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kobinet-nachrichten 09.02.2009 - 09:24
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http://www.kobinet-nachrichten.org

Noten für Pflegeeinrichtungen

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Berlin (kobinet) Die Verbraucherzentralen informieren in diesen Tagen über das neue Notensystem für Pflege-"Heime" in Deutschland. Diese Noten werden vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) nach einem feststehenden Katalog vergeben.

Seine Gedanken hierzu macht sich kobinet-Redakteur Gerhard Bartz

Nun sind sie also da, die Noten für die Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Und stehen bereits in der Kritik. Es ist nicht zu erwarten, dass es Menschen in die "Heime" zieht, auch wenn diese Bestnoten aufweisen können. Experten befürchten ohnehin, dass die Qualität der Pflege-Dokumentationen den MdK eher beeindruckt als die Qualität des Lebens in diesen Anstalten. Man darf gespannt sein, wie Heime benotet werden, in denen es zu Misshandlungen und Freiheitsberaubungen kommt und wie rasch sich diese Noten wieder "erholen".

Ein weiteres Kriterium sucht man in dem Katalog vergeblich: Werden dort Menschen gegen ihren Willen untergebracht? Beantwortet ein Insasse diese Frage mit "ja", müsste dies automatisch zur schlechtesten Note führen. Ich denke hierbei an das "Heim", in das Matthias G. eingewiesen werden soll (siehe kobinet-nachrichten vom 23.10.2008 und vom 12.01.2009 ), oder an ein "Heim" in Darlingerode, das von der Sozialagentur Halle für seine Zwangseinweisungen aus Kostengründen empfohlen wird. Solange sich Anstalten in Deutschland den Sozialämtern als Auffangstationen andienen, um eine bessere Auslastung zu erreichen (die Investoren wollen ja schließlich Rendite sehen), ist mit ehrlichen Noten ohnehin nicht zu rechnen.
 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Veronika Szemes schrieb am 27.02.2009, 15:21

Entzug des Betreuertums

Habe erst erst gestern einen Brief vom SBK erhalten in dem Sie meine Kompetenz in Frage stellen, wahrscheinlich weil ich zuviele Fragen stelle, SBK möchte mir womöglich mein "Zertifikat" als Betreuer entziehen, obwohl ich für einen 93 Jährigen seit 7 Jahren erblindet und ich ihn stets zum Baden am Wochenende abhole um ihm das Leben ein wenig zu versüßen.
..... und das Heim legt mir immer weitere erschwerende "Steine" in den Weg. Ich bin zur Zeit sehr frustriert!

Kennt einer im Bereich Köln ein Altersheim mit Pfleger(inne)n die der ungarischen Sprache mächtig sind?

Ein frohes Wochenende! Erwarte hoffnungsvoll Ihre Antworten...
MFG V. Szemes

Nina Waskowski schrieb am 09.02.2009, 22:38

Anscheinend mal wieder nicht richtig zugehört :-(

In meinem nunmehr 2. Studium, welches inhaltlich meilenweit vom 1. entfernt ist, unterrichtete man mich wieder, dass bedarfsorientierte Angebote und kundenorientes Handeln oberste Priorität haben. Auch in meinem Sozialwesen-Studium lehrte man mich, individuell zu fördern, zu fordern und zu betreuen. An allen Ecken und Enden finde ich nun aber die Theorie bestätigt, dass der Unterschied zwischen Theorie und Praxis in der Praxis weit größer ist als in der Theorie.
Entsprechend dem, was man mir beibrachte, sollte jeder Mensch selbst entscheiden dürfen, wo, wie und mit wem er leben möchte. Gemäß des ressourchenorientierten Ansatzes sollte er dann genau soviel Unterstützung bekommen wie er benötigt, um seine Selbständigkeit weitestgehend zu erhalten. Nicht mehr und nicht weniger Unterstützung - eben individuell. Das Wunsch- und Wahlrecht eines jeden Menschen zu respektieren basiert zudem in erster Linie auch auf die Würde des Menschen generell!
Nun stellt sich mir doch die Frage: habe ich mal wieder nicht richtig zugehört oder wirklich etwas Falsches gelernt? Oder: fallen Alte und Behinderte einfach nicht mehr in die Kategorie "Mensch", von der man da im Gesetz spricht?
Die Frage, ob die Einrichtung oder das Amt an einer Zwangseinweisung schuld ist, stellt sich mir garnicht. Es ist immer ein Geben und Nehmen und was der eine in die Bahn bringt, könnte der andere noch immer stoppen.
Die einzigen, denen an solchen Zuständen aus meiner Sicht sicher keine Schuld trifft, sind die Angestellten selbst, denen das Arbeiten unter den derzeitigen Bedingungen (zu hoher Betreuungsschlüssel und damit zu große Belastung, schlechte Bezahlung, etc.) oftmals selbst keinen Spaß mehr macht.
Aber am allerwenigsten haben die MENSCHEN mit Unterstützungsbedarf Schuld, die gegen ihren Willen in solchen Einrichtungen leben müssen. Für sie löst sich die Gültigkeit vieler Gesetze - vor allem auch der, die für sie einst geschaffen worden sind, nach und nach in Luft auf, da nie ein wirksamer Kontrollmechanismus für die Umsetzung geschaffen worden ist. Solange eine richtige Umsetzung der Gesetze nicht stattfindet, kann auch die Schaffung jedes neuen Gesetzes - wenngleich es noch so gut ist, nicht mehr als nur "gut gemeint" sein.
...Aber vielleicht habe ich auch im Unterricht nur mal wieder nicht richtig zugehört und es verhält sich in Wahrheit alles genau andersherum ;-)

