Freiburg/Breisgau (kobinet) Für das Recht auf inklusive Bildung ihrer Kinder gingen heute Eltern in Freiburg auf die Straße. Die Initiative "Bildung neu denken" hatte zu der Kundgebung auf dem Augustinerplatz aufgerufen.
"Gemeinsames Lernen ist ein Lernen der Vielfalt in der Gemeinsamkeit, durch das die Einzelnen durch ihre Verschiedenheit in den Lerngruppen angeregt, gestützt und gestärkt werden. Im gemeinsamen Lernen wird die optimale Förderung aller mit der Erfahrung des sozialen Zusammenhalts und der sachlichen Zusammenhänge ausbalanciert", so hatte schon 2003 der Reformpädagoge Otto Herz das Leitmotiv dieser Demonstration formuliert.
Dafür, wie Integration gelingen kann, bietet auch Deutschland viele Beispiele. Eines davon ist die Waldorfschule in Emmendingen die seit Jahren aufzeigt, wie Integration von Behinderten im Schulalltag erfolgreich gelingt oder auch die ISEP-Klassen an staatlichen Grundschulen. "Dennoch hat unter Federführung von Herr Minister Rau die CDU/FDP-Landesregierung zu diesem Schuljahr das Aus für dieses Erfolgsmodell des integrativen Lernens durchgesetzt", wurde in einer Presseerklärung der Bildungsintiative betont. "Die derzeitigen Entwicklungen in der Bildungspolitik tragen dazu bei, dass von Seiten der Eltern, der Schüler und der Lehrer verstärkt die Forderungen nach längerem gemeinsamen Lernen erhoben werden." Selbst aus Kreisen, denen kaum der Vorwurf "ideologischer Verbohrtheit" gemacht werden könne, nämlich Kirchen, Handwerk und Industrie, werde der Ruf nach gemeinsamen Unterricht bis Klasse zehn immer lauter.
Grundvoraussetzung hierfür ist nach Ansicht von bildung neu denken eine Neustrukturierung des heutigen Bildungssystems und ein grundsätzliches Umdenken dahingehend, wie Lernen funktioniert. Hierzu gehöre unter anderem eine Ausbildung der Lehrer, die die individuellen Fähigkeiten jedes einzelnen als Chance und nicht als Einschränkung empfindet; die jedes Kind dort abholt, wo es steht. An den Schulen müssten durch bessere personelle, räumliche und finanziellen Ausstattung die Grundlagen geschaffen werden, die eine sinnvolle Integration aller Kinder ermöglicht.
"All dies muss politisch gewollt werden; es müssen über alle Parteigrenzen hinweg Mittel und Wege gefunden werden, um eine hohe Qualität des Lernens für alle Kinder gemäß ihrer individuellen Fähigkeiten zu gewährleisten. Es muss Schluss damit, sein dass integrative Modelle ins Leben zu rufen, um sie mit fadenscheinigen Begründungen wieder einzustellen. Die Parteien müssen endlich ihren Grundsatzprogrammen gerecht werden und die gesetzlichen Grundlagen dafür schaffen, dass an unseren Schulen Unterricht stattfindet, der dem Gleichstellungsgrundsatz unseres Grundgesetzes und der Uno-Kinderrechtskonvention entspricht. Das Wohl des Kindes muss im Vordergrund politischer Entscheidungen stehen", so die Presseerklärung.
Eine längere gemeinsame Schulzeit der Schülerinnen und Schüler ermögliche die Entwicklung gegenseitiger Toleranz und dadurch Achtung gegenüber den Fähigkeiten jedes Einzelnen, unabhängig von dessen sozialer Herkunft oder körperlicher und geistiger Voraussetzung. Eine Pädagogik, die sich die Vielfalt der Menschen zunutze macht, die ein Lernen von und miteinander ermöglicht, führe zu einem einen gesamtgesellschaftlichen Umdenkungsprozess, der hin zu einer sozialen Gemeinschaft führt.
Deshalb fordern die Kundgebungsteilnehmer:
• Gemeinsamer Unterricht aller Kinder bis Klasse 10 muss möglich sein.
• Recht auf integrativen Unterricht für jedes Kind.
• Raus aus der Grauzone. Integration muss im Schulgesetz verankert werden. sch