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26.10.2008 - 06:31

Behinderte Menschen auch beim Bildungsgipfel ignoriert.

Frankfurt am Main (kobinet) Diese Woche fand der Bildungsgipfel in Dresden statt. Dies und die Tatsache, dass dabei die Belange von behinderten Menschen ignoriert wurden, hat den blinden Journalisten Keyvan Dahesch zu folgendem Kommentar veranlasst, der im Morgenecho des WDR 5 gesendet wurde. moh

Kommentar von Keyvan Dahesch

Seit Jahren fordern die Elternverbände und Selbsthilfeorganisationen behinderter Menschen den gemeinsamen Schulbesuch von Kindern mit und ohne Behinderung. "Wir sind es leid, dass unsere Anliegen in sämtlichen Bildungsdiskussionen ignoriert werden", beklagen sie. Dass der Bildungsgipfel in Dresden, der mit Problemen von Kindern aus der sogenannten bildungsfernen Schicht schon brisante Themen zu behandeln hatte, nicht auch noch mit den Bildungsfragen behinderter Menschen überfrachtet werden konnte, kann man ja verstehen. Aber es ist nicht zu verstehen ,weshalb die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer, mit ihrer Forderung nach einem gemeinsamen Schulunterricht bei Bundes- und Landespolitikern immer wieder auf taube Ohren stößt. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Mutter eines seit der Geburt schwerstbehinderten Sohnes, der Schule und Berufsausbildung gemeinsam mit nicht behinderten Altersgenossen absolvierte und hervorragende Leistungen zeigte, schätzt verständlicherweise die gemeinsame Ausbildung von Kindesbeinen an. Leider sind das immer noch Ausnahmen.

Eltern, die ihr behindertes Kind in einer allgemeinen Schule lernen lassen möchten, müssen dies oft vor Gericht erkämpfen. Und dies, obwohl die Vereinigten Staaten und die skandinavischen Länder bewiesen haben, dass von gemeinsamen Schulen Kinder mit und ohne Behinderung gleichermaßen profitieren. Woher sonst sollen Firmenchefs wissen, wie motiviert Bewerber mit Handicaps arbeiten und durch erhöhte Leistungen bewundernswerte Ergebnisse erzielen? Wie sollen Menschen mit Behinderungen, die nur mit ihresgleichen die Schulbank in den heute "Förderschulen" genannten Einrichtungen gedrückt haben, das Verhalten der "anderen" kennen?

In Deutschland werden nur 12 Prozent der behinderten Kinder in allgemeinen Schulen unterrichtet, in den skandinavischen Ländern dagegen bis zu 80 Prozent. Beim gemeinsamen Schulbesuch könnten zusätzliche Hilfskräfte, die man für die behinderten Kinder im Schulalltag notwendigerweise braucht, mit den sonst fälligen Internatskosten finanziert werden. Die sogenannten Förderschulen sollten eigentlich nur noch von Menschen mit mehrfachen Handicaps besucht werden. Die Auseinandersetzung behinderter Menschen, ihrer Eltern und ihrer Selbsthilfeverbände mit der Bundesregierung um die korrekte Übersetzung hat bislang die Annahme der UN-Behindertenkonvention durch Deutschland verhindert.

Warum dieses Land, das sich im Umgang mit gehandicapten Menschen wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert hat, die eindeutigen Aussagen der Konvention in allen sechs offiziellen UN-Sprachen zur Schulbildung mit abgeschwächten Formulierungen übersetzt und die Betroffenen um die Früchte ihres jahrelangen harten Kampfes gebracht hat, ist unbegreiflich. Den Verantwortlichen fällt es immer noch schwer, den Ausspruch des Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker zu beherzigen: "Was im Vorhinein nicht ausgegrenzt wird, muss hinterher nicht eingegliedert werden."
 

 
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