Matthias G. schrieb am 09.02.2009, 20:52

Fehler im System

Es sollte dringend eine Umverteilung der Gelder stattfinden, so dass der Teil der Eingliederungshilfe auch wirklich für selbige zur Verfügung steht und nicht zu 89 % an stationäre Einrichtung fließt...

Matthias G. schrieb am 09.02.2009, 20:32

Aufklärung dringend nötig!!!

Die Lobby der Heimbetreiber ist noch viel zu stark! Und in den Köpfen der Gesellschaft herrscht leider noch das Denken vor, sobald ein Mensch Hilfebedürftig wird/ist, dieser in einem "Heim" dann gut aufgehoben sei. Zudem ist es unfassbar, dass dieses Denken von Behörden und Gerichten weiterhin unterstützt wird, indem Menschen mit Unterstützungsbedarf meist auf stationäre Einrichtungen verwiesen werden und ihnen, die ein selbstbestimmtes Leben mit eigenständig organisierter Assistenz führen möchten, unentwegte Steine in den Weg legen. Was ich nur allzu deutlich am eigenen Leib erfahren muss!

Es ist doch paradox viele Menschen die der Hilfe bedürfen in einer stationären Einrichtung "zusammenzuferchen" und ihnen nur eine mehr wie unzureichende Anzahl an Pflegepersonal zur Verfügung zu stellen, von denen sie nie und nimmer ausreichend versorgt werden können! Allein der der schon einmal eine gewisse Zeit im Krankenhaus verbringen musste, wird mitbekommen haben, unter welchem Zeitdruck und daraus resultierenden Stress das Pflegepersonal steht. Das ist in Heimen keineswegs anders. Diese Atmosphäre von Hektik und Stress ist für Heimbewohner auf Dauer unerträglich!

Es ist seelische Folterung gegen seinen willen in einem so genannten "Heim" eingesperrt zu werden!!!

Matthias G.

Gerhard Bartz schrieb am 09.02.2009, 12:35

Ich erlaube mir

angesichts vieler Heimbetreiber, die sich weigern, Menschen gegen deren Willen aufnehmen, das Verhalten der anderen kritisch zu betrachten. Oder nehmen Sie etwa bei sich zuhause jemand auf, der nicht zu ihnen will und dem die Flucht nicht mehr möglich ist?

Das Zusammenwirken zwischen Anstaltsbetreibern und Behörden nimmt mitunter bedenkliche Formen an. Und genau diese gilt es anzuprangern.

Es spricht nichts dagegen, wenn jemand freiwillig in einem "Heim" sein möchte. Das ist die Sache jedes Einzelnen, obwohl ich davon überzeugt bin, dass die Ursache dafür in der mangelnden Förderung der ambulanten Assistenz (unzureichende Finanzierung und Information) zu suchen ist. Die Kenntnis des § 13 des SGB I, insbesondere der Rechte, scheint nicht sehr weit verbreitet zu sein:

§ 13 Aufklärung
Die Leistungsträger, ihre Verbände und die sonstigen in diesem Gesetzbuch genannten öffentlich-rechtlichen Vereinigungen sind verpflichtet, im Rahmen ihrer Zuständigkeit die Bevölkerung über die Rechte und Pflichten nach diesem Gesetzbuch aufzuklären.

Martina Heidelberg schrieb am 09.02.2009, 11:28

Erlauben Sie mal, Herr Bartz

Bei aller Ablehnung von Heimen, die ich voll teile - aber: Was kann das Heim bzw. was können die Betreiber von Heimen dafür, wenn das Sozialamt jemanden aus Kostengründen in ihre Institution einweist.(von Ausnahmen vielleicht abgesehen)?

Das ist doch etwas sehr weit übers Ziel hinaus geschossen!

Gruß, Martina

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