
Berlin (kobinet) Im Berliner Kleisthaus wurde heute mit einer Fachkonferenz zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention im Bildungsbereich die Informationskampagne "alle inklusive!" gestartet. Drei blinde Experten gestalten die Tagung mit und sehen immensen Handlungsbedarf durch die Konvention der Vereinten Nationen.
Bremens Landesbehindertenbeauftragter Dr. Joachim Steinbrück verspricht sich von der UN-Konvention einen Durchbruch: "Endlich! Endlich werden verbindliche Standards für die Beschulung Sinnesbehinderter gesetzt. In Deutschland haben wir zurzeit einen einzigen Flickenteppich von Regelungen, es ist höchste Zeit, die Qualität der Schulbildung zum Ausgangspunkt unserer Überlegungen zu machen." Steinbrück ist einer der drei blinden Menschen, die als Experten in eigener Sache bei der Fachtagung mitwirken.
Reiner Delgado ist Sozialreferent beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband und hat für die Konferenz einen Workshop vorbereitet. Auch er setzt große Hoffnungen in die neue Konvention: "Sie geht ins Detail, wenn es um die Bildung für blinde und sehbehinderte Menschen geht. Die Lehrkräfte müssen beispielsweise geeignete Materialien für den Unterricht bereithalten, je nachdem in Blindenschrift oder Großdruck, aber auch tastbare Abbildungen. Die individuell angepasste Förderung für jeden Schüler bekommt eine zentrale Bedeutung, und zwar nicht nur an der Schule, sondern auch in der Berufsausbildung, an der Uni, in der Volkshochschule und sogar im Bereich der Alltagsbewältigung."
Dr. Michael Richter konzentriert sich in seinem Workshop auf juristische Aspekte: "Im Deutschen Recht muss sich einiges ändern, um dem Ziel der bestmöglichen Schulbildung von behinderten Kindern voll zu entsprechen", stellt der blinde Anwalt nüchtern fest. Auch für ihn steht die Qualität der Ausbildung klar im Vordergrund. "Die UN-Konvention fordert ein inklusives Schulsystem, was aber nicht gleichbedeutend ist mit der Auflösung aller Förderzentren, denn von einer flächendeckenden Bildungsqualität für blinde und sehbehinderte Menschen sind wir in Deutschland noch Lichtjahre entfernt." sch