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kobinet-nachrichten 24.02.2009 - 11:42
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Straße für alle am Kanzleramt

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Berlin (kobinet) Die Straße vor dem Bundeskanzleramt soll zum Testgebiet werden - für das Verkehrskonzept "Shared Space", das ohne Bordsteine, Ampeln und fast ohne Verkehrszeichen auskommt. Das berichtet heute die Berliner Zeitung.

Der Stadtrat für Stadtentwicklung des Bezirks Mitte, Ephraim Gothe (SPD), machte diesen Vorschlag, weil sich die Heinrich-von-Gagern-Straße vor dem Dienstsitz der Kanzlerin Angela Merkel für ein solches Pilotprojekt anbiete. Der Verkehr halte sich in Grenzen und viele Fußgänger seien unterwegs. "Dort könnte ich mir 'Shared Space' gut vorstellen", sagte Gothe der Berliner Zeitung. Auch die Wohnstraßen, die den West-Abschnitt der Karl-Marx-Allee in Mitte begleiten, wären für einen solchen Versuch geeignet. "Vielleicht gibt es hinter dem Kino International Möglichkeiten dafür", so der Stadtrat.

Die Bezirksverordnetenversammlung hatte auf Antrag der Grünen beschlossen, dass es in Mitte künftig mehr Straßen und Plätze geben soll, die von allen Verkehrsteilnehmern gemeinsam genutzt werden. Das Bezirksamt soll dem Beschluss zufolge prüfen, welche Bereiche geeignet sind.

Allerdings würde das in den Niederlanden entwickelte Verkehrskonzept "nicht überall funktionieren", gab der SPD-Politiker zu bedenken. So bestünde auf Straßen, auf denen viele Autofahrer Parkplätze suchen, die Gefahr, dass Fußgängerbereiche zugeparkt werden. Diese Bereiche müssten mit Pollern oder Gittern abgetrennt werden, was der Idee vom "gemeinschaftlich genutzten Raum" (so die Übersetzung des englischen Begriffs) widerspräche.

So lange die Pilotprojekte außerhalb des Hauptverkehrsstraßennetzes stattfinden, werde der Senat nichts dagegen einwenden, zitierte die Berliner Zeitung Heribert Guggenthaler von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Allerdings gebe es auch andere Möglichkeiten, um Fußgängern mehr Sicherheit zu geben, zum Beispiel Tempo 10 wie in der Spandauer Vorstadt in Mitte. Wenn Straßen zu "Shared Spaces" umgebaut werden, verursache dies Kosten - an denen in bestimmten Fällen laut Gesetz Anlieger zu beteiligen sind. sch

kobinet 2.2.09: Schöne neue Verkehrswelt?

 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Ute Pilling schrieb am 14.03.2009, 23:26

Strasse für alle am Kanzleramt

Oje Herr Gothe, warum denn am Kanzleramt? Damit die Touristen wie schon auch jetzt völlig verträumt die Straßen dort überqueren können? Was bringt das denn Neues? Berliner findet man dort kaum. Autoverkehr gibt es ebenfalls vergleichsweise wenig. Was haben die Berliner Bewohner denn davon, wenn vor dem Kanzleramt "shared space" eingerichtet wird? Ein Pilotprojekt sollte da stattfinden, wo es wirklich Sinn macht, wo viele davon betroffen sind. Ein Pilotprojekt dient m.E. dazu, auszuprobieren wie es auf möglichst viele wirkt und was man verbessern könnte und zwar in ganz normalen Wohnkiezen. Soweit ich über "shared space informiert bin, ist in einem shared space-Gebiet sowieso kaum Parkfläche und wenn, dann kann sie gekennzeichnet werden, wie das doch schon an vielen Stellen in reinen Wohngebieten in Kleinstädten z.B. gemacht wird auch ohne Bordsteinkanten. Zugeparkt wird immer, das muß man dann halt eine Weile kontrollieren, wie das in den verkehrsberuhigten Zonen nach deren Einführung ja auch der Fall war. Das Gebiet hinter dem Kino International ist genauso wenig geeignet. Herr Gothe und Herr Guggenthaler trauen Sie sich doch mal was! oder muß man hier wie bei so vielen guten Ideen 20 Jahre warten, bis die Politik so weit ist.

Ottmar Miles-Paul schrieb am 24.02.2009, 13:17

Blindenleitsysteme nötig

Wenn derartige Shared Space Bereiche eingerichtet werden sind Blindenleitsysteme, die es blinden und sehbehinderten Menschen ermöglichen, den Weg durch diese Bereiche möglichst zielgerichtet und sicher zu finden, nötiger denn je. Denn mich als Sehbehinderter verunsichert es in der Regel ungemein, wenn plötzlich Autos meinen Weg kreuzen und ich mir nicht klar darüber bin, was Gehweg und was Straße ist. Hätte ich ein entsprechendes Leitsystem wüsste ich wenigstens, dass ich auf dem richtigen Pfad bin und könnte dem wilderen Durcheinander leichter trauen.

Also sollte bei solchen Konzepten die Leitsysteme für blinde und sehbehinderte Menschen nicht zu kurz kommen, denn sonst sind diese Personen diejenigen, die den Kürzeren ziehen.

Ottmar Miles-Paul

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