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30.09.2003 - 15:57

Blinde als Sicherheitsrisiko bei Konzert.

Hamburg (kobinet) Bei der Beschäftigung mit Diskriminierungsfällen sind wir auf einen Diskriminierungsfall gestossen, der am 29. November 2002 im Hamburger Abendblatt aufgegriffen wurde. Auch dieser Fall zeigt, wie dringend wir in Deutschland ein zivilrechtliches Antidiskriminierungsgesetz brauchen, in dem auch behinderte Menschen berücksichtigt werden.

Nach Informationen des Hamburger Abendblattes sollte es ihr erstes Konzert werden - etwas ganz Besonderes. Doch für die blinde Mandy Wolff (22) und ihren ebenfalls blinden Freund Peter Fischer (26) wurde es eine Katastrophe. Die beiden wollten das Konzert ihrer Lieblingsband J.B.O. in der Großen Freiheit 36 besuchen. Doch weil sie angeblich ein «Sicherheitsrisiko für alle Beteiligten» (Originalton Sicherheitsdienst) darstellten, mussten sie wieder gehen.

Das Paar war von zwei Männern vom S-Bahn-Begleitservice des HVV vom Bahnhof Hasselbrook zum Konzertsaal auf der Reeperbahn gebracht worden. Bis an die Theke wurden sie begleitet, dann wollten die Männer wieder gehen. Doch das Sicherheitspersonal hielt die zwei auf. Die Begleiter wurden nach Informationen des Hamburger Abendblattes dazu aufgefordert, die Blinden wieder mitzunehmen, da diese nicht allein auf dem Konzert bleiben dürften. Die Begründung des Einsatzleiters des Ordnungsdienstes: Wenn etwas passiert, würden die Blinden nicht nur sich, sondern auch andere gefährden. «Man hat mich mit einem dreijährigen Kind verglichen, das ja auch nicht ohne Begleitung kommen dürfe», empört sich Mandy Wolff. «Sogar mit Polizei und Rechtsanwalt hat man uns gedroht».

Auch eine einstündige Diskussion, zu der noch der Teamleiter der HVV-Begleiter kam, brachte nur ein Ergebnis: Mandy und ihr Freund mussten das Konzert verlassen. Ohne jegliche Entschädigung. «Ich hätte heulen können», beschreibt die Frau ihre Gefühle, «das war so erniedrigend».

Auf Nachfragen des Hamburger Abendblatts bei der zuständigen Sicherheitsfirma Stage Service Hamburg reagierte man plötzlich betroffen. «Unser Mann hat offensichtlich falsch gehandelt», gab Geschäftsführer Michael Molt zu. «Dafür können wir uns nur entschuldigen». Eine Entschädigung sollen die zwei nun auch bekommen. «Die Betroffenen erhalten Freikarten für ein anderes Konzert ihrer Wahl», verspricht Elke Ulferts, Sprecherin von Scorpio Konzertproduktionen GmbH gegenüber dem Hamburger Abendblatt. «Wir nehmen die Entschuldigung an», sagte Peter Fischer, «aber vergessen können wir das so schnell natürlich nicht». omp

 

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