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19.09.2008 - 20:26

Lautsprecheransagen auf Bahnhöfen dürfen nicht wegfallen.

Berlin (kobinet) Markus Kurth, behindertenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, und Winfried Hermann, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion, haben heute die Absicht der Bahn kritisiert, die Lautsprecheransagen an bis zu 4500 kleineren Bahnhöfen einzustellen. An diesen Bahnstationen würden blinde und sehbehinderte Menschen in Zukunft auf die Hilfe von Mitreisenden angewiesen sein. Die Bahn stoße einmal mehr den behinderten Kundinnen und Kunden vor den Kopf. Barrierefreiheit und Nutzerfreundlichkeit müssten endlich zur Handlungsmaxime der Deutschen Bahn werden.

"Zwar ruderte die Bahn in einer Pressemitteilung gestern zurück und betonte, dass Gleisänderungen und andere wichtige Durchsagen weiterhin gewährleistet sind. Es ist jedoch für blinde und sehbehinderte Menschen eine weitgehende Einschränkung, wenn sie nicht wissen, wann welcher Zug einfährt und wo sich welche Zugabteile befinden. Zudem ist es ein erhebliches Sicherheitsrisiko, wenn vor der Einfahrt des Zuges dies nicht angekündigt wird. Außerdem ist zu bezweifeln, dass es an allen Bahngleisen optische und taktile Leitstreifen gibt, an denen sich blinde und sehbehinderte Menschen orientieren können", so die beiden Bundestagsabgeordneten. sch

 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Jürgen Bünte schrieb am 20.09.2008, 18:08

DB: Kein Handlungsbedarf

Deutsche Bahn: Kein Handlungsbedarf

Ein Luftstoß trifft mich und bringt mich aus dem Gleichgewicht. Ein Zug rast durch den kleinen Regionalbahnhof Fürstenberg/Havel. Obwohl ich mich in der Mitte des Bahnsteigs befinde und damit eigentlich die höchstmögliche Entfernung von den Bahnsteigkanten habe, fühle ich mich für Sekunden wie emporgehoben. Ich komme mit dem Schrecken davon und denke nur mit Entsetzen wie es etwa einem kleinen Kind ergangen wäre.
Auf meine Beschwerde über eine fehlende Ansage erreicht mich eine belanglose Entschuldigung der zuständigen Deutsche Bahn AG -Regionalbereich Berlin - Brandenburg:
"Ihre Kritik haben wir an den verantwortlichen Fachbereich unseres Unternehmens weitergeleitet und darum gebeten, geeignete Maßnahmen zu treffen, um solche Vorkommnisse künftig auszuschließen."

Da damit das Problem einer fehlenden Ansage keineswegs gelöst ist, bitte ich meinen Verein den ABSV um UNterstützung, die ich auch unverzüglich mit einer deutlichen Stellungnahme des Geschäftsführers gegenüber der DB erhalte. Darin heißt es:
"Die bahneigene Hierarchie sollte es ermöglichen, die Verantwortlichen nicht
lediglich zu bitten, sondern anzuweisen, in geeigneter Weise für Abhilfe zu
sorgen und das Ergebnis zu dokumentieren sowie den Beschwerdeführer
entsprechend zu informieren."

Die Antwort darauf ist an Inkompetenz und Zynismus nicht zu überbieten:
"Nach nochmaliger Nachfrage erfuhren wir, dass es keine gesetzlichen Vorgaben für
Durchsagen auf dem Bahnhof Fürstenberg und somit keine Verstöße gibt.
... Als Sicherheitsvorgaben vom zuständigen Eisenbahnbundesamt sind für den
Bahnhof nur weiße Warnlinien und Schilder mit einem Warnhinweis vorgesehen,...
Wir bitten um Verständnis, dass unsererseits kein Handlungsbedarf zu einer
Veränderung besteht, da sämtliche gesetzliche Sicherheitsbestimmungen in Fürstenberg eingehalten
werden."

Wie aktuell dieses Vorkommnis ist, zeigt die kürzlich erfolgte Meldung des Bayrischen Blinden- und Sehbehindertenbundes: "Ehe gehandelt wird, muss wohl wirklich erst etwas
passieren... Der in Ingolstadt erscheinende "Donaukurier" berichtet über
den noch glimpflich verlaufenen Unfall einer Schülerin in Schrobenhausen
auf einem Gleisübergang. Für blinde und sehbehinderte Reisende
können Schrobenhausener Verhältnisse zur Todesfalle werden, wenn, ja wenn dem
Schienenunternehmen nicht Einhalt geboten wird, nicht nur den Service,
sondern auch die Sicherheit herunter zu fahren:..." Die DB hatte dort die Ansagen über Zugdurchfahrten aus Kostengründen eingestellt.

Ich erhoffe mir wirksame Schritte des DBSV in diesen Sicherheitsfragen
Jürgen Bünte

Markus Zimmermann schrieb am 20.09.2008, 16:01

... achten Sie bitte auf die Lautsprecherdurchsage

So tönt es in jedem Zug btr. Reisemöglichkeiten. Der Deutschen Bahn AG ist offenbar auch nichts noch zu viel! Nicht nur für Blinde und Sehbehinderte sind Durchsagen wichtig. Kein anderes Informationssystem erreicht gleichzeitig so viele Menschen. Dazu ist es billig, verglichen mit optischen Informationssystemen. Offenbar ist keine Idee dumm genug, dass sie den durchgeknallten, börsengeilen Bahn-Managern nicht einfallen könnte!

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