
Peking/Berlin (kobinet) Mit einer dreistündigen Eröffnungsfeier begannen heute in Peking die Paralympischen Sommerspiele. Das Zweite Deutsche Fernsehen sendete live aus Peking und übertrug in voller Länge die Eröffnung der XIII. Paralympics, die unter dem stolzen Motto "Eine Welt, ein Traum" stehen. Wie schon zur Eröffnung von Olympia vor vier Wochen erlebten 91.000 Zuschauer im "Vogelnest"-Stadion wie ein ungezähltes TV-Publikum in aller Welt wieder eine spektakuläre Show, bis ins Detail perfekt durchgestylt. "Fliege mit dem Traum" war das Thema der emotionalen Darbietungen.
Mehr als 100 Stunden berichten ARD und ZDF und Eurosport von diesen Samstag an über die Wettkämpfe der weltbesten behinderten Sportler in der chinesischen Hauptstadt. Bei den vorangegangenen Olympischen Spielen waren es 300 Stunden. Doch bei den Paralympics 2004 in Athen hatten die öffentlich-rechtlichen Sender nur 12 Stunden im Programm für dieses Ereignis übrig.
"Der paralympische Sport wird nicht wie ein Sport zweiter Klasse wahrgenommen, wie es früher vielleicht einmal war. Das schlägt sich auch in der großen Zahl von Journalisten nieder, die hier vor Ort sind. Im Fernsehen wird es so tolle Bilder von den Paralympics geben, wie noch niemals zuvor", sagte Karl Quade, Chef de Mission der deutschen Mannschaft.
Für Marianne Buggenhagen sind die Paralympics in Peking ihre fünften und letzten. In einem Interview mit Inforadio zeigte sich heute die Leichtathletin, die in Peking ihre 45. internationale Medaille erkämpfen will, begeistert über die Organisation dieser Spiele. Sie lobte besonders die barrierefreie Ausgestaltung des paralympischen Dorfes. Die Paralympics in Peking, so hofft Buggenhagen, sollen für die Menschen mit Behinderungen in diesem Land einen Wandel zum Positiven bringen.
Mit 332 Aktiven stellen die Gastgeber das stärkste Team im Feld der 148 teilnehmenden Nationen. Mit enormem Aufwand hat die Volksrepublik ihre Mannschaft auf die Wettkämpfe vorbereitet. Ein Drittel der Medaillen, so wird schon gemunkelt, könnten die Chinesen abräumen. Tatsächlich wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, damit die Gastgeber auch das erfolgreichste Team dieser Paralympics stellen.
Staatliche Bekenntnisse gibt es, dass sich auch das Leben aller Menschen mit Behinderungen schrittweise verbessern soll. Nach offiziellen Angaben leben in China 83 Millionen Behinderte, das entspricht sechs Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie stehen vor vier großen Hürden: Rehabilitation, Erziehung, Bildung und Beschäftigung.
Immerhin sollen bis 2015 Voraussetzungen geschaffen werden, damit ein Anspruch auf Rehabilitation erfüllt werden kann. Noch leben viele behinderte Menschen unter der Armutsgrenze und müssen betteln. Während die Leistungssportler mit modernstem Renngerät aus Titan und Karbon an den Start gehen, sind im Lande Querschnittgelähmte auf Rollbrettern oder Schubkarren unterwegs. sch
Max Mütze schrieb am 07.09.2008, 18:24
Die Teams aus den USA, Großbritannien und China haben heute zu Beginn der Wettkämpfe die meisten Medaillen eingeheimst, die Deutschen auch zwei silberne und eine aus Bronze. Bundespräsident Horst Köhler besuchte deutsche Sportler im paralympischen Dorf und war am Abend bei einem Empfang für das Team beim Botschafter in Peking zu Gast. Mehr Infos gibt es auf der Webseite des Deutschen Behindertensportverbandes.
Guntram Hoffmann schrieb am 06.09.2008, 19:51
Ich saß einfach nur verblüfft und immer wieder fasziniert in meinem Fernsehsessel zur Eröffnung der Paralympics. Ich fühlte mich mitgenommen in eine ziemlich andere Welt.
Nach der technisch akribischen, perfekten Olympiaeröffnung hatte ich mit einer Darstellung wie heute absolut nicht gerechnet. Heute erlebten wir Kultur von allen für alle. Dabei faszinierte mich noch nicht einmal der wahnsinnige akrobatische Akt der Entfachung des Feuers, sondern vielmehr das Schowprogramm des Balletts der Tänzer, die ihre Musik nicht hören und die rolllstuhlfahrende Sängerin dazu. Dieses Bild wird mir am Stärksten in Erinnerung bleiben.
Mögen die Paralympics dazu beitragen, daß Behinderte immer stärker aus ihrem Schatten treten - in China und weltweit.
Unsern Sporlerinen und Sportlern wünsche ich die besten Erfolge!