
Mainz (kobinet) Fast 160.000 Unterschriften haben der Deutsche Gehörlosenbund und die Deutsche Gesellschaft der Gehörgeschädigten gestern an den rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck übergeben. Mit der Unterschriftensammlung unterstreichen die beiden Interessenverbände ihre Forderung nach einer Untertitelung aller Sendungen im Fernsehen. Diese Forderung ergebe sich aus dem Recht auf Barrierefreiheit, um gehörlosen und hörgeschädigten Menschen einen umfassenden Zugang zum Fernsehangebot zu ermöglichen, so die Verbände.
Überreicht hatten die Unterschriftensammlung der Präsident des Deutschen Gehörlosenbundes, Alexander von Meyenn, und weitere Vertreter der Gehörlosenverbände. "Unser Ziel ist die 100-prozentige Untertitelung in allen Fernsehprogrammen. Deutschland ist da noch sehr rückständig", so von Meyenn. In England seien bereits 80 Prozent aller Sendungen untertitelt, in Holland seien fast 100 Prozent erreicht, während deutschlandweit nur 8,4 Prozent der Fernsehsendungen untertitelt seien. Positiv stellten sich vor allem die dritten Programme der öffentlich-rechtlichen Sender dar. Die Gehörlosenverbände beklagen ein "großes Informationsdefizit in der Gesellschaft" und wünschen sich eine Aufnahme der Untertitelungs-Pflicht in den Rundfunkstaatsvertrag.
Ministerpräsident Kurt Beck sagte den Gehörgeschädigten seine "volle und uneingeschränkte Unterstützung" zu. Für eine Aufnahme der Forderungen in den Rundfunkstaatsvertrag könne er allerdings keine Zusage machen. Hier seien die privaten Sender mit ihrer starken Lobby kaum für dieses Vorhaben zu bewegen. Mit dem Kostenargument hätten sie dies in der Vergangenheit stets abgelehnt. Beck sicherte zu, das Thema und die Forderungen der Gehörlosen bei der bevorstehenden Ministerpräsidentenkonferenz in Dresden zur Sprache zu bringen. Außerdem will er die Intendanten und Aufsichtsgremien der Fernsehsender von der Unterschriftenaktion informieren. Der Ministerpräsident regte ein erneutes Treffen mit den Gehörlosenverbänden an, um die weiteren Veränderungen gemeinsam zu begleiten. "Ihre Unterschriftensammlung betrachte ich als wertvolle Unterstützung, um Barrierefreiheit im Fernsehen noch stärker zu verwirklichen", unterstrich Beck. moh