viele Neubauten betroffen

Wir waren jetzt auch 2 mal mit dem E-Rollstuhl auf dem Hotel. Die ganze Konzeption, auch für Nichtbehinderte, ist mangelhaft. Der Eingangsbereich ist zu eng, das Drehkreuz kaum richtig zu bedienen und Rollstuhlfahrer müssen erst den dortigen Mitarbeiter aufsuchen, der eine extra Tür nebem dem Drehkreuz für Rollstuhlfahrer öffnet.

Interessant ist aber auch, dass neben dem Hotel das Klimahaus, eine Art Erlebnissmuseum zum Thema Klima, gebaut wird. Schon jetzt kann man sehen, dass das Klimahaus mit Treppen durchzogen ist und insbesondere 2 von 4 Plattformen (interne, runde Plateus auf denen später wohl Videobeiträge auf Monitore gezeigt werden) nur über Treppen zu erreichen sind. Auf Anfrage an den Betreiber, wurde mir gesagt, dass aus bautechnischen Gründen einige Bereiche im Klimahaus nicht für Rollstuhlfahrer zu erreichen sind und dieses auch nicht anders hätte gelöst werden können. Schaut man sich als Laie die Plateus an, so fällt auf, dass durch eine kleine Änderung bei der Anordnung alle Plateus ohne Treppen realisiert werden könnten.
Eröffnung ist März 2009.

Auch der vor einigen Jahren komplett neu gebaute Zoo am Meer in der Nähe wurde mit mehreren Aussichtsplattformen ausgerüstet, die allesamt nur über Treppen zu erreichen sind.
Außerdem gibt es im Zoo am Meer mehrere Mängel, die Rollstuhlfahrern Mühe machen und bei der Planung problemlos hätten vermieden werden können (z.B. Eingang zu den Ausstellungsräumen "Zooschule" durch schmale Tür, enge, verwinkelte Gassen unter den Gehegen, gefährliche Drehtür als Ausgang etc..).

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