
Erfurt (kobinet) Der behindertenpolitische Sprecher der Linken im Thüringer Landtag, Maik Nothnagel, hat heute die Erinnerungsinitiativen in der Bundesrepublik begrüßt, die auch der Bekämpfung des Rechtsradikalismus dienen. So werde das NS-Verbrechen der Tötung "unwerten Lebens" wieder in das Bewusstsein der Menschen gebracht, das auch in Hildburghausen verübt wurde.
Es müsse "alles getan werden, damit es niemals zur Verfolgung und Tötung von Kranken und Menschen mit Behinderung kommt", betont der Abgeordnete und fordert, dass endlich auch in Thüringen an allen Orten, wo "Euthanasie" betrieben wurde, an die Opfer erinnert wird. "Leider ist dies bis zum heutigen Tag im Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Hildburghausen nicht möglich", sagt der Behindertenpolitiker. Die dort zur NS-Zeit verübte "Euthanasie" werde offiziell geleugnet und verdrängt. Leider habe die Landesregierung, die Verantwortung trage, weil in dieser privaten Klinik im Auftrag des Freistaates der Maßregelvollzug stattfindet, diesbezüglich auch nichts unternommen. Angeblich gebe es für "Euthanasie" (Krankentötungen) in Hildburghausen keinen wissenschaftlichen Beweis.
Maik Nothnagel: "Experten, wie Ernst Klee aus Frankfurt/Main oder Dr. Susanne Zimmermann aus Jena, haben jedoch keinen Zweifel daran, dass das Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Hildburghausen in das T4-Programm der Nazis eingebunden war. Der damalige Anstaltsleiter Johannes Schottky war ein nicht unbekannter Rassenhygeniker, der auch Mitglied des Sachverständigenbeirates für Bevölkerungs- und Rassepolitik beim Reichsinnenministerium war. Es gab Transporte von mindestens 158 Patienten aus Hildburghausen über Zschadraß nach Pirna-Sonnenstein, wo ihr Leben in der Gaskammer endete."
1941 hatte Hildburghausen etwa 800 Betten, die dann geräumt wurden, weil die Wehrmacht das Krankenhaus als Lazarett benötigte. Es wurden auch Zwangssterilisationen vorgenommen, und es gibt Unterlagen zu Hildburghausen im Bundesarchiv in Berlin und im Staatsarchiv Meiningen zur "T4-Aktion". Es sei jetzt nach 70 Jahren höchste Zeit, dass man sich in Hildburghausen seiner Geschichte stellt und der Opfer von "Euthanasie" und Zwangssterilisation gedenkt, so der Abgeordnete. "Dafür trägt auch die Landesregierung Verantwortung", betont Nothnagel. sch