![]()
Druckversion
kobinet-nachrichten
16.02.2009 - 08:53
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Hamburg (kobinet) Gerade haben Udo Sierck und Christian Mürner ihr Buch Krüppelzeitung - Brisanz der Behindertenbewegung veröffentlicht, das Oliver Tolmein heute in seinem Blog unter der Überschrift "Behinderung ist schön" vorstellt.
Das Buch beschreibt eine Auseinandersetzung in der Behindertenbewegung, die annähernd 30 Jahre her ist. Doch etliche der Themen, die damals in der "Krüppelzeitung" abgehandelt wurden, bieten noch heute Stoff für Kontroversen. In gewisser Hinsicht stellt das materialreiche Buch, in dem die Vergangenheit immer auch als Teil der Gegenwart beschrieben wird, einen Steinbruch für die sich gerade endlich auch in Deutschland etablierenden Disability Studies dar, meint der Hamburger Rechtsanwalt.
Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger Jahre grenzten sich die Begründerinnen und Begründer der "Krüppelzeitung" nicht nur von fürsorglichen Sonderpädagogen, dem behindertenfeindlichen gesellschaftlichen Mainstream und entmündigenden Medizinern ab, sie wollten auch mit den nichtbehinderten Sympathisanten der Emanzipation von Behinderten (zumindest politisch) nichts mehr zu tun haben.
"Für uns Nichtbehinderte, die wir 1980/1981 zum Beispiel in der Aktionsgruppe gegen das UNO-Jahr der Behinderer aktiv waren, war das schwer zu akzeptieren: Behinderte wollten nicht nur für sich selbst sprechen (das fanden wir selbstverständlich), sie wollten es auch alleine tun und uns Nichtbehinderte allenfalls als Dienstleister dabei haben", so Tolmein. "Die Auseinandersetzung darüber, ob Nichtbehinderte auch inhaltlich mitstreiten durften oder nicht, dauerte lange an und führte fast zu Spaltung der (ohnedies nicht allzu großen) Bewegung - war gleichzeitig aber ein Impuls für inhaltliche Klärungen, der Auswirkungen bis heute hat, bis hinein ins heutige Sozialgesetzbuch 12, das Leistungen für das Arbeitgebermodell in der Pflege vorsieht, dessen Grundgedanke damals entwickelt wurde: Behinderte beschäftigen ihre Pflegekräfte selbst, weil sie dann am besten in der Lage sind, auch die Art und Weise, wie sie gepflegt werden selbst zu bestimmen." sch
Mehr im Biopolitik-Blog von Oliver Tolmein
Max Mütze schrieb am 16.02.2009, 18:25
Wie Tolmein noch anmerkt, fusionierte die Krüppelzeitung mit der konkurrierenden Luftpumpe zur randschau, die sich in Berlin aber auf Dauer nicht halten konnte. Heute habe die Behindertenszene noch den Newsletter bei Bioskop und die kobinet-nachrichten.
© Kooperation Behinderter im Internet e.V.
Alle Rechte vorbehalten