
Berlin (kobinet) Der Sozialverband Deutschland (SoVD) lehnt den von der Kultusministerkonferenz geplanten Sonderabschluss für "Sonderschüler" entschieden ab. Anlässlich der heute beginnenden Kultusministerkonferenz erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer: "Statt die Ausgrenzung von behinderten und lernbehinderten Schülern weiter zu verfestigen, brauchen wir endlich einen Aufbruch für ein inklusives Bildungssystem, in dem behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam lernen."
Die Kultusministerkonferenz will für Schüler von Förderschulen künftig einen Schulabschluss "Förderschwerpunkt Lernen" einführen. Damit würde ein neuer Schulabschluss noch unterhalb des Hauptschulabschlusses geschaffen. "Das verschleiert die Tatsache, dass Förderschüler ausgegrenzt werden. Ein Sonderabschluss ist diskriminierend und wäre gerade zum jetzigen Zeitpunkt das völlig falsche Signal", warnte Bauer.
Der Vorschlag eines Sonderabschlusses für Förderschüler laufe der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen völlig zu wider. "Die Bundesrepublik hat sich mit der Unterzeichnung der UN-Konvention dazu verpflichtet, dass der gemeinsame Schulbesuch behinderter und nicht
behinderter Kinder nicht länger die Ausnahme ist, sondern zur Regel wird", betonte der Verbandspräsident.
Der SoVD ruft die Kultusministerkonferenz auf, "neue Wege zu beschreiten und mit der Verwirklichung eines inklusiven Bildungssystems zu beginnen". Der Vorschlag eines Sonderabschlusses gehe an den eigentlichen Problemen vorbei und würde lediglich zu einer geschönten Schulabbrecher-Statistik führen.
Derzeit verlassen drei Viertel der Abgänger von Förderschulen diese ohne einen anerkannten Schulabschluss. Mit dem neuen Sonder-Schulabschluss würde diese Abbrecherquote per Federstrich geschönt, so Bauer, ohne dass sich die Bildungschancen der Kinder tatsächlich verbessert hätten. sch
Peter Hilpmann schrieb am 07.03.2009, 19:30
Ich gehöre als ehemalier Sonderschüler zu den 2,2 % die einen mittleren Bildungsabschluß haben. Wahrend meiner Schulzeit bis heute hat sich an der Situation nichts geändert.
1982 bin ich für meinen Sonderschulbesuch rehabilitiert worden. Heutzutage bin ich doppelt rehabilitiert durch meinen Beruf. Ich erfuhr damals das Kinder mit normaler Begabung bzw. normaler Inteligenz laut Gesetz nicht auf die Sonderschule abgeschoben werden dürfen. Aber in der Praxis passiert es doch. Die Grundschullehrer schieben Kinder ab ihnen unbequem sind.
Außerdem erfuhr ich, dass in der Regel alle Grundschulleher abschieben. Das einzige was hilft, mit Hilfe eines Inteligenztestes nachweisen, das eine normale Begabung vorliegt. Bei Galileo dem Wissensmagazin auf pro 7. Ist gezeigt worden wie wenig Realschlabschlußabsolventen die eine Lehre machen wollen an wissen haben. Sie wissen nicht wer Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland ist. Können Deutschland auf einer Weltkarte nicht finden. Sie suchten in Asien und fanden es nicht. Ich glaube die Frage ist damit beantwortet.
Ich persönlich war entsetzt über diese schwache Leistung. Denn noch Dümmer geht es eigentlich nicht. Von den vier Testkandidaten haben trotz der schlechten Leistung drei der vier Kandidatinen eine Lehrstelle bekommen. Ich bin auch der Auffassung das die Sonderschule so schnell wie möglich abgeschaft werden muß. Denn sie verstösst gegen die UN-Behindertenkonvention.
Mit freundlichem Gruß
Peter
Cordula Müller schrieb am 07.03.2009, 11:45
Sehr geehrter Herr Bönning, Ihre Frage ist natürlich berechtigt, und es ist immer so, daß sich der Arbeitgeber den besten rauspickt.Aber der beste nach Notengebung muss natürlich nicht auch der beste im Arbeiten sein. So kann ein z. B. Schüler mit Förderung Lernen vielleicht schlecht in Schrift und Wort sein, seine Körperliche Arbeit könnte jedoch besser sein.So hat mir mal ein Feuerwehrmann erzählt, sie haben sich einen rausgepickt, der theoretisch IMMER der beste war, der genau wusste, warum gerade dieser Schlauch mit der Verbindung gekoppelt sein muss, er wusste sämtliche Vorschriften in und auswendig, doch -- er hatte Angst, eine Leiter an einem Kühlturm raufzuklettern. Das mag jetzt eine nicht ganz aussagekräftige Antwort sein aber Fakt ist: Würden Schulen mehr auf schriftliche Beurteilungen wert legen ohne nur Noten, denke ich, daß dann auch eher ein Sonderschüler Chancen hätte.
Klar, ein Bäckerlehrling muss wissen, ob er Zucker oder Mehl nimmt, aber muss auch ein Gefühl für den Teig haben.
Es ist eben heute leider so,daß nur auf Papiere geschaut wird und auf Zertifikate.
Wer schaut schon auf soziale Kompetenz?? Wie auch, wenn nicht darauf in einer inklusiven Gesellschaft daraufhin gearbeitet wird.
Ich würde also sagen mehr Beurteilungen, was ein Schüler wirklich kann ,das kann ja auch die Beurteilung sein, daß Schüler xy sehr qualifiziert in mathematischen Anwendungen ist, oder eine Schülerin wunderschöne Konzerte mitgestaltet, oder Phantasie im Geschichtenschreiben hat oder ein Super Fussballer ist....
Die Stärken des Einzelnen hervorheben!!
Elterninitiative Bornheim Gemeinsamer Unterricht
Hans-Reiner Bönning schrieb am 06.03.2009, 18:33
Ich stimme der Kritik zu, habe aber auch einige Fragen und würde mich freuen, wenn dazu jemand Auskunft geben könnte, dem es - wie mir - um inklusive Bildung und um volle Teilhabechancen auch nach der Schulzeit geht:
Wie sollen Ausbildungsbetriebe und Arbeitgeber erkennen, welche Leistungsvoraussetzungen Schüler/innen mit Lernbeeinträchtigungen tatsächlich mitbringen?
Wie müsste ein dafür geeignetes Abschlusszeugnis aussehen?
Wenn ich in meinem Betrieb eine Ausbildungsstelle oder Arbeitsstelle anbiete und dafür viele Bewerbungen bekomme, möchte ich mir ja die best-geeignetsten Bewerber/innen heraussuchen. Ein wichtiges Kriterium dafür ist, welche Abschlussnoten in welchen Fächern erreicht worden sind. Ich suche mir die mit den besten Noten in den jeweils wichtigsten Fächern heraus bzw. sortiere die mit den schlechteren Noten aus. Wobei ich davon ausgehe, dass jemand, der z.B. in Deutsch und Mathe gut benotet wurde, auch kompliziertere Texte und Rechnungen verstehen bzw. lösen kann. Es nutzt mir bzw. dem/der lernbehinderten Bewerber/in nichts, wenn er/sie genau das gleiche Zeugnis mit genau den gleichern Fächern erhält. Denn entweder stehen dann in vielen Fächern Fünfen und Sechsen - oder seine/ihre Leistungen wurden nach anderen Kriterien benotet, die zu guten Noten, aber zu falschen Erwartungen beim Ausbildungsbetrieb/Arbeitgeber führen.
Bitte meine Fragen nicht miss- zu verstehen: Wenn klar ist, was nicht sein soll und was nicht geht - was und wie geht es dann?
Cordula Müller schrieb am 05.03.2009, 15:42
Wie wäre es noch mit dem Abschluss Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung, Körperliche Entwicklung, Sehen , Hören,Sprache oder Alles kombiniert und gemischt?
Vielleicht könnte die KMK noch einführen, daß Schüler den Schulabschluss natürlich nach Eignung nachholen dürfen oder per Fernstudium??
Langsam wird es uns zu bunt! Ob unsere Kinder einen noch miserableren Abschluss als den der auch schon kaum anerkannten Hauptschulabschlüsse erlangen könnten, ist doch gar nicht mehr die Frage.
Denkt die KMK, eine Firma wird ihre Einstellung ändern, und in Zukunft auch Sonderschülern eher den Vorzug geben???
Dieser Weg ist falsch und im Grunde weiss die KMK das auch.
Auch die Schüler müsste man mal dazu befragen, glaubt irgendeiner, daß sich diese besser fühlen mit einem noch weniger werten Abschluss?
Die Scham bleibt und das verlorene Selbstwertgefühl auch.
Elterninitiative Bornheim Gemeinsamer Unterricht