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kobinet-nachrichten 27.08.2008 - 08:58
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Noch viel zu tun bei Ambulantisierung Hamburger Behindertenhilfe

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Hamburg (kobinet) Die Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen hat eine kritische Zwischenbilanz der Behindertenhilfe im Stadtstaat gezogen und vor einem Etikettenschwindel gewarnt.

Auch in Hamburg sollen mehr behinderte Menschen in der eigenen Wohnung anstatt in stationären Einrichtungen leben. Die Sozialbehörde und die Einrichtungsträger haben die Umwandlung von insgesamt 770 stationären Wohnplätzen in ambulant unterstützte Wohnformen vereinbart. Das bedeutet für alle großen Träger die Umwandlung von 30% ihrer stationären Angebote.

Bereits seit 2005/2006 werden diese Vereinbarungen umgesetzt. Inzwischen erhalten rund 300 behinderte Menschen, die zuvor stationär gewohnt haben, ambulante Hilfen. Die meisten von ihnen leben nun in ambulant betreuten Wohngemeinschaften. Diese Hilfeform wurde im Rahmen des Hamburger Ambulantisierungsprogramms neu geschaffen. Der Hamburger Dachverband der Selbsthilfeorganisationen behinderter und chronisch kranker Menschen hat mit seiner kritischen Zwischenbilanz an das Ziel der Umgestaltung der Hilfen erinnert, möglichst vielen behinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

"Dazu bedarf es noch einiger entscheidender Schritte", so Guido Geray, Sprecher des Ausschusses Wohnen, Leben, Qualität - des Gremiums, das im Auftrag der Landesarbeitsgemeinschaft den Ambulantisierungsprozess kritisch beobachtet und begleitet. Es wird kritisiert, dass bisher fast ausschließlich Menschen mit einem eher geringen Hilfebedarf in der eigenen Wohnung oder in ambulant betreuten Wohngemeinschaften leben. Für Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf reichten die Hilfen auch in den neu geschaffenen ambulant betreuten Wohnformen in der Regel nicht aus. In vielen Wohngemeinschaften müssten die Bewohner zeitweise ohne Betreuung auskommen. Meist gebe es keine Nachtbereitschaften mehr. "Auch für Menschen mit einem hohen Assistenzbedarf müssen bedarfsgerechte ambulante Hilfen zur Verfügung stehen", so Guido Geray. Dafür müssten die finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Die Kostenträger sollten akzeptieren, dass ambulante Hilfen nicht in jedem Fall kostengünstiger seien als stationäre, sondern dass bei entsprechendem Assistenzbedarf auch Mehrkosten entstehen könnten. Ambulant betreute Wohngemeinschaften entstünden derzeit meist aus stationären Wohngruppen heraus. Häufig bleibe dabei - abgesehen von den formalen rechtlichen Kriterien - die Wohn- und Betreuungssituation der Bewohner weitgehend unverändert. Sie erhielten nur für wenige Stunden persönliche Assistenz, ansonsten gemeinschaftliche Betreuung ähnlich wie in stationären Wohnformen. So müsse bei der Umwandlung stationärer in ambulante Hilfen stets hinterfragt werden, ob es sich tatsächlich um einen Schritt hin zu mehr Selbstbestimmung für die Bewohner handle oder lediglich um einen Etikettenwechsel. sch

Die vollständige Stellungnahme zum Hamburger Ambulantisierungsprogramm ist auf www.lagh-hamburg.de nachzulesen


 

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