
Berlin (kobinet) Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Berlin die Behindertensportler des Jahres geehrt. Ausgezeichnet wurden Kirsten Bruhn und Wolfgang Sacher sowie das Damen-Rollstuhl-Basketball-Team, die als Sieger aus einer Online-Abstimmung hervorgegangen waren. Bei der "Nacht der Stars" in Berlin ehrte die Schirmherrin des Förderkreises Behindertensport neben der Schwimmerin und dem Radsportler wie im vergangenen Jahr als Mannschaft des Jahres die Rollstuhl-Basketball-Damen, die in Peking Silber holten.
Bruhn hatte bei den Paralympics in Peking über 100m Brust in Weltrekordzeit triumphiert und zudem eine Silber- sowie drei Bronzemedaillen geholt. Für die 39-Jährige aus Neumünster, die seit einem Motorrad-Unfall 1991 an einer inkompletten Querschnittslähmung leidet, ist es nach 2004 und 2005 bereits die dritte Ehrung zu Deutschlands Behindertensportlerin des Jahres.
Der Penzberger Radsportler Sacher gewann die Goldmedaille im Straßenzeitfahren sowie Silber und Bronze auf der Bahn. Dem 41-Jährigen, der im Stadtrat seiner bayerischen Gemeinde sitzt, waren nach einem Starkstromunfall im Alter von 15 Jahren der linke Arm und alle Zehen des rechtes Fußes amputiert worden.
"Die Athleten sind Vorbilder für unsere Gesellschaft. Sie haben herausragende Ergebnisse erzielt", sagte die Bundeskanzlerin, die sich seit Jahren verstärkt für die Belange des Behindertensports einsetzt. So habe der Bund die Förderung des Behindertensports 2008 um fast 30 Prozent aufgestockt. "Dieses Engagement müssen wir auch in Zukunft fortsetzen, weil es etwas über unsere Gesellschaft aussagt", meinte Merkel. sch
Max Mütze schrieb am 12.11.2008, 20:22
Bei der Gala beklagte Kirsten Bruhn "viele Baustellen im paralympischen Sport". Nach der medialen Aufmerksamkeit durch die Spiele in Peking dürfe der Behindertensport nicht wieder in vier Jahre Dornröschenschlaf versinken, forderte sie. "Wir haben den Anspruch, dass auch über Welt-, Europa- oder deutsche Meisterschaften in den Medien genauso berichtet wird, wie bei den Nichtbehinderten", sagte Bruhn. Die jüngsten Paralympics hätten zudem gezeigt, dass im deutschen Behindertensport auf der Spitzenebene noch vieles professioneller zu gestalten sei und das Tempo in anderen Ländern diesbezüglich deutlich höher sei. Bei den Sportinternaten, der Integration in die Olympiastützpunkte und der finanziellen Versorgung der Athleten sei trotz Fortschritten erst ein kleiner Anfang gemacht